Umgebauter Plenarsaal in Hannover ist hell und luftig Neuer Landtag soll Bürger an die Leine locken

Landtagspräsident Bernd Busemann (rechts) und Finanzminister Peter-Jürgen Schneider im neuen alten Plenarsaal. Foto: dpaLandtagspräsident Bernd Busemann (rechts) und Finanzminister Peter-Jürgen Schneider im neuen alten Plenarsaal. Foto: dpa

Der Umbau des niedersächsischen Landtags ist fast abgeschlossen. Im Oktober soll der runderneuerte Plenarsaal am Leineufer in Hannover neu eröffnen – und auch die Niedersachsen locken.

Hannover. Die Sanierung des niedersächsischen Landtags ist beinahe abgeschlossen. „Im Großen und Ganzen sind wir fertig“, sagte ein zufriedener Finanzminister Peter-Jürgen Schneider (SPD) am Dienstag auf der Baustelle am Leineufer in Hannover.

Nach Problemen mit der Betonsanierung und einer Lüftungsfirma hat sich die Fertigstellung der 11217 Quadratmeter großen Baustelle zwar um dreieinhalb Monate verzögert. Doch mit voraussichtlich 58,2 Millionen Euro Baukosten dürfte die Sanierung am Ende innerhalb des vorgegebenen Kostenrahmens bleiben. Das Land hatte diesen auf knapp 60 Millionen Euro gesetzt.

Lüftungsfirma soll zahlen

Gleichwohl will das Land Niedersachsen die durch Verzögerungen beim Lüftungsbau entstandenen Mehrkosten von der Firma zurückhaben. Das Land geht vorläufig von 3,5Millionen Euro Schaden aus. Bei der Angelegenheit verstehe er „keinen Spaß“, betont Landtagspräsident Bernd Busemann. Man wolle an der Firma ein „Exempel statuieren“.

Die Neugestaltung des denkmalgeschützten Nachkriegsbaus war umfangreich: Etwa 60 Architekten und Ingenieure waren im Einsatz, um das Landtagsgebäude zu erneuern. Insgesamt hat dieses einen Bruttoinhalt von 60000 Kubikmetern, was etwa 100 Einfamilienhäusern entspricht. Mehr als 10000 Tonnen Abbruch wurden aus dem Gebäude geholt, 4000 Kubikmeter Beton verbaut. In dem Neubau liegen nun 300 Kilometer Kabel, 4,5 Kilometer Lüftungs- und 3 KIlometer Sanitärrohre. Am 27. Oktober soll der runderneuerte Plenarsaal im Beisein von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eingeweiht werden, am 14.November soll der neue Landtag nach den vorgezogenen Wahlen am 15. Oktober erstmals zusammenkommen.

Ein Wahrzeichen mit Macken

Allerdings wird es auch danach noch Restarbeiten geben: Farblich abweichende Panele müssen ausgetauscht, Akustik und Klimatechnik einjustiert, Platanen im Außenbereich gepflanzt werden. Auch das aus Glasplatten zusammengesetzte stilisierte Niedersachsenross, welches über dem Präsidenten thronen soll, muss noch einmal nachgearbeitet werden: Einige Glasscheiben des Kunstwerks waren vermackelt.

Landtag lässt Licht herein

Landtagspräsident Bernd Busemann ist guter Dinge, dass der runderneuerte Plenarsaal gut angenommen wird. Der ursprünglich auf Wunsch der damaligen Abgeordneten fensterlose Klotz von 1962 präsentiert sich nun lichtdurchflutet. Insgesamt präsentiert sich das Gebäudeensemble großzügig und dank großer Glasflächen hell, luftig und transparent.

Der großzügig ausgelegte Plenarsaal bietet locker Platz für bis zu 160 Abgeordnete, 260 Besucher und 30 Journalisten. Ein von einer Tochter der Klosterkammer betriebenes Restaurant mit Terrasse an der Leine soll sowohl die Bevölkerung als auch Veranstalter locken. Die Gastronomie stehe „am Platz Nummer eins“ der Landeshauptstadt, schwärmt Hausherr Busemann. Der Landtag will seine Rolle als Veranstaltungsort in Hannover generell stärken – allein mit der neuen Portikushalle im früheren Landtagsinnenhof und dem Interims-Plenarsaal an der Marktkirche, der erhalten bleiben soll, bietet das Parlament jeweils Platz für hunderte Gäste. Da das bisherige Provisorium bis auf Weiteres bleiben soll, hat Niedersachsen ab Oktober zwei Plenarsäle.

Kehrt Kopfs Kopf zurück?

In Sachen Inneneinrichtung gibt es noch offene Fragen: Manche alte Gobelins dürften nicht mehr passen, andere Einrichtungsgegenstände sind umstritten. So ist fraglich, ob eine Büste des ersten niedersächsischen Ministerpräsidenten Hinrich Wilhelm Kopf (SPD) nach dem Umbau wieder aufgestellt werden soll. Kopf ist wegen seiner Rolle im Nationalsozialismus umstritten. Busemann spricht sich trotzdem klar dafür aus, dass Kopfs Büste in den Landtag zurückkehrt.


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