Angeblich dreistellige Opferzahlen Ist Krankenpfleger aus Delmenhorst Serienmörder?

Von Helmuth Riewe | 21.10.2014, 20:38 Uhr

Seit gestern steht im Mordprozess gegen einen Ex-Pfleger des Klinikums auch offiziell die These vom größten Serienmörder der Nachkriegsgeschichte im Raum. In der JVA Oldenburg soll im Sommer 2012 von Opferzahlen im dreistelligen Bereich die Rede gewesen sein. Von Helmuth Riewe

 Im Mordprozess gegen einen ehemaligen Pfleger des Klinikums Delmenhorst sind am Dienstag vor der Schwurgerichtkammer des Landgerichts Oldenburg die ganz großen Todeszahlen auf den Tisch gekommen. Nach den Angaben ehemaliger Mithäftlinge des 37-Jährigen habe dieser sich bei einem Gespräch im Sommer 2012 selbst als „den wohl größten Serienmörder der Nachkriegsgeschichte” eingestuft.

Knastfunk: 200 Opfer

Einem anderen Häftling gegenüber soll der Angeklagte den Satz geäußert haben, er habe bei 50 aufgehört zu zählen. Der gleiche Zeuge erläuterte, dass damals im „Knastfunk” von 200 Opfern im Delmenhorster Klinikum die Rede gewesen sei. Angeklagt sind gegenwärtig lediglich drei Morde und zwei Mordversuche.

Einer der einsitzenden Zeugen, ein 54-jähriger Ex-Polizist, schilderte mit bemerkenswerten Details, wie er mit dem Angeklagten in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Oldenburg näher in Kontakt gekommen sei.

Im Sommer 2012 sei der 37-Jährige auf ihn zugekommen und habe von neuen Ermittlungen gegen ihn berichtet. Einige Wochen später habe der Angeklagte ihn schließlich gebeten, sich dessen frisch eingetroffene „Ermittlungsakte” einmal anzusehen. Er habe das Schriftstück sofort durchgelesen.

„Das ist ein vernichtender Bericht“

Als der Angeklagte wenig später wieder gekommen sei, habe er sofort erklärt: „Das ist ein vernichtender Bericht. Das gibt fünfmal lebenslänglich wegen Schwere der Schuld und Sicherungsverwahrung.” Zusätzlich habe er dem Mithäftling geraten, Angaben zu machen, sollte er tatsächlich der Täter gewesen sein. Mehrfach beteuerte der Zeuge, dass der Angeklagte in dem Zusammenhang die fünf ihm vorgeworfenen Taten eingeräumt hatte. Zudem habe er von sich als größten Mörder der Nachkriegszeit gesprochen. Konkrete Zahlen seien dabei nicht gefallen.

An eine solche Zahlennennung erinnerte sich ein zweiter Zeuge, der im Sommer 2012 fast täglich mit dem Angeklagten zusammen war. Dieser Zeuge wusste nun nicht mehr, ob der Angeklagte damals von zwölf oder 50 Fällen gesprochen hatte, „nach denen er aufgehört hatte zu zählen”. Aus einem früheren Vernehmungsprotokoll ergab sich jedoch, dass es die Zahl „50” gewesen sein muss. Der Angeklagte habe ihm erzählt, dass er Opfern zunächst tödliche Spritzen verpasst hätte, um zu helfen. Später seien Routine und Langeweile hinzugekommen.

Der Spruch vom „größten Nachkriegsverbrecher” sei in der gesamten JVA bekannt gewesen, so der Zeuge weiter. Gemunkelt worden sei auch von 200 Ermordeten. Zur Stimmungslage des Angeklagten befragt äußerte der Zeuge, nach seinem Eindruck habe der sich in solchen Situationen „gefühlt, als wäre er Gott.”

Der Prozess wird am Freitag dieser Woche fortgesetzt.