Report von terre des hommes Kinderhilfswerk: Klimawandel befördert Kinderarbeit

Von Stefanie Witte

In Nepal müssen Kinder in Ziegelfabriken arbeiten. Foto: terre des hommesIn Nepal müssen Kinder in Ziegelfabriken arbeiten. Foto: terre des hommes

Osnabrück. Klimawandel und Naturkatastrophen können Kinderarbeit befördern. Das hat das Osnabrücker Kinderhilfswerk terre des hommes festgestellt. Was bedeutet das für die Kinder? Und welche Lösungen gibt es?

Mit geübtem Griff lädt ein kleiner Junge graue Ziegelsteine in Taschen auf dem Rücken eines Esels. Als die Steine aufeinander fallen, entsteht eine kleine Staubwolke. Handschuhe trägt das Kind nicht, seine Hände sind mit dem grauen Staub der Steine überzogen. So wie dem jungen Nepalesen in einem Video des Kinderhilfswerks terre des hommes (tdh) geht es vielen Kindern in Nepal.

Laut aktuellem Kinderarbeitsreport von tdh sind Klimawandel und Naturkatastrophen zwei wichtige Gründe dafür ist, dass Kinder in ausbeuterische Arbeit gedrängt werden. „Bislang war gar nicht klar, dass es da einen Zusammenhang gibt“, sagt Antje Ruhmann, Kinderrechtsexpertin von terre des hommes. Ein Beispiel dafür ist Nepal. Hier seien vor allem Bauern von Klimaveränderungen betroffen. Auch Naturkatastrophen hätten zur Folge, dass Familien ihre Kinder verstärkt arbeiten ließen, um die Verwandten zu unterstützen. Eine Möglichkeit sei saisonale Migration etwa in Gebiete, in denen Hilfskräfte in Ziegeleien gebraucht werden, um die Abhängigkeit von der Landwirtschaft zu verringern. Die Arbeit in den Fabriken kann die Kinder krank machen, zum Beispiel Atemwegserkrankungen hervorrufen. Außerdem sei die Migration häufig eine Ursache für Schulabbrüche.

„Kinder leiden besonders unter sich verschlechternden Umweltbedingungen“, sagte Jörg Angerstein, Vorstandssprecher von terre des hommes. „Statt einer Klimapolitik à la US-Präsident Trump brauchen wir eine Umkehr in Richtung Ressourcenschutz und nachhaltigem Wirtschaften. Das wäre auch ein Beitrag zum Schutz von Kindern vor ausbeuterischer Arbeit.“

Saisonale Migration

Für den Bericht wurde die Situation in Nepal, Indien, Burkina Faso, Peru und Nicaragua exemplarisch untersucht. Der Fall Burkina Faso zeigt laut tdh, dass der Klimawandel in der Sahelzone zu nicht vorhersehbaren Wetterbedingungen und immer mehr einer Auslaugung der Böden führt, so dass Familien gezwungen seien, alternative Einnahmequellen zu suchen. „Die Kombination aus ärmlichen Lebensverhältnissen, geringen Bildungschancen und fehlenden guten Arbeitsbedingungen für junge Menschen und Erwachsene sowie der jüngste Goldrausch haben dafür gesorgt, dass immer mehr Kinder unter gefährlichen und schädlichen Bedingungen in Goldminen arbeiten müssen“, sagt Kinderrechtsexpertin Antje Ruhmann. In Indien zeige sich, dass sich die Dauer der saisonalen Migration aufgrund des Klimawandels von drei auf sechs Monate verlängerte. Das habe zur Folge, dass dort viele Kinder arbeiten, anstatt zur Schule zu gehen.

„Saisonale oder permanente Migration scheint länderübergreifend die häufigste Strategie der Familie im Umgang mit den Folgen des Klimawandels zu sein“, sagte Angerstein. „In den meisten von uns untersuchten Fällen führt das dazu, dass die Kinder in ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen landen.“

Mögliche Lösungen

Ausgehend von diesen Erkenntnissen will tdh nun seine Arbeit anpassen. Man sei bereits im Dialog mit den Partnerorganisationen in den betroffenen Ländern, sagt Antje Ruhmann. Im Falle der Arbeitsmigration könne ein flexibleres Bildungsangebot eine Lösung sein – in Indien etwa vereinheitlichte Stundenpläne oder Angebote in den Abendstunden, nach der Arbeit. Für die jungen Arbeiter in nepalesischen Ziegelsteinfabriken könnten schon Handschuhe und Atemschutz einen Unterschied ausmachen. Grundsätzlich sei jedoch immer das Ziel, ausbeuterische Arbeit zu verhindern, etwa durch alternative Einkommensquellen für die Eltern.

Das Kinderhilfswerk fordert nun, den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Kinderarbeit weiter zu untersuchen, um gezielt vorbeugen zu können. Auf internationaler Ebene soll die Erkenntnis eine größere Rolle in der UN-Kinderrechtskonvention spielen, damit die betroffenen Staaten regelmäßige Berichte dazu abgeben müssen und stärker unter Druck stehen.