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03.08.2017, 19:03 Uhr KOMMENTAR ZU GIFT IN EIERN

Fipronil-Skandal: Die doppelte Katastrophe

Ein Kommentar von Dirk Fisser


Im Auftrag der niederländischen Lebensmittelkontrollbehörde NVWA werden rund eine Million Eier aus einer Geflügelfarm in Onstwedde (Niederlande) zerstört, weil sie mit dem Insektizid Fipronil verseucht sind. Foto: dpaIm Auftrag der niederländischen Lebensmittelkontrollbehörde NVWA werden rund eine Million Eier aus einer Geflügelfarm in Onstwedde (Niederlande) zerstört, weil sie mit dem Insektizid Fipronil verseucht sind. Foto: dpa

Osnabrück. Der Fipronil-Skandal weitet sich aus. Immer mehr Bundesländer geben Warnungen heraus. Ein Kommentar zu Gift in Eiern.

Mit dem Bauernhofidyll vom krähenden Hahn auf dem Misthaufen hat die Eierproduktion in Deutschland nichts mehr zu tun. Das dürfte vielen Verbrauchern gerade bewusst werden. Es handelt sich um eine durchgetaktete Massenfertigung, in der alles auf Effizienz und Wirtschaftlichkeit getrimmt ist. Dass der Bauer nicht mehr selbst seinen Stall reinigt, sondern Dienstleister den Job übernehmen, ist Auswuchs einer Komplexität, die das System anfällig macht. Nur ein Glied einer langen Kette muss versagen, und schon kommt es zum Skandal wie bei Fipronil. Natürlich darf man dieses System ablehnen, weil es nicht dem eigenen Bild einer landwirtschaftlichen Produktion entspricht. Das System ist aber auch Garant dafür, dass Eier aus Freilandhaltung und selbst aus Biohaltung in Supermärkten zu Spottpreisen angeboten werden.

So schief wie jetzt läuft in Sachen Sicherheit selten etwas. Aus den Fehlern zu lernen liegt im wirtschaftlichen Interesse der Branche. Nicht so sicher hinsichtlich des Lernerfolgs kann man bei den Behörden sein. Die Krisenkommunikation ist eine Katastrophe. Statt Verbraucher zu informieren, werden sie verunsichert. Eine Bundesbehörde muss zentral für die Gefahrenabwehr bei Lebensmittelskandalen zuständig sein. Diese Verantwortung gehört nicht übers Land verteilt.


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