Bauern sauer auf Land Problemsee Dümmer: Sanierung stockt

Von Dirk Fisser | 30.07.2013, 23:35 Uhr

Still ruht der Problem-See Dümmer: Maßnahmen zur Bekämpfung der Algenplage und ihrer Ursache in Niedersachsens zweigrößtes Binnengewässer kommen derzeit nicht voran. Der Grund: Bauern warten auf das Land und das wartet auf Europa.

Andreas Kroll ist sauer. „Ich bin kein Fachmann, ich bin Bauer“, aber so kann es auch nicht gehen, findet der Vorsitzende des Landvolk-Kreisverbandes Wittlage. Was ihn erzürnt? Er und seine Mitstreiter aus dem Osnabrücker Land, die sich in der Kooperation „Dümmer/Obere Hunte“ zusammengeschlossen haben, wollen endlich handeln. Sie wollen etwas tun für den Dümmer, den sie nach eigener Aussage so lieben.

Strahlt die Sonne und die Luft steht still, dann machen sich die Algen auf dem See breit. Sie sorgen für Gestank, lassen die Fische sterben und die Gäste das Weite suchen. Das Phosphat im See lässt die Algen sprießen. Über den Fluss Hunte findet es seinen Weg in das Binnengewässer und bleibt dort.

Dagegen wollen die Landwirte etwas machen, sie haben einen Plan. Doch die Politik macht ihnen einen Strich durch die Rechnung: Die finanziellen Mittel zur Förderung freiwilliger Maßnahmen sind noch nicht freigegeben. Etwa 350000 Euro schätzt die Kooperation , müssten jährlich zur Verfügung stehen, um erste Schritte in Sachen Dümmersanierung in Angriff zu nehmen.

„So schnell wie möglich“

Genau diese Summe ist auch im Sanierungskonzept festgeschrieben, das die schwarz-gelbe Landesregierung noch im Januar verabschiedet hatte. Mit dem Geld sollen die freiwilligen Maßnahmen der Landwirtschaft unterstützt werden. Laut Experten haben nämlich 70 Prozent des Phosphats ihren Ursprung auf landwirtschaftlichen Flächen entlang der Hunte, die dann auf ihrem Weg den Dümmer durchfließt.

Im Januar hieß es noch, der Beschluss solle so schnell wie möglich umgesetzt werden. Ein siebenstelliger Betrag wurde im Haushalt für den Problemsee zurückgestellt. Und dennoch passiert nichts. Warum? Landwirtschafts- und Umweltministerium haben sich bislang nicht einigen können, wer für die 350000 Euro aufkommen soll. Auf Nachfrage bestätigt das Umweltministerium, dass in dieser Frage bislang noch keine Einigung erzielt worden sei. Das soll aber so schnell wie möglich geschehen, so eine Sprecherin.

Kroll schüttelt darüber den Kopf. „Uns rennt die Zeit davon“, schimpft er. „Wenn wir die Maßnahmen nicht bald umsetzen, können wir das alles vergessen.“ Denn jetzt werde geerntet. Danach sei das ideale Zeitfenster, um Maßnahmen zu ergreifen. Im Gespräch sind etwa breitere Grünstreifen entlang der Felder oder das Ansäen von Zwischenfrüchten. Welche Maßnahme wo sinnvoll ist, haben Experten in den vergangenen Wochen ermittelt.

Nicht auf eigene Kosten

Doch auf eigene Kosten wollen die Bauern nicht mitmachen. „Wir können unsere Ziele nur dann erreichen, wenn die Landwirte mögliche finanzielle Einbußen auch finanziell ausgleichen können“, sagt Kroll. Genau dafür waren die 350000 Euro im Sanierungskonzept vorgesehen. Kroll fügt an: „Es ist doch einfach unverantwortlich: Wir werden als Buhmann bei der ganzen Geschichte dargestellt. Aber unterstützen will uns gleichzeitig niemand.“

Dabei sind die Pläne der Gewässerkooperation laut Kroll viel effektiver als alles andere, das im Zuge der Dümmersanierung geschehen soll. Wenn alle freiwilligen Maßnahmen umgesetzt werden, so hat die Gewässerkooperation errechnet, dann könne der Phosphateintrag in den Dümmer um 30 Prozent reduziert werden. Und das Ganze für nur 350000 Euro.

Nur deswegen, weil andere Maßnahmen aus dem Sanierungskonzept viel teurer werden. Herzstück ist der Großschilfpolder, der in einer ersten Ausbaustufe von 81 Hektar 14 Millionen Euro kosten soll. Das Schilf, so die Hoffnung, soll das Phosphat aus dem Hunte-Wasser filtern. Ob der gewünschte Effekt eintritt, würde sich aber erst in einigen Jahren zeigen. Möglicherweise ist ein mehr als doppelt so großer Polder notwendig. „Da es hierzu keine vergleichbaren Referenzanlagen gibt, sind präzisere Aussagen derzeit noch nicht möglich“, heißt es aus dem Umweltministerium.

Wer zahlt künftig?

Und dann stellt sich ja noch die Frage, wer langfristig für die jährlich anfallenden 350000 Euro aufkommt. Umwelt- oder Landwirtschaftsministerium? „Die Landesregierung setzt sich dafür ein, dass diese Maßnahmen im Rahmen der Förderprogramme der künftigen Gemeinsamen Agrarpolitik der EU bezuschusst werden können. Da die Verhandlungen dazu noch laufen, ist das Ergebnis allerdings noch offen“, heißt es aus dem Umweltministerium. Im Klartext: Die Regierung möchte die landwirtschaftlichen Maßnahmen ab dem kommenden Jahr nicht alleine zahlen. Ob der Plan aufgeht, ist aber unklar.

Mehr zum Dümmer lesen Sie auf www.noz.de .