Gegen die Tradition Wenn Schützenvereine Frauen schießen lassen

Eine Krone für ein Jahr: Ein mit Eicheln und Eichenlaub verziertes Diadem einer Schützenkönigin. Foto: David EbenerEine Krone für ein Jahr: Ein mit Eicheln und Eichenlaub verziertes Diadem einer Schützenkönigin. Foto: David Ebener

Osnabrück. Einmal im Jahr buhlen feierfreudige Menschen auf Schützenfesten im Osnabrücker Land und dem Emsland um die Würde des Schützenkönigs – und die ist längst mehr nicht überall nur den Männern vorbehalten. Wie aus „Flintenweibern“ Schützenköniginnen wurden.

Gut 35 Jahre ist es her, dass Rolf Placke in seinem Schützenverein in der Ortschaft Venne bei Ostercappeln dafür plädierte, Frauen zum Königschießen zuzulassen – vergeblich. „Damals habe ich mir dafür eine richtige Schelte eingefangen“, sagt Placke mit einem Lachen. Seitdem habe sich aber viel getan. Mittlerweile ist Placke Präsident des Schützenbundes Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim (OEGB) und des Kreisschützenverbandes Wittlage. Und auf dem Schützenfest in Venne durften in diesem Jahr erstmalig auch die Frauen um die Königswürde schießen. Den entscheidenden Treffer landete 2017 dann aber doch ein Mann – trotz starker weiblicher Beteiligung. (Weiterlesen: Herzenswunsch Schützenkönigin: Was gehört dazu?)

„Vermessen zu sagen: Das dürft ihr nicht“

Deutlich länger am Abzug sind die Frauen beim Nachbarverein Bohmterheide in der Gemeinde Bohmte. Bereits seit Anfang der 1970er-Jahre dürfen auch die weiblichen Mitglieder am Königsschießen teilnehmen, schildert Vereinsvorsitzender Stefan Perner. Soweit er sich erinnert, wurde diese Regelung bei den Bohmterheider Schützen bisher auch nicht infrage gestellt: „Das ist noch nie ein Thema gewesen“, sagt er. „Es wäre ja auch vermessen zu sagen: Das dürft ihr nicht“. Organisiert sind die Frauen, wie in vielen anderen Vereinen auch, in einer „Damenschießgruppe“ und die brachte schon vier Königinnen in der Vereinsgeschichte hervor.

Heimlich auf dem Schießstand

Egal ob Frau oder Mann – die Vereinsmitgliedschaft ist in der Regel Grundvoraussetzung für die Teilnahme am Königsschießen. So auch beim Osnabrücker Schützenverein Nahne. Doch was, wenn es gar keine weiblichen Mitglieder gibt? Vereinsvorsitzender Horst Rima übernahm 1972 seinen heutigen Posten. Zu dieser Zeit wurde schießfreudigen Damen in Nahne die Mitgliedschaft noch verwehrt. Die wussten sich jedoch zu helfen: „Damals haben die Frauen schon heimlich geschossen“, erinnert sich Rima, „immer dann, wenn gerade kein Mann auf dem Schießstand war“. Der Ruf nach einer Mitgliedschaft der Frauen war entsprechend laut.

Manche Vereine nutzen für das Königsschießen einen Holzadler, andere eine Wettkampfzielscheibe. Foto: David Ebener

Sieben Mal von einer Frau regiert

Mit der Satzungsänderung, die laut Rima um 1974/1975 stattfand, wurde dieser Ruf dann auch erhört. Mit ihrer Mitgliedschaft im Nahner Schützenverein durften Frauen auch umgehend auf den Königsadler schießen. Seitdem wurden die Nahner Schützen sieben Mal von einer Frau regiert, zum ersten Mal 1988. 2017 führt zum dritten Mal in Folge eine Frau den Königsthron an.

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Das gefällt den Schützenbrüdern nicht immer. Gerade ältere, traditionsbewusste Vereinsmitglieder hätten laut Rima zu Beginn der Umstellung auch schon einmal gespottet: „Guck da, die Flintenweiber“, sei ein typischer Spruch gewesen. Dank eines damals sehr jungen Vorstandes habe sich das Bild aber schnell geändert – zum Wohle des Vereins. Heute seien rund 40 Prozent der Mitglieder weiblich und das Vereinsleben ohne die Frauen nicht dasselbe. „Frauen nicht in den Verein aufzunehmen ist nicht angebracht in der heutigen Zeit“, sagt der Nahner.

Königsschuss bisher ausschließlich von Männern

Dürfen heißt jedoch nicht immer gleich auch machen. „Jedes Vereinsmitglied kann König schießen“, sagt Heinrich Greten, Vorsitzender des Schützenvereins Landegge im emsländischen Haren. Das sei auch in der Vereinssatzung von 1966 so verankert. Dennoch führten bisher ausschließlich Männer den Königsschuss aus. Das sei schon immer so gewesen und so lange sich männliche Anwärter finden, werde das auch wohl so bleiben, sagt Greten voraus. Gegen eine Königin sperren würde sich der Vorsitzende allerdings auch nicht. Vor allem dann nicht, wenn Königsanwärter ausblieben.

Königsschuss den männlichen Mitgliedern vorbehalten

Beim Schützenverein Ankum im Osnabrücker Nordkreis können laut Satzung Frauen wie Männer ab 16 Jahren Mitglied werden, „wobei der Königsschuss den männlichen Mitgliedern vorbehalten bleibt“. Den Grund dafür vermutet Vereinsvorsitzender Hermann Lünnemann in der Tradition. Auch in vielen der benachbarten Vereine, darunter in Bersenbrück, Druchhorn oder Ahausen-Sitter-Walsum (Asiwa), dürften nur Männer um den König schießen. In Ankum habe es vonseiten der Frauen aber bisher keine Beschwerden gegeben.


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