Bodenschätze an der Oberfläche Niedersachsen ist reich an Sand, Kies und Torf

Von Alexander Klay | 19.12.2013, 07:35 Uhr

Ton und Torf, Kies und Sand – gemessen an diesen Rohstoffen ist Niedersachsen ein reiches Land. Auf rund 50 Millionen Tonnen schätzt das niedersächsische Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) in Hannover die jährliche Produktion allein von Sand und Kies. Und die deutsche Torfindustrie hat in Niedersachsen ihren Schwerpunkt: Gut 95 Prozent der Rohstoff-Vorräte liegen hier.

Ohne konstanten Nachschub an Sand und Kies würde jede Baustelle schnell zum Erliegen kommen – laut LBEG macht die Bauwirtschaft fast 97 Prozent der Nachfrage aus. Und der Bedarf ist groß: Je Einwohner und Tag werden laut statistischem Bundesamt rund 7,8 Kilogramm Sand und Kies benötigt.

Um diesen Bedarf zu stillen, säumen Hunderte Abbaustellen das Land. Der Landkreis Osnabrück zählt etwa 150 genehmigte Standorte für den Bodenabbau. Schwerpunkte sind die Ankumer Höhen (Sand), das Vennermoor (Torf) und für Ton und Gestein das Wiehengebirge. Gerade bei kleineren Betrieben, die 70 Prozent der Bodenabbauer ausmachten, blieben die Rohstoffe in der Region, heißt es beim Landkreis Osnabrück. Bei Sand und Kies werden zwei Drittel der abgebauten Mengen maximal 30 Kilometer weit transportiert, heißt es im niedersächsischen Rohstoffsicherungsbericht.

Von geringerer Bedeutung ist Quarzsand, etwa für die Glasindustrie. Abbaustellen gibt es etwa in der Grafschaft Bentheim in den Gemeinden Laar und Wilsum. In den Landkreisen Aurich und Wittmund wird an mehreren Stellen Ton für die Klinker-Produktion gewonnen.

Der Bodenabbau hinterlässt deutliche Spuren in der Landschaft – das wird immer wieder von Naturschützern eingewendet. Tiefe Krater bleiben zurück. Um neue Vorhaben gibt es oft Streit. Zuletzt etwa um den Abbau einer halben Million Kubikmeter Sand im Niedersachsenpark in Rieste.

Akut bedroht sieht sich die Torfindustrie in Niedersachsen. Über Jahrhunderte wurde der Stoff zum Heizen genutzt, heute als Kultursubstrat für die Produktion von Obst und Gemüse. Die rot-grüne Landesregierung will den Abbau stoppen, die Natur schützen. Reserveflächen von 22000 Hektar, sogenannte Vorranggebiete, stehen auf der Kippe. Eine entsprechende Neufassung des Landes-Raumordnungsprogramms wird zurzeit in Hannover erarbeitet. Im Januar oder Februar befasse sich das Kabinett mit dem Thema, heißt es im Landwirtschaftsministerium.

Moritz Böcking, Geschäftsführer des Substratproduzenten Klasmann-Deilmann aus Geeste, warnt vor diesem Plan. Hierzulande würden jährlich rund neun Millionen Kubikmeter Torf benötigt. Noch werden davon mehr als 80 Prozent im Inland produziert. „Ohne neue Flächen würde der Abbau spätestens in den 2030er-Jahren drastisch zurückgehen“, warnt Böcking – stattdessen würde der Torf per Lkw aus dem Baltikum importiert, der Abbau lediglich verlagert.

Torf biete die optimale Grundlage für die Pflanzenproduktion in Gewächshäusern. Es gebe zwar Alternativen, etwa auf Holzbasis. „Aber die funktionieren nur in Kombination mit Torf“, sagt der Geschäftsführer.

Seit den 1980er-Jahren wird für den Torfabbau kein intaktes Moor mehr angetastet. Vielmehr nutzt die Industrie längst trockengelegte landwirtschaftliche Flächen. Anschließend werde das Areal wiedervernässt und dem Naturschutz übergeben. Böcking: „Das ist eine Aufwertung der Flächen.“