Ärger im Kloster Blankenburg Besucher aus Oldenburger Flüchtlingsheim hinausgeworfen

Von Ole Rosenbohm | 08.11.2016, 22:07 Uhr

Die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge im Oldenburger Kloster Blankenburg steht in der Kritik. Besucher sollen vom Gelände geworfen worden sein.

Asylbewerber aus der Elfenbeinküste sollen in andere Einrichtungen abgeschoben worden sein, um ein Engagement gegen schlechte Lager-Bedingungen zu verhindern. Ein Treffen mit in der Flüchtlingsarbeit engagierten Oldenburgern soll zudem die Security unbefugt verhindert haben. Linke Aktivisten und betroffene Flüchtlinge sprechen von Zwangstransfers. Die Vorwürfe haben die Politik alarmiert: Am heutigen Mittwoch besuchen die Grünen-Landtagsabgeordneten Susanne Menge und Filiz Polat die Einrichtung. In einem Gespräch mit Behörden-Vertretern sollen dem Vernehmen nach die Fälle thematisiert werden.

Zum Vorfall war es am 4.September gekommen. Rund 15 Personen, darunter vier Deutsche, hatten sich im Zimmer einer Asylbewerberin getroffen. Nachdem bei einer weiteren Person an der Eingangsschranke Flugblätter gefunden worden waren, sollen Sicherheitsleute nach Zeugenaussagen alarmiert durch das Lager gerannt sein und immer wieder „Wo sind die Deutschen?“ gefragt haben. Das abgeschlossene Zimmer sei von außen geöffnet, die deutschen Gäste hinausbefördert worden – offenbar unrechtmäßig: Laut Landesaufnahmebehörde dürfen Sicherheitsleute private Zimmer nur in Abstimmung mit Bewohnern oder bei „Gefahr im Verzug“ öffnen. Zeugen berichteten von aggressivem Verhalten des Personals.

Vorwurf: Verlegung als Zwangsmaßnahme

Noch im September seien zwölf Afrikaner in andere Lager transferiert worden, berichteten Betroffene. Vier Personen zwischen 18 und 30 Jahren, die ihre Namen nicht in der Zeitung lesen wollen, sehen den Vorfall als Grund für ihre Verlegung in weit entlegene Lager in Goslar oder Gifhorn. „Die wollen nicht, dass wir uns engagieren können“, sagte einer von ihnen unserer Redaktion. Laut der Behörde sei die Verlegung von Asylbewerbern in eine kommunale Einrichtung ein normaler Vorgang, ein Zusammenhang mit kritischem Engagement des Bewerbers bestehe nicht. Im Schnitt würden Asylbewerber 32 Tage in einer Erstaufnahmeeinrichtung verbringen, die gesetzliche Höchstdauer betrage sechs Monate, erklärte die Behörde. Drei der Afrikaner gaben an, drei Monate im Blankenburg-Lager gelebt zu haben, einer sechs Monate.

Das fragliche Zimmer sei von den Bewohnern selbst geöffnet worden, hieß es weiter. Den Verweis der Aktivisten vom Lagergelände räumte die Behörde ein, allerdings erst nach mehrmaligem Nachfragen unserer Redaktion.

Die Gruppe habe bereits am Vortag auf dem Gelände Flyer verteilt und so „für Unruhe unter unseren Bewohnern“ gesorgt. Die Flyer warben für eine Veranstaltung, in der die Lebensbedingungen in der Asylbewerber-Unterkunft in Blankenburg kritisch beleuchtet wurden.