„Es ist eine Frage der Zeit“ Pistorius rechnet mit Fahndungserfolg bei Ex-RAF-Terroristen

Von Burkhard Ewert und Marion Trimborn | 09.06.2016, 07:37 Uhr

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius rechnet bei der Fahndung nach den untergetauchten ehemaligen RAF-Mitgliedern mit einem Erfolg. In einem Gespräch mit unserer Redaktion sagte Pistorius: „Nach meiner Einschätzung ist es eine Frage der Zeit, bis sie gefasst werden, denn jetzt zieht sich das Netz wirklich enger zusammen.“

Die Fahndung sei nicht einfach, da die drei Täter absolut professionell vorgingen: „Das sind keine Laien. Sie wissen genau, was sie tun.“ Am Dienstag hatten sich Polizei und Staatsanwaltschaft erneut an die Öffentlichkeit gewandt. Ermittlungen hatten ergeben, dass das Trio wohl nicht nur für zwei missglückte Überfälle auf Geldtransporter in Stuhr und Wolfsburg verantwortlich ist, sondern auch für Raubüberfälle auf sechs Supermärkte. (Weiterlesen: RAF-Trio soll Supermarkt in Osnabrück überfallen haben)

Innenminister lobt Ermittler

Der Innenminister lobte die Ermittlungsarbeit der Polizei, die alleine 4000 Autohändler in Niedersachsen aufgesucht habe, um Hinweise auf die Art der Beschaffung von Autos zu finden, die das Trio bei den Überfällen benutzt hatte. „Dadurch ist man Ihnen auf die Schliche gekommen inklusive Fotos. Das ist eine echte Fleißarbeit der Polizei“, sagte der Minister.

Netzwerk von Unterstützern?

Es sei möglich, dass die Untergetauchten auf ein Netzwerk von Unterstützern zugreifen könnten, sei es aus der Sympathisantenszene oder gegen Geld. Offen sei, ob sie ohne Papiere oder mit falschen Identitäten lebten. „Beides ist denkbar“, sagte Pistorius. „Das ist reine Spekulation. „ Nach dem Trio werde bundesweit gefahndet. Der Minister betonte:“ Sie werden nicht nur wegen der Überfälle, sondern auch wegen des Sprengstoffanschlags auf die Justizvollzugsanstalt Weiterstadt gesucht.“ Dieser Sprengstoffanschlag auf die noch nicht eröffnete JVA war 1993 der letzte Terroranschlag der Rote Armee Fraktion vor ihrer Auflösung, der Schaden wurde damals auf rund 100 Millionen D-Mark geschätzt. Hier sollen die ehemaligen RAF-Terroristen zugeschlagen haben.

Dass die Täter Überfälle auf Supermärkte und Geldtransporter in Niedersachsen verübten, sage nichts über ihren Lebensmittelpunkt aus. Der SPD-Politiker sagte: „Es kann sein, dass sie in der näheren Umgebung leben, es kann aber auch sein, dass sie für die Taten einreisen und dann wieder in ihren Rückzugsraum verschwinden.“ (Weiterlesen: RAF-Trio soll Supermarkt in Osnabrück überfallen haben)

20 neue Hinweise

Nach den Berichten über weitere Raubüberfälle von drei mutmaßlichen Ex-RAF-Terroristen geht die Polizei neuen Spuren nach. Beim Landeskriminalamt (LKA) in Hannover seien gut 20 Hinweise eingegangen, sagte ein Sprecher am Mittwoch. Allerdings befinde sich darunter nach einer ersten Bewertung keine heiße Spur. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen davon, dass sich die Gesuchten mittlerweile in Geldnot befinden. Deshalb seien weitere Taten zu befürchten. Für Hinweise, die zu einer rechtskräftigen Verurteilung der drei Gesuchten führen, hat ein Geldtransportunternehmen eine Belohnung in Höhe von 20 000 Euro ausgesetzt.