Skepsis beim Marburger Bund Ärzte warnen vor zu schnellen Corona-Lockerungen in Niedersachsen

Von Lars Laue | 18.02.2022, 16:08 Uhr

Niedersachsen will schon in der nächsten Woche seine Corona-Regeln deutlich lockern. Vom Marburger Bund indes kommen mahnende Worte. Die Ärzteschaft warnt vor einem „Freedom Day“.

Der Marburger Bund in Niedersachsen warnt vor einem zu schnellen und übereilten Lockern der Corona-Regeln. „Wir halten es für nicht zielführend, starr am Wegfall tiefgreifender Einschränkungen ab dem 20. März festzuhalten, wenn die Infektionslage dies dann nicht zulassen sollte“, erklärte der zweite Vorsitzende der Ärzteorganisation, Andreas Hammerschmidt, gegenüber unserer Redaktion und fügte hinzu: „Ein Freedom Day könnte zu wieder rasant ansteigenden Fallzahlen mit entsprechender Belastung des Gesundheitswesens führen. Wir lehnen diesen daher entschieden ab. Die Pandemie wird leider noch lange nicht vorbei sein.“ Die Zahl derer, die sich täglich mit dem Coronavirus infizierten, liege weiterhin auf „sehr hohem Niveau“. Zwar seien die Inzidenzwerte und die Hospitalisierungsrate rückläufig, „von Normalität sind wir aber immer noch weit entfernt“, mahnte Hammerschmidt.

Warnung vor Lockerungen beim Feiern

Gleichzeitig warnte der Mediziner im Gespräch mit unserer Redaktion ausdrücklich vor Lockerungen bei Veranstaltungen, Diskotheken und Clubs. „So verständlich der Wunsch nach einer Rückkehr zum unbeschwerten Feiern ist, so sind die Infektionszahlen noch zu hoch und das Infektionsrisiko in einem solchen Umfeld zu groß“, sagte Hammerschmidt. Erst bei einer „weiteren deutlichen Entspannung der Infektionslage“ seien auch hier Lockerungen möglich. Nach dem Plan der Landesregierung sollen ab dem 4. März Diskotheken wieder öffnen dürfen und Tanzveranstaltungen erlaubt werden. Großveranstaltungen mit bis zu 6000 Personen drinnen und 25.000 Besuchern draußen will die Landesregierung unter Auflagen bereits ab kommendem Donnerstag wieder zulassen.

„Die allgemeine Impfpflicht muss umgehend beschlossen werden.“
Andreas Hammerschmidt
Zweiter Vorsitzender des Marburger Bundes Niedersachsen

Mehr Tempo bei Impfkampagne gefordert

Der Ärzteverband bekräftigte überdies die Bedeutung des Impfens im Kampf gegen Corona. Die Impfung schütze vor Tod und schweren Verläufen. Nur mit einer ausreichend hohen Impfquote bestehe die Chance des Übergangs in einen endemischen Zustand. Verbandsvize Hammerschmidt appellierte an die Landesregierung, ihre Bemühungen an dieser Stelle zu verstärken: „Niedersachsen muss seine Impfkampagne nochmals schärfen. Dazu gehört auch, Zielgruppen mit niedrigen Impfraten noch effektiver zu erreichen.“

Verband macht Druck bei Impfpflicht

Die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht hält der Marburger Bund für dringend geboten. „Die allgemeine Impfpflicht muss umgehend beschlossen werden. Sie kann uns im Herbst nur helfen, wenn sie zügig - noch vor Ende Mai - in Kraft getreten ist. Jedes Zögern und Warten verlängert die Pandemie und kostet Menschenleben“, erhöht Hammerschmidt den Druck auf die Bundespolitik.

Kommunen begrüßen Lockerungen, mahnen aber auch zur Vorsicht

Unterstützung für den Lockerungskurs der Landesregierung kommt derweil vom Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund (NSGB), der die Öffnungsschritte für „wohl abgewogen“ hält. Wichtig blieben weiterhin das Impfen und der Schutz besonders gefährdeter Gruppen, erklärte NSGB-Präsident Marco Trips gegenüber unserer Redaktion. „Für alle anderen ist es nach den vielen Beschränkungen und Belastungen aber eine gute Perspektive, dass das Leben wieder mehr Normalität, mehr menschliche Kontakte und mehr Freude zurückbekommt“, betonte Trips, während der Niedersächsische Landkreistag (NLT) sich etwas zurückhaltender gibt. Die relativ gute Situation in den niedersächsischen Krankenhäusern sei das Ergebnis einer vorsichtigen Coronapolitik des Landes in den vergangenen Monaten. „Dieser Erfolg sollte nicht unter dem Druck einer allgemeinen Öffnungseuphorie leichtfertig verspielt werden“, findet NLT-Hauptgeschäftsführer Hubert Meyer.

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