Bangen um Tiere Wolf macht Schäfern in der Region Angst

Von Tobias Böckermann | 03.12.2014, 19:30 Uhr

Bis Dezember 2015 müssen die Schafhalter im Emsland und der Grafschaft Bentheim ihre Zäune wolfssicher machen. Ansonsten gibt es im Schadensfall kein Geld. Der Landesschafzuchtverband Weser-Ems hat sich derweil gegen die Rückkehr des Wolfes ausgesprochen.

Eine neue Richtlinie des Landes sieht zwar Finanzhilfen beim Bau und Kauf der neuen Zäune vor, sie stellt die wenigen verbliebenen Schäfer aber dennoch vor enorme Probleme. Das jedenfalls ist das Fazit der Regionalversammlung des Landesschafzuchtverbandes Weser-Ems (LSV) in Meppen. Mehr als 20Schafhalter diskutierten über den Umgang mit dem Beutegreifer, dessen Vorkommen für das Emsland und die Grafschaft Bentheim offiziell bestätigt ist.

Mindestens eine Wolfsfähe streift zwischen den Schießplätzen WTD 91 bei Meppen und Nordhorn-Range hin und her ( wir berichteten ). Erste getötete oder angegriffene Schafe gab es bereits. Der Vorsitzende des LSV Weser-Ems, Heiko Schmidt, hat dafür eine Erklärung: „Wolf und Schaf passen einfach nicht zusammen, weil der Wolf unbelehrbar ist.“

Tatsächlich zeigen Statistiken, dass der Vierbeiner ab und zu neben Rehen oder Damwild auch Schafe frisst – sie sind leicht zu erbeuten und werden vom Nahrungsopportunisten Wolf deshalb gelegentlich auch gerissen.

Das Problem seien nicht ein oder zwei Tiere pro Jahr, die ein Wolf aus einer Herde entnehme, sagte Schmidt. „Das Problem sind die Folgen: Hochtragende Schafe verlieren vor Schreck ihre Lämmer, ganze Herden sind wochenlang in Panik und mit Hütehunden nicht mehr lenkbar. Und nicht selten tötet der Wolf mehrere Schafe auf einmal“.

Größte Sorge sei aber die Angst der Schafhalter, ihre Tiere könnten vom Wolf in Panik versetzt werden, auf eine Autobahn laufen und menschliche Tragödien verursachen, sagte Michael Gertenbach vom Schafzuchtverband. Und ein Teilnehmer der Versammlung meinte, eine weitere Tragödie spiele sich im Kopf ab: weil der Schäfer in ständiger Sorge um seine Tiere leben müsse.

Das alles sei auch der Politik in Hannover vorgetragen worden, sagte Vorsitzender Schmidt. „Wir finden aber absolut kein Gehör und werden alleingelassen.“ Sein Verband habe deshalb als einziger Vertreter der Schafhaltung in ganz Deutschland auch offiziell Stellung gegen den Wolf bezogen: „Wir werden viele Schafhalter für immer verlieren“, fürchtet er.

Das alles war innerhalb der Schäferschaft Konsens, allein: Es nützte nichts. Denn der Wolf sei streng geschützt und gesellschaftlich offensichtlich gewollt, sagte Gertenbach. „Uns bleibt nur die Möglichkeit, bestmögliche Vorsorge zu betreiben.“

Richtlinie veröffentlicht

Das Land Niedersachsen habe gerade jene Richtlinie veröffentlicht, nach der jeder Schafhalter in einem anerkannten Wolfsgebiet (seit Dezember eben auch das Emsland und die Grafschaft Bentheim) innerhalb von zwölf Monaten einen „wolfsabweisenden Grundschutz“ um seine Flächen errichten müsse. Nur damit gebe es in Zukunft Entschädigungen.

Das Land fördere zwar 80 Prozent der Materialkosten für Fest- oder Elektrozäune, diese gingen aber gerade bei ökologisch wertvollen Heide- und Moorflächen leicht in die Tausende bis Zehntausende Euro. Das sei für viele Halter kaum zu bezahlen, die Arbeit nicht zu leisten, hieß es.

Herdenschutzhunde seien zwar die effektivste Abwehrmethode, angesichts von Unterhaltungskosten von 1000 Euro pro Jahr und pro Herde mindestens zwei notwendigen Hunden aber zu teuer. Immerhin: Die Tierhalterhaftpflichtversicherung bezahlt Schäden, die Schafe infolge eines Wolfsangriffes anrichten.

Für Gertenbach stand fest: Vorsorge bleibt die einzig mögliche Antwort auf den Wolf, die Wolfsrichtlinie dennoch umstritten. Denn die Leistungen des Landes sind freiwillig und auf 15000 Euro in drei Jahren begrenzt.

Am Ende des Abends in Meppen blieben eine gewisse Ratlosigkeit und die Sorge, dass Schafe noch weiter aus der Landschaft verschwinden. Seit 2009 hatten Unwirtschaftlichkeit, neue Vorschriften und exotische Krankheiten schon dafür gesorgt, dass der Bestand in Niedersachsen von 274000 auf 226600 Tiere gefallen ist.

Der Wolf hingegen breitet sich weiter aus: Im Landkreis Vechta mehren sich die Meldungen über Risse. Und Experten gehen davon aus, dass Deutschland binnen 10 bis 20Jahren nahezu flächendeckend besiedelt sein wird. Dann dürfte auch eine Bejagung wieder zum Thema werden.

Weitere Informationen zum Wolf in der Region finden Sie unter www.noz.de/wolf