Aufmerksame Professoren Niedersachsens Unis sind bei Plagiaten wachsam

Von dpa | 13.02.2017, 19:46 Uhr

Software kann Betrügereien bei Seminararbeiten und Promotionen aufspüren, aufmerksame Professoren werden auch ohne Programme fündig. Doch mehr noch setzen die Hochschulen im Kampf gegen Plagiate auf Prävention und gute Betreuung.

An den niedersächsischen Universitäten fallen nur wenige Studenten mit Plagiaten auf. Doch ab und an wird Fehlverhalten bei Semester-, Bachelor- oder Masterarbeiten entdeckt, auch Doktorarbeiten oder eine Habilitation können betroffen sein. Nach einer Umfrage der dpa nutzen die Hochschulen entsprechende Software, doch vor allem setzen sie auf Betreuung und Prävention.

Das Wissenschaftsministerium hat 2014 mit den Unis neue Leitlinien zur Promotion verankert. Sie sollen hohe Qualitätsstandards und eine gute Begleitung sicherstellen. „Mit den Leitlinien wird eine höhere Transparenz und Verbindlichkeit der Promotionsverfahren garantiert“, sagte Ministeriumssprecher Jan Haude in Hannover. Nach einer Ergänzung des Niedersächsischen Hochschulgesetzes können die Hochschulen von Prüflingen zudem seit Anfang 2016 eine Versicherung an Eides statt verlangen, dass die Leistung selbstständig und ohne unzulässige fremde Hilfe erbracht wurde. Zur zahlenmäßigen Entwicklung von Plagiatsfällen liegen keine Informationen vor.

Leibniz Universität Hannover

„Im Bereich Promotionen ist in den letzten zwei Jahren an der Leibniz Universität kein Fall von Aberkennung bekannt“, sagte Sprecherin Mechtild von Münchhausen in Hannover. Die Uni lege besonderes Augenmerk auf die Betreuung. Von der öffentlichen Diskussion sensibilisiert wurde 2012 eine Plagiatssoftware angeschafft. Die Qualität der Doktorandenausbildung sei schon zuvor im Fokus gewesen. Der Uni gehe es nicht um „erwischen“, sondern um „verhindern“, betonte von Münchhausen. Bei Bachelor- und Masterarbeiten nutzten die meisten Lehrenden die zur Verfügung gestellten Programme bei Verdachtsfällen, einige überprüften systematisch alle eingereichten Arbeiten, so von Münchhausen. „Daten zur Nutzung liegen uns jedoch nicht vor und werden von den Fakultäten nicht erhoben.“

Leuphana Lüneburg

„In den letzten zwei Jahren hatten wir keine Plagiatsfälle im Bereich von Dissertationen“, sagte Leuphana-Sprecher Henning Zühlsdorff in Lüneburg. „Wir sorgen zudem im sogenannten teilstrukturierten Promotionsstudium ohnehin für eine intensive Betreuung des akademischen Nachwuchses.“ Bei Hausarbeiten sowie Bachelor- und Master-Arbeiten sei es vereinzelt zu Plagiatsversuchen gekommen, eine Zunahme sei nicht zu beobachten. Den Prüfern steht eine Plagiatssoftware zur Verfügung.

Universität Osnabrück

An der Universität Osnabrück gab es von 2012 bis 2016 insgesamt elf gemeldete Verdachtsfälle von sogenanntem wissenschaftlichen Fehlverhalten, sagte Pressesprecher Utz Lederbogen. Daraus ergaben sich zwei bestätigte Fälle bei einer Habilitationsschrift und einer Promotion. Wenn Prüfer bei Bachelor- oder Masterarbeiten einen Verdacht haben, können sie eine uniinterne Software einsetzen. „Diese Möglichkeit wird konsequent genutzt“, so Lederbogen. Sehr wichtig seien der Universität Präventionsmaßnahmen, betonte auch er. „Jeder Dozent und Prüfer ist angehalten, seinen Studierenden Empfehlungen zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis zu geben.“ Bereits 1999 habe der Senat Richtlinien herausgegeben, Seminare zum Thema werden jedes Jahr angeboten.

Universität Göttingen

Auch die Universität Göttingen hat entsprechende Software im Einsatz. „Wichtiger ist allerdings, mit der Prävention während des Studiums so früh wie möglich zu beginnen“, sagte Sprecher Romas Bielke. Da setze man auf gute Betreuung, etwa in den Graduiertenschulen, auch gebe es eine eigene Ombudsstelle für gute wissenschaftliche Praxis. Bei Promotionen haben die zuständigen Gremien in den vergangenen zwei Jahren drei Verdachtsfälle überprüft. In zwei der Verfahren habe die zuständige Fakultät anschließend den Doktortitel aberkannt. Die Prüfung von Semester-, Bachelor- und Masterarbeiten wird nicht zentral erfasst.

TU Braunschweig

„An der TU Braunschweig nutzen wir in allen Fakultäten die Software Docoloc, um Plagiate bei Bachelor- und Masterarbeiten sowie Promotionen aufzuspüren“, sagte Sprecherin Elisabeth Hoffmann. Die Studierenden müssten vor der Abgabe eine entsprechende Einverständniserklärung unterzeichnen, wüssten also Bescheid. Prüfer würden über die Software hinaus auch persönlich schauen, ob tatsächlich ein Plagiat vorliege oder vielleicht etwa nur länger zitiert wurde. Zahlen, wie oft insgesamt Plagiate vorkommen, werden nicht erfasst.

Universität Bremen

In den vergangenen vier Jahren wurden in Bremen zweimal Promotionen aberkannt“, sagte Universitätssprecher Eberhard Scholz. Es habe in den letzten Jahren keinen Anstieg gegeben. „Wir setzen jeweils auf fachspezifische Prüfungssoftware.“ Bei Semester- und Abschlussarbeiten wie Bachelor und Master gebe es keine zentrale Erfassung. „Aber auch dort setzen zahlreiche Hochschullehrer Prüfungssoftware ein.“ Schon in den Einführungsveranstaltungen werde ausdrücklich auf das Verbot von Täuschungsversuchen und Plagiaten hingewiesen.