Cloppenburger angeklagt - Firma im Emsland Kaffeefahrten: Mutmaßlicher Betrüger vor Gericht

Von Dirk Fisser | 06.02.2014, 11:51 Uhr

Sie lügen, sie betrügen, sie zocken ab: Tausende sind schon auf die Tricks der Betreiber von Kaffeefahrten hereingefallen. Einem mutmaßlichen Chefplaner will die Staatsanwaltschaft Oldenburg jetzt das Geschäft nachhaltig vermiesen: Sie hat den Mann aus Cloppenburg angeklagt, es führen auch Spuren ins Emsland. Am Freitag kommt es zum Prozess.

Zum Verhängnis wurden dem 41-jährigen Cloppenburger ausgerechnet die massenhaften Gewinnmitteilungen , die er verschickt haben soll, um ahnungslose Menschen auf seine Verkaufsveranstaltungen zu locken. Die Schreiben hätten urkundlichen Charakter gehabt, befanden Polizei und Staatsanwaltschaft. Ihr Vorwurf: 417-fache Urkundenfälschung. Und weil die Briefe von einem fiktiven Anwalt samt Doktortitel unterschrieben waren, kommt in 92 Fällen auch noch der Missbrauch von Titeln oben drauf.

Sieben Verhandlungstage hat das Landgericht in Oldenburg für die Klärung der Schuldfrage angesetzt. Sieht die Kammer die Vorwürfe für begründet an, dann drohen dem Mann mehrere Jahre Gefängnis.

Zweiter Anlauf

Dabei wähnte der sich wohl schon gerettet: Im ersten Anlauf ließ das Landgericht den Kaffeefahrten-Prozess nämlich platzen. Die Richter hielten das Vorgehen nicht für strafbar und wiesen die Anklage deswegen ab. Es habe sich um reine Infopost gehandelt. Die zu verschicken, sei nicht strafbar.

Die Staatsanwaltschaft legte gegen die Entscheidung vor dem Oberlandesgericht in Oldenburg Beschwerde ein - und bekam recht. Die Richter ließen die Anklage zu und erklärten das Hauptverfahren für eröffnet. Besonders durch den frei erfundenen Rechtsanwalt sei der Eindruck entstanden, es habe sich bei den Gewinnmitteilungen um Originale mit urkundlichem Charakter gehandelt. So zumindest die Einschätzung am Oberlandesgericht . Jetzt müssen die Richter am Landgericht urteilen.

Kaffeefahrten-Hochburg

Dass sich Hintermänner von Kaffeefahrten überhaupt juristisch verantworten müssen, kommt selten vor. „Der Nachweis ist sehr schwierig“, heißt es auf Nachfrage bei der Staatsanwaltschaft in Oldenburg. Auffällig: Die Hochburg dieser Betrugsmasche scheint im Raum Weser-Ems zu liegen. Immer wieder werden auf den Schreiben Postfächer in den Landkreisen Cloppenburg, Vechta, Oldenburg oder Emsland angegeben - auch im jetzt angeklagten Fall.

Der Beschuldigte betrieb dabei nach Recherchen unserer Zeitung ein ganzes Netz von Firmen. Die Spur führt auch ins Emsland: In Werlte soll der Cloppenburger Druck- und Kuvertiermaschinen betrieben haben. Gut möglich also, dass die massenhaft versandten Gewinnmitteilungen hier ihren Ursprung hatten.