Spitzenteam präsentiert Grüner Wut-Parteitag in Göttingen nach Twesten-Wechsel

„Jetzt erst recht“ – das Motto des Parteitags in Göttingen. Foto: dpa„Jetzt erst recht“ – das Motto des Parteitags in Göttingen. Foto: dpa

Göttingen. Angriffslustig und siegesgewiss haben sich die niedersächsischen Grünen am Freitag und Samstag auf ihrem Parteitag in Göttingen präsentiert. Von Selbstkritik nach dem Verlust der Regierungsmehrheit war auf dem Parteitag in Göttingen nichts zu spüren. Stattdessen dominierten Attacken auf die CDU die Versammlung.

Die Angriffe fielen so heftig aus, dass Zweifel an der Rollenaufteilung aufkommen konnten: Wer war in der Regierung und wer in der Opposition? Landtagsabgeordnete Miriam Staudte etwa warnte vor der Rückkehr eines „Zombiekabinetts“ sollte der CDU-Spitzenkandidat und frühere Kultusminister Bernd Althusmann die Wahl am 15. Oktober gewinnen. Am deutlichsten wurde Agrarminister Christian Meyer direkt am Freitagabend, als er von „schwarz-gelben Hetzern“ sprach.

Realo-Flügel schneidet schlecht ab

Eines Ministers unwürdig befanden CDU und FDP aus der Ferne. CDU-Generalsekretär Ulf Thiele ließ per Mitteilung verlauten, dass die Grünen in Niedersachsen ihren scharfen Linkskurs fortgesetzt hätten. Er nahm damit Bezug auf die nominierten Kandidaten. Unter den ersten Zehn auf der Liste zur Landtagswahl findet sich mit Umweltminister Stefan Wenzel tatsächlich nur ein Vertreter des sogenannten Realo-Flügels.

Was Thiele nicht ahnen konnte: In dem Moment, als seine Mitteilung in den Postfächern aufschlug, wurde das Ergebnis um Listenplatz 14 bekannt gegeben: Nach seiner Niederlage im Kampf um Platz zehn unterlag der bisherige finanzpolitische Sprecher Gerald Heere auch im Duell um Platz 14. Statt des Realo-Vertreters votierten die Delegierten für den Osnabrücker Volker Bajus, der sich damit Hoffnungen auf einen Wiedereinzug in den Landtag machen kann. Hinter ihm auf Platz 15 Anna Kebschull aus Bad Rothenfelde.

Trittin vermutet unsaubere Mittel beim Twesten-Wechsel

Die Wut auf die Union war natürlich dem Wechsel der Ex-Grünen Elke Twesten geschuldet – übrigens auch eine der wenigen, die bis dato dem Realo-Flügel zugerechnet wurde. Auch wenn eine Aussprache über den Schritt nicht auf der Tagesordnung stand, war ihre Entscheidung doch das bestimmende Thema. Viele Grüne sind sicher, dass die CDU Twesten mit einem „unmoralischen Angebot“ zum Wechsel bewegt hatte. Der frühere Bundesumweltminister Jürgen Trittin mutmaßte: „Das ist der Versuch, mit unsauberen Mitteln das letzte rot-grüne Flächenland zu übernehmen.“

Bestätigt sahen sich die Delegierten, als die Meldung durchdrang, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vorab über den Wechsel Twestens informiert gewesen war. Dies berichtete das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). CDU-Spitzenkandidat Bernd Althusmann soll die Kanzlerin demnach angerufen haben, noch bevor SPD und Grüne vom Wechsel und dem damit verbundenen Verlust der eigenen Regierungsmehrheit erfuhren.

Fünfköpfiges Spitzenteam

Den Schock darüber vergessen machen, soll ein fünfköpfiges Spitzenteam, das auf dem Parteitag präsentiert wurde: Neben Fraktionschefin Anja Piel und Stefan Wenzel, Platz eins und zwei auf der Landesliste, sollen das die übrigen Minister im rot-grünen Kabinett sein: Meyer (Agrar), Antje Niewisch-Lennartz (Justiz) und Gabriele Heinen-Kljajic (Wissenschaft). Ihre Aufgabe: ein zweistelliges Ergebnis am 15. Oktober einfahren und die Rückeroberung der Staatskanzlei durch Schwarz-gelb verhindern.

Allerdings: Eine Zusammenarbeit mit der CDU nach der Wahl nach diesem Wut-Parteitag dürfte ausgeschlossen sein.


Auf ihrem Landesparteitag in Göttingen bestimmen die niedersächsischen Grünen bis Sonntag ihr Personal für die Landtagswahl am 15. Oktober. Ein Überblick über die ersten fünf Kandidaten:

  • - Platz 1: Anja Piel (51), Fraktionsvorsitzende im Landtag. Die gelernte Industriekauffrau lebt im Kreis Hameln-Pyrmont.
  • - Platz 2: Stefan Wenzel (55), Umweltminister. Der studierte Agrarökonom lebt in Göttingen.
  • - Platz 3: Imke Byl (24), die Newcomerin war zuletzt Sprecherin der Grünen Jugend Niedersachsen. Sie stammt aus Gifhorn.
  • - Platz 4: Christian Meyer (42), Agrarminister. Der Diplom-Sozialwirt kommt aus Holzminden.
  • - Platz 5: Meta Janssen-Kucz (56), Landesvorsitzende. Die Sozialpädagogin lebt in Leer und auf der Insel Borkum. (dpa)

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