„Unsägliches Tierleid“ Wolfsrisse: CDU wirft Landesregierung Zynismus vor

Der CDU-Abgeordnete Frank Oesterhelweg untermauerte seine Aussagen zum „unsäglichen Leid“ von Tieren und Haltern mit Fotos verletzter Schafe. Foto: dpaDer CDU-Abgeordnete Frank Oesterhelweg untermauerte seine Aussagen zum „unsäglichen Leid“ von Tieren und Haltern mit Fotos verletzter Schafe. Foto: dpa

Hannover. Die Opposition im niedersächsischen Landtag wirft der rot-grünen Landesregierung völliges Versagen im Umgang mit dem Wolf vor. SPD und Grüne stellen vage mehr Abschüsse in Aussicht.

CDU und FDP haben bei der Landtagssitzung am Mittwoch die Wolfspolitik der Landesregierung scharf kritisiert. Insbesondere im Fall der Goldenstedter Wölfin und dem Rudel in Cuxhaven spricht die Opposition von völligem Versagen“.

„Seifenblase im Herbstwind“

Besonders Umwelt-Schattenminister Frank Oesterhelweg ging besonders hart mit Rot-Grün ins Gericht: „Ihre Wolfsromantik ist geplatzt wie eine Seifenblase im Herbstwind“, sagte der CDU-Abgeordnete. Er beklagte „unsägliches Tierleid“, ganze Nutztierherden würden „exekutiert“. „Die Menschen wollen diesen Unsinn, dieses Tierleid, diese zynische Politik nicht mehr“, sagte Oesterhelweg und fragte in Richtung Regierungsfraktionen: „Lachen Sie auch noch, wenn der erste Mensch zu Schaden kommt?“

FDP: Versagen in Cuxhaven

Der FDP-Fraktionsvize Stefan Birkner warf der Landesregierung vor, sich hinter der Bundespolitik zu verstecken. Insbesondere in Goldenstedt und Cuxhaven versage Rot-Grün vor zahlreichen getöteten Nutztieren: Die Goldenstedter Wölfin habe nicht nur gelernt, zwei Meter hohe Schutzzäune zu überspringen. Sie habe nun auch Welpen, die dieses von dem Muttertier lernen können. Das Cuxhavener Rudel habe sich mittlerweile auf Rinder spezialisiert, klagte Birkner. Und bei Amelinghausen spazierten Wölfe längst ungestört durch die Dörfer. Birkner forderte die Landesregierung auf, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen.

Grüne: „Blanker Populismus“

Die Grünen wiesen die Vorwürfe zurück. Der Abgeordnete Hans-Joachim Janßen warf Oesterhelweg „blanken Populismus“ vor. So lange der Bund von einem schlechten Erhaltungszustand der Population in Deutschland ausgehe, sei nur die „Entnahme“ auffälliger Tiere erlaubt. Darunter fallen Wölfe, die ungeschützte Rinder töten, nicht. Allerdings müsse angesichts der steigenden Rinderrisse zusammen mit dem Bund die Situation „neu bewerten“. Einen Kurswechsel lehnte Janßen ab. „Das A und O bleiben wolfsabweisende Zäune“, betonte er. Und auch die Klage über die Grausamkeit der Risse teilt Janßen nicht. „Ich bin mir auch nicht sicher, ob der Habicht immer tierschutzgerecht mit dem Huhn umgeht“, sagte er.

Wenzel: „Weitergehende Maßnahmen“ denkbar

Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) verwies auf zahlreiche Schutzmaßnahmen, die die Landesregierung seit der Wiederansiedlung der Wölfe ergriffen habe. In Cuxhaven stehe ein Expertengespräch vor Ort an, „im Zweifel“ sei das Land auch zu „weitergehenden Maßnahmen“ bereit. Immerhin sei Niedersachsen das einzige Bundesland, welches mit dem Abschuss von „Kurti“ ein verhaltensauffälliges Tier entnommen habe. Man werde das im Zweifel wieder tun, wenn es notwendig werde. Allerdings sei Niedersachsen hier an Recht und Gesetz gebunden. Und der Schutz des Wolfes sei immer noch Bundessache.

SPD: Wolfsfreie Zone am Deich

Der SPD-Abgeordnete Wiard Siebels sprach sich für ein gemeinsames Vorgehen der Landespolitik beim Bund aus. Dort müsse es zu einer Neubewertung des Erhaltungszustands kommen. „Um regulieren zu können, brauchen wir jemanden, der uns in Berlin die Tür aufmacht“, forderte Siebels. Der Ostfriese machte sich für den Abschuss an der Küste stark. „Ich stelle mir eine wolfsfreie Zone entlang der Deiche vor“, sagte Siebels.


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