Abgeordnete im Bundestag Was die Politiker der Region in Berlin wollen

Von Fabian Löhe | 26.10.2013, 11:10 Uhr

Der Anfang als Bundestagsabgeordnete kann ganz schön schwer sein: Bei manch einem Parlamentarier aus der Region funktioniert zunächst die E-Mail-Adresse nicht – ein anderer muss vorerst vom Büro eines Kollegen aus arbeiten. Doch alle eint: Sie wollen ihren Wählern in Berlin Gehör verschaffen.

Für André Berghegger ist in der Hauptstadt nun alles neu. Er hat für die CDU das Direktmandat im Wahlkreis Osnabrück-Land gewonnen und zieht erstmals in das höchste deutsche Parlament. Jetzt heißt es zunächst einmal die „Arbeitsfähigkeit“, wie er es nennt, in Berlin herzustellen. „Das geht Learning bei Doing“, sagt er. „Ich arbeite mich von Tag zu Tag.“ Eine Wohnung in Berlin hat er zumindest schon gefunden, in welchem Ausschuss er sitzen wird, ist aber noch unklar.

Berghegger würde sich gerne um Wirtschaft, Finanzen und die Entwicklung des ländlichen Raumes kümmern. „Aber auch die Themen Energiewende und Infrastruktur werden für mich eine große Rolle spielen.“

Seine Parteikollegin Gitta Connemann (Wahlkreis Unterems) benennt es noch konkreter: Sie bewirbt sich um einen Platz im einflussreichen Haushaltsausschuss. Bislang hat sie im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gearbeitet sowie dem für Arbeit und Soziales.

Insgesamt ist die Region Osnabrück/Emsland/Grafschaft/Ostfriesland durch fünf direkt gewählte Abgeordnete auf Bundesebene vertreten. Hinzu kommen vier weitere Parlamentarier, die über die Liste ihrer Partei den Einzug geschafft haben. Auch in der vorherigen Legislaturperiode waren es neun Volksvertreter. Dazu gesellt sich aus dem Osnabrücker Nachbarwahlkreis Steinfurt III noch Anja Karliczek (CDU).

Neben Berghegger sind auch die SPD-Politiker Markus Paschke (Unterems), Daniela De Ridder (Mittelems) und Rainer Spiering (Osnabrücker Land) sowie der CDU-Politiker Heiko Schmelzle (Aurich/Emden) Novizen im Bundestag. „Der Mensch muss wieder im Mittelpunkt des Geschehens stehen“, meint Paschke. Der Regionalvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) berichtet, es hätten ihn viele Zuschriften aus seinem Wahlkreis erreicht.

Schmelzle freut sich „über die große Hilfsbereitschaft, die ich beim Start in Berlin von Kollegen und Mitarbeitern erfahren habe“. Bislang arbeiten er und seine Mitarbeiter zwar noch aus einem provisorischen Büro. Als große Herausforderung bezeichnet er etwa die Euro-Krise oder die Energiewende.

Auch Johann Saathoff (Aurich/Emden) hat die Energiepolitik im Blick und will zudem als SPD-Mann und Bundestags-Newcomer für den gesetzlichen Mindestlohn eintreten. Zu Bedenken gibt er aber: „Als Neuling habe ich natürlich einige Dinge bezüglich der parlamentarischen Abläufe zu lernen.“

Euphorisch berichtet der CDU-Politiker Albert Stegemann (Mittelems) vom Start: „Die erste Sitzung war ein besonderes Erlebnis für mich. Gerade der freundliche Umgang miteinander war sehr angenehm.“ Seine Prognose bis 2017? „Bei der Energiewende und Pflege erwarte ich wichtige Weichenstellungen.“

Sein Unionskollege Mathias Middelberg (Osnabrück) will ebenfalls, dass die Energiewende bezahlbar vorankommt und auch „bessere Bildung“ sowie „Gerechtigkeit am Arbeitsmarkt“ durchsetzen. Doch zu Beginn seiner zweiten Legislaturperiode warnt er auch: „Aufpassen müssen wir, dass alle realistisch bleiben und kein Wunschdenken Platz greift.“

Keinen Abgeordneten entsendet hat die Region für eine der Oppositionsparteien Linke und Grüne. Sowohl Dorothea Steiner (Osnabrück) als auch Thilo Hoppe (Aurich/Emden) verfehlten für die Grünen die Rückkehr ins Parlament. Ganz ausgeschieden ist die FDP. Connemann blickt daher trotz des Vertrauens der Bürger und den Koalitionsverhandlungen nicht nur demütig und gespannt auf die nächsten vier Jahre. Sie fühlt sich auch „wehmütig – angesichts des Abschiedes von vielen langjährigen Weggefährten.“

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