Osnabrücker Metzger warnt Das Sterben der Fleischereien geht in unserer Region weiter

Die Zahl der Fleischereien nimmt in unserer Region seit Jahren ab. Symbolfoto: dpaDie Zahl der Fleischereien nimmt in unserer Region seit Jahren ab. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Die Zahl der Fleischereien nimmt in unserer Region seit Jahren ab. Ein Osnabrücker Metzger warnt vor den Folgen. Doch worin liegen die Gründe für das Fleischerei-Sterben?

Seit 150 Jahren versorgt die Fleischerei Witte in Osnabrück ihre Kunden bereits mit Fleisch- und Wurstwaren. In der Stadt ist sie mittlerweile nur noch eine von wenigen Fachgeschäften dieser Art. Nach Angaben von Inhaber Andreas Witte hat es 1990 noch 30 Fleischerei-Betriebe in Osnabrück gegeben, zehn Jahre später waren es nur noch 20 – und nun sind es nur noch vier kleinere Geschäfte, die überlebt hätten.

Beispielloses Metzgerei-Sterben

Dies ist aber keine Tendenz, die nur auf Osnabrück zutrifft. In der gesamten Bundesrepublik ist in den vergangenen Jahrzehnten ein beispielloses Metzgerei-Sterben zu beobachten. Bundesweit ist die Zahl der Betriebe laut aktuellem Geschäftsbericht des Fleischer-Verbandes von 17.600 im Jahr 2005 auf 13.100 im Jahr 2015 zurückgegangen. Reduziert hat sich zudem die Zahl der Mitarbeiter im gleichen Zeitraum von 160.000 um 20.000.

In Niedersachsen sieht die Situation nicht besser aus. Wie der Deutsche Fleischer-Verband auf Anfrage unserer Redaktion mitteilt, ist die Zahl der Betriebe in den vergangenen zehn Jahren im Bundesland von 1395 auf 987 gesunken. Diese knapp 1.000 Geschäfte haben zusätzlich insgesamt noch weitere 609 Filialen. Pro 100.000 Einwohner gibt es laut Verband 20 Geschäfte – damit liegt Niedersachsen unter dem Bundesdurchschnitt von 27 Betrieben pro 100.000 Einwohner.

Kleinere Betriebe bleiben auf Strecke

Es seien vor allem die kleineren Betriebe, die in den vergangenen Jahren auf der Strecke geblieben sind, sagt ein Sprecher des Fleischer-Verbandes auf Anfrage unserer Redaktion. Die Gründe für das zunehmende Fleischerei-Sterben sind zahlreich. Als Kernproblem für die Branche macht der Sprecher die Nachfolgefrage aus. Viele Inhaber finden einfach niemanden mehr, der das Geschäft weiterführen möchte. Selbst erfolgreiche Betriebe müssten häufig dicht machen, weil einfach ein Nachfolger fehle.

Das liegt auch daran, dass sich immer weniger Menschen zum Metzger oder zum Fleischereifachverkäufer ausbilden lassen. 2014 zählte die Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim noch 93 Fachverkäufer-Lehrlinge, mittlerweile sind es nur noch 54. Auch bei den Metzger-Azubis ist für diesen Zeitpunkt ein Rückgang zu verzeichnen – von 46 auf 37.

„Es will keiner mehr diesen Beruf ausüben“, sagte Martin Volmer, Obermeister der Innung des Fleischerhandwerks Meppen, unlängst im Gespräch mit unserer Redaktion. „Und das macht allen meinen Kollegen zu schaffen. Weder für die Theke noch in der Schlachterei findet man einen Auszubildenden.“

Ruf wird beschädigt

Auch Fleischer Andreas Witte sieht ein Nachwuchsproblem. Seiner Ansicht nach leidet die Branche unter einem Imageproblem. Negativberichte über Dumpinglöhne hätten das Renommée beschädigt – auch zum Nachteil der Betriebe, „die ehrlich arbeiten und faire Löhne zahlen.“ Dennoch gibt er zu, dass man als Metzger oder Fleischereifachverkäufer nicht reich werden könne. Das mache sich die Industrie zunutze, die die Absolventen nach ihrer Ausbildung mit deutlich höheren Löhnen locken würde. Auch dadurch gehe den Betrieben geeignetes Personal verloren, sagt Witte, der seine Fleischerei in fünfter Generation führt.

Ein weiteres Problem: die Konkurrenz durch Supermärkte, die als Lockmittel Fleisch teilweise zu „Ramschpreisen“ verkaufen würden. Das Aus für viele kleinere Betriebe sieht der 43-Jährige mit Sorge. „Dadurch geht einfach die Vielfalt verloren“, sagt er.

Andreas Lehr von der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim betrachtet die Entwicklung dagegen eher nüchterner. Letztlich sei es eine Entscheidung des Kunden, von wo sie ihr Fleisch beziehen. „Das Erfolgreiche überlebt. Die guten Betriebe setzen sich halt durch“, so Lehr.

(mit dpa)


Die Ausbildung zum Fleischer

Die duale Ausbildung in Betrieb und Berufsschule zum Fleischer dauert drei Jahre. Eine bestimmte Schulbildung ist nicht vorgeschrieben. „Mindestens ein Hauptschulabschluss wäre aber schön“, sagt Klaus Gerlach, Obermeister der Berliner Fleischer-Innung. Wie die Statistik zeigt, hat ein Großteil der Auszubildenden einen Hauptschulabschluss.

Die Vergütungen schwanken. Laut Deutschem Fleischer-Verband bekommen Azubis im ersten Lehrjahr zwischen 400 und 700 Euro. Bis zum dritten Lehrjahr steigt ihr Verdienst auf 600 bis 1000 Euro. Die Erhebungen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) für den Westen gehen in eine ähnliche Richtung. Im Osten dagegen verdienen Fleischer-Azubis laut BIBB im Durchschnitt viel weniger: Demnach gibt es für sie im ersten Lehrjahr 310, im dritten Lehrjahr 465 Euro.

Nach der Lehre können Fleischer nicht nur ihren Meister machen. Sie können sich etwa zum Verkaufsleiter im Nahrungsmittelhandwerk oder zum Lebensmitteltechniker weiterbilden. In der Lehre werden Fleischer nicht nur Fachleute für die Fleischstücke, sondern auch für deren Zubereitung. Sie müssen Kunden beraten können, wie sie das Fleisch weiterverarbeiten sollen. (dpa)

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