Anteil laut Studie landesweit bei 60 Prozent – Verbände mahnen: Gebühren in Schach halten Starker Trend zu Urnenbestattungen in Niedersachsen

Von Hans Brinkmann | 30.09.2011, 15:23 Uhr

In Niedersachsen gibt es einen starken Trend zu Urnenbestattungen. Das ermittelten jetzt der Bund der Steuerzahler und die Verbraucherinitiative Aeternitas in einer Studie.

Bei der Vorstellung der Untersuchung hieß es gestern in Hannover, landesweit machten Urnenbeisetzungen inzwischen 60 Prozent der Bestattungen aus. In Großstädten liege dieser Wert inzwischen sogar zum Teil über 70 Prozent, in Bremen erreiche er 81 Prozent.

Vor einigen Jahren habe das Aufkommen an Sarg- und Urnenbeisetzungen noch bei jeweils 50 Prozent gelegen, wurde erläutert. Als einen Grund für den zunehmenden Trend zu Urnen nannten die Vertreter der Verbände deutlich niedrigere Kosten: Die Gebühren machten nur etwa die Hälfte der Aufwendungen für ein herkömmliches Sarggrab aus.

Als ein besonders krasses Beispiel wurde in diesem Zusammenhang auf Walsrode und Hannoversch Münden verwiesen: Während in Walsrode ein anonymes Urnengrab für 30 Jahre zu 195 Euro vergeben werde, müsse man in Hannoversch Münden für ein Sargwahlgrab mit 40-jähriger Laufzeit 4478 Euro berappen.

Ein weiteres Motiv für ein Urnenbegräbnis sei, dass kaum oder gar kein Aufwand für Pflege betrieben werden müsse. Die Bestattungsformen reichten dabei mittlerweile von einem Urnengrab, das nur ein Viertel des Platzes eines Sarggrabes beanspruche, über Urnenreihengräber bis hin zu Wänden mit einer Vielzahl übereinandergelagerter Urnen (Kolumbarien).

Als eine Folge dieser veränderten Bestattungsformen, zu denen auch Beerdigungen unter Bäumen (Friedwälder) zählen, zeichnet sich nach Darstellung des Steuerzahlerbundes und des Vereins Aeternitas auf Dauer ein deutlich geringerer Flächenbedarf für Friedhöfe ab.

Die Verbände mahnten vor diesem Hintergrund an, die Kosten für nicht mehr benötigte Flächen nicht auf die Gebührenzahler abzuwälzen, sondern verstärkt Umwidmungen vorzunehmen. Generell müssten die Friedhofsverwaltungen alle Möglichkeiten ausschöpfen, um Ruhestätten sparsam und wirtschaftlich zu führen. Um die Gebühren in Schach zu halten, sollten Aufgaben gegebenenfalls privatisiert werden.