Ärztemangel auf dem Land Kassenärzte warnen vor Zulassungsbefristung

Von Christian Schaudwet | 30.12.2014, 13:31 Uhr

Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen warnt vor einer zeitlichen Befristung von Ärztezulassungen. Ein solcher Schritt werde die ärztliche Versorgung in ländlichen Gebieten gefährden, befürchtet die für die Bedarfsplanung im Bundesland zuständige Organisation.

Die gesetzlichen Krankenkassen hatten Anfang der Woche gefordert, die Kassenzulassung für Ärzte nur noch befristet zu vergeben. Ihr Kalkül: Wenn in den ärztlich überversorgten Städten Ärztezulassungen nicht mehr auf Lebenszeit vergeben werden, lassen sich mehr Mediziner in ländlichen Regionen nieder: „Wir werden den Ärztemangel auf dem Land nur in den Griff bekommen, wenn wir die Überversorgung in den Städten abbauen“, sagte die Vorstandschefin des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen, Doris Pfeiffer, der „Berliner Zeitung“.

Aus Sicht der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) hieße dies, Öl ins Feuer zu gießen. Sie befürchtet, dass eine Befristung noch schneller zu einer deutlichen Unterversorgung auf dem Land führt: „Die Konsequenz wäre, dass das Interesse schwinden würde, als Arzt überhaupt eine Praxis zu eröffnen oder zu übernehmen, sagte der Sprecher der KVN, Detlef Haffke, am Dienstag.

„Noch mehr Ärzte würden ins Ausland oder in andere Branchen, etwa in die Pharmaindustrie, abwandern“, warnte Haffke. Zudem drohe ein ohnehin bestehender Trend, zum Problem zu werden. Laut KVN sind 70 Prozent aller Medizin-Studierenden weiblich. Bei Frauen sei die Neigung, sich mit einer Praxis selbstständig zu machen, bereits jetzt geringer. Komme eine Zulassungsbefristung hinzu, werde sie weiter abnehmen, so Haffke.

Landesweit steht eine Ärzte-Überversorgung der Städte einer knappen Versorgung auf dem Land gegenüber - teils auch schon drohender Unterversorgung wie etwa im Landkreis Lüchow-Dannenberg und in Teilen des Harz. (Mit dpa)