Entscheidung zu Cuxland-Rudel EU-Kritik am Schutzstatus für Wölfe

Von Klaus Wieschemeyer

In Niedersachsen vermehren sich die Wölfe wieder. Foto: dpaIn Niedersachsen vermehren sich die Wölfe wieder. Foto: dpa

Hannover. Im Streit um ein Wolfsrudel im Cuxland deutet sich eine Entscheidung über Abschuss oder Nichtabschuss an. Unterdessen werden in der EU Forderungen nach einem Kurswechsel im Umgang mit dem streng geschützten Tier lauter.

Niedersachsens Umweltministerium erwartet eine „zeitnahe“ Empfehlung, wie mit dem Wolfsrudel im Cuxland umgegangen werden soll. Das kündigte ein Ministeriumssprecher am Mittwoch in Hannover an. Man erwarte kommende Woche einen Bericht der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) in Görlitz samt Empfehlung. DBBW-Experten hatten am vergangenen Donnerstag und Freitag zusammen mit Vertretern von Wolfsmanagement und Naturschutzbehörden die Lage vor Ort besichtigt und mit Betroffenen gesprochen.

Cuxland-Rudel im Visier

Das Rudel gilt als ungewöhnlich, weil es nicht nur Schafe, sondern auch Rinder angreift. Wegen dieses ungewöhnlichen Jagdverhaltens erwägt die Landesregierung den Abschuss des ganzen Rudels, was Tierschützer als Tabubruch sehen, denn die Tiere sind europaweit streng geschützt. Von einem Abschuss will das Ministerium nicht ausgehen. Man werde „zu einem klugen Entschluss“ kommen, kündigte der Sprecher an. Er verwies darauf, dass es in anderen Regionen Niedersachsens wie Lüchow-Dannenberg bei hoher Wolfsdichte weniger Nutztierrisse gebe. Hier habe sich der Bau von Schutzzäunen bewährt.

Bisher wurde mit „Kurti“ 2016 erst ein verhaltensauffälliges Tier auf Anordnung des Ministeriums offiziell „entnommen“. Allerdings sind seit 2003 vier illegal geschossene Wölfe aufgefunden worden.

Bis zu 150 Tiere in Niedersachsen

Der Verbreitung der Tiere tut dies aber keinen Abbruch: Derzeit leben Schätzungen des Wolfsmonitorings zufolge bereits 14 Rudel und 140 bis 150 Tiere in Niedersachsen. Die Frage nach einer Bejagung gehörte zu den Topthemen im Landtagwahlkampf.

Wölfe schlecht für ländliche Räume?

Doch nicht nur in Niedersachsen regt sich indessen Widerstand gegen den flächendeckend strengen Schutz der Wölfe: Der Umweltausschuss des EU-Parlaments hat in einem Entschließungsantrag mehr Schutz für Menschen gefordert.

Das Zusammenleben mit großen Fleischfressern wie dem Wolf könne sich „negativ auf die nachhaltige Entwicklung der Ökosysteme und der besiedelten ländlichen Räume, insbesondere in Zusammenhang mit traditioneller Landwirtschaft und nachhaltigem Tourismus“, auswirken, heißt es in dem Antrag, der im November im EU-Parlament beraten werden soll. Der Ausschuss geht auf Initiative von zwei Abgeordneten aus Südtirol und Österreich sogar noch weiter: Man fordere die EU-Kommission und die Mitgliedstaaten auf, „konkrete Maßnahmen zur Bewältigung dieser Probleme zu ergreifen, um die nachhaltige Entwicklung der ländlichen Räume nicht zu gefährden“, heißt es in dem Antrag.

Gieseke gegen „Wolfseuphorie“

Unterstützung für die Forderung kommt auch aus Niedersachsen: Der emsländische CDU-Europaabgeordnete Jens Gieseke unterstützt die Forderungen ausdrücklich: „Es muss endlich Flexibilisierungen im europäischen Umweltrecht geben“, sagte Gieseke unserer Redaktion. Der „allgemeinen Wolfseuphorie“ stehe er sehr kritisch gegenüber, sagte der Parlamentarier.

„Der absolute Schutzstatus des Wolfes gehört bei gutem Erhaltungszustand auf den Prüfstand“, fordert Gieseke. Außerdem brauche es „mehr regionalen Spielraum bei der Entwicklung der Regulierungspläne“. Es sei wichtig, dass das Thema jetzt auf die Tagesordnung komme. Die nächste Bundesregierung müsse das Thema „auch in Brüssel engagiert mit vorantreiben“, fordert der Abgeordnete.