Alternative zu Religionsunterricht Niedersachsen will Fach Werte und Normen an mehr Grundschulen testen

Von dpa | 09.06.2018, 17:15 Uhr

Seit Beginn des Schuljahres wird in Niedersachsen probeweise an zehn Grundschulen das Fach Werte und Normen unterrichtet. Es soll eine Alternative zum Religionsunterricht bieten. Zum kommenden Schuljahr will das Kultusministerium die Erprobungsphase ausweiten.

Nach einer erfolgreichen Probephase will Niedersachsen das Fach Werte und Normen als Alternative zum Religionsunterricht im kommenden Schuljahr an mehr Grundschulen anbieten. „Das Fach ist in der Testphase an zehn Grundschulen auf eine außerordentlich gute Resonanz gestoßen“, sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) der Deutschen Presse-Agentur. Daher solle es ab dem Start des neuen Schuljahres für eine Dauer von zwei Jahren an 40 Grundschulen unterrichtet werden. Danach müsse man prüfen, welche Voraussetzungen geschaffen werden müssen, um das Fach landesweit an allen Grundschulen anzubieten. Bisher wird Werte und Normen in Niedersachsen regulär nur an weiterführenden Schulen unterrichtet.

Das Schulfach soll vor allem moralisch-ethische Wegweiser für das gesellschaftliche Miteinander, aber auch Grundzüge der Weltreligionen vermitteln. Dabei solle es nicht den Religionsunterricht ersetzen, stellte Tonne klar. „Es ist ein Zusatzangebot für Schüler und Schülerinnen, die sonst den Religionsunterricht nicht besuchen.“ Es sei gerade in der heutigen Zeit wichtig, dass Schule Werte wie Vielfalt und Toleranz vermittele.

In Bundesländern wie Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gibt es nach Angaben des Kultusministeriums bereits ein Ethik-Fach für Grundschüler.

Bei einer landesweiten Einführung in Niedersachsen müssten entsprechende pädagogische Lehrgänge und Bildungspläne entwickelt werden. Die Lehrer, die in der Erprobungsphase eingesetzt werden, sind Pädagogen von weiterführenden Schulen mit entsprechender Ausbildung, die an den Grundschulen schon andere Fächer unterrichten. Auch eine Änderung des Schulgesetzes wäre nötig: Denn dort ist bislang geregelt, dass das Fach Normen und Werte erst ab der 5. Klasse auf dem Stundenplan stehen soll.

Die Ausweitung der Testphase bekommt auch die Zustimmung der Opposition im Landtag. „Ich finde das begrüßenswert. Denn wenn ein Kind am Religionsunterricht nicht teilnimmt, bedeutet das momentan, dass Unterricht ausfällt“, sagte der bildungspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Björn Försterling. Ähnlich sah das die grüne Schulexpertin Julia Willie Hamburg. „Wenn man Kinder nicht zwingen möchte, am Religionsunterricht teilzunehmen, sollte man ein alternatives Angebot für sie haben.“