Auch posthume Ehrung geplant Deutscher Umweltpreis geht fünffach nach Bayern

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Osnabrück/Braunschweig. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier übergibt am Sonntag in Braunschweig den 25. Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU).

Die mit 500 000 Euro höchstdotierte unabhängige Umweltauszeichnung Europas teilen sich in diesem Jahr die Initiatoren des „Grünen Bandes“, Inge Sielmann, Kai Frobel und Hubert Weiger, mit den Unternehmern Bernhard und Johannes Oswald. Die DBU würdigt damit den Einsatz für das gesamtdeutsche Naturschutzprojekt sowie die Entwicklung eines besonders sparsamen Elektromotors. Der mit 10 000 Euro dotierte Ehrenpreis geht posthum an den Ex-Außenminister der Marshall-Inseln, Tony de Brum. Nachfolgend Porträts der Preisträger.

Inge Sielmann, Kai Frobel und Hubert Weiger: Alle drei kommen aus  Bayern und gelten als Wegbereiter des „Grünen Bandes“. Dabei handelt es sich um den ehemaligen Todesstreifen entlang der 1400 Kilometer langen innerdeutschen Grenze, die bis 1990 existierte. Wo die DDR die Flucht ihrer Bürger mit Zäunen und Minen sowie Selbstschussanlagen verhindern wollte, hatte sich in den mehr als vier Jahrzehnten staatlicher Teilung ein „einmaliger Rückzugsort für die Pflanzen und Tierwelt“ ergeben, so die DBU. Der heute 58-jährige Frobel gilt als der Initiator und Namensgeber des „Grünen Bandes“. Schon lange vor dem Mauerfall erkannte er das hohe Naturpotenzial und die herausragende Bedeutung des Grenzstreifens und suchte zu dessen Schutz den Dialog mit Partnern in der DDR. Damit habe der in Nürnberg ansässige Geoökologe „den Grundstein für die Resolution zum Schutz des ‚Grünen Bandes‘ gelegt“, erklärt die DBU.

Dialog mit DDR-Vertretern gesucht

Frobel koordiniert das  international tätige Projektbüro Grünes Band des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland ( BUND). Dessen Präsident Weiger (70) wird ebenfalls in Braunschweig ausgezeichnet, weil er laut DBU den völkerverbindenden Charakter des Projektes zusammen mit Frobel vorangetrieben hat.  Dies habe den Anstoß zur Initiative „Grünes Band“ Europa gegeben, die heute mit 12 500 Kilometern den längsten Lebensraumverbund des Kontinents darstelle. Der Fürther Weiger sei „Garant für das Engagement des BUND am Grünen Band – in Deutschland und Europa“.

Erhalten den Deutschen Umweltpreis:  Kai Frobel, Inge Sielmann,Hubert Weiger (oben von links) sowie Bernhard und Johannes Oswald und der verstorbene Tony de Brum (unten von links). Fotos: BUND, Heinz Sielmann Stiftung, Wolfgang Schmidt - Right Livelihood Award, Jens Kortus Fotografie Miltenberg
Erhalten den Deutschen Umweltpreis:  Kai Frobel, Inge Sielmann,Hubert Weiger (oben von links) sowie Bernhard und Johannes Oswald und der verstorbene Tony de Brum (unten von links). Fotos: BUND, Heinz Sielmann Stiftung, Wolfgang Schmidt - Right Livelihood Award, Jens Kortus Fotografie Miltenberg

Als als Vorsitzende des Stiftungsrates der nach ihrem 2005 verstorbenen Ehemann benannten   Heinz Sielmann Stiftung  hat sich auch Inge Sielmann (87) laut DBU besonders um den Biotopverbund entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze verdient gemacht, zum Beispiel durch die Sicherung weiterer Flächen. Neue Wege habe die Münchnerin in der Umweltbildung beschritten. Mit der Standortentscheidung der Sielmann Stiftung für Gut Herbigshagen bei Duderstadt – nur einen Kilometer entfernt von der damaligen innerdeutschen Grenze – habe Inge Sielmann ein Bekenntnis zum „Grünen Band“ abgelegt.

Bis zu 50 Prozent weniger Energieverbrauch

Bernhard und Johannes Oswald: Die Unternehmer aus Miltenberg am Main werden für die Entwicklung energiesparender Motoren, insbesondere für Industrieanlagen, ausgezeichnet. Der 56-jährige Johannes Oswald leitet als Nachfolger seines Vaters Bernhard (86)  in vierter Generation das 1909 gegründete Familienunternehmen, das sich bei sogenannten Torquemotoren (getriebelose Elektromotoren) zum Weltmarktführer entwickelt hat. Gegenüber anderen mechanischen oder hydraulischen Antriebslösungen böten Torquemotoren deutliche Vorteile, betont die DBU: vor allem könne der Energieverbrauch um bis zu 50 Prozent verringert werden, der Einsatz von Getriebeöl falle weg, die Maschinen würden leichter, benötigten weniger Platz, produzierten geringere Betriebskosten und seien leiser. 

Auch in einer weiteren „Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts“ steht die Firma Oswald Elektromotoren laut DBU “mit an der Spitze der Entwicklung“. Bernhard Oswald forciere schon seit vielen Jahren die Hochtemperatur Supraleiter Technologie (HTS). Inzwischen zähle die das fränkische Unternehmen zu den international bekannten Akteuren in diesem Forschungsfeld. Mit supraleitenden Bändern könnten künftig noch viel kompaktere, leichtere und leistungsdichtere Antriebe gebaut werden. Eine Zukunftsvision sei es, hybride Verkehrsflugzeuge mit supraleitenden Synchronmotoren anzutreiben, um deren Energieverbrauch drastisch zu senken, so die DBU. Wie bei den drei zuvor genannten Preisträgern entfallen auf  die Unternehmerfamilie Oswald 245 000 Euro des Geldes, mit dem die DBU den Deutschen Umwelpreis jährlich dotiert.

Wegbereiter des Pariser Klima-Abkommens

Tony de Brum:  Der erst kürzlich im Alter von 72 Jahren verstorbene ehemalige Chefdiplomat der Marshall-Inseln habe als engagierter Vertreter der pazifischen Inselstaaten maßgeblich zum Erfolg der Klimaverhandlungen 2015 in Paris beigetragen und für das Begrenzen der Erderwärmung auf 1,5 Grad als Meilenstein in der Klimapolitik die zentralen Voraussetzungen geschaffen, erklärt die DBU ihre posthume Auszeichnung, die ebenfalls am Sonntag in Braunschweig vollzogen wird.   Der stellvertretende DBU-Generalsekretär Werner Wahmhoff fordert, dass  bei der  jetzt in Bonn anstehenden Klimakonferenz „weltweit und ohne Ausnahme“ weitere Konsequenzen aus dem Klimawandel gezogen werden müssten. Die Marshall-Inseln liegen lediglich bis zu drei Meter oberhalb des Meeresspiegels und sind von den Klimafolgen der Erderwärmung unmittelbar betroffen.


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