Champignons und Sommersteinpilze Pilzmengen durch feuchtes Sommerwetter stark gestiegen

Von dpa

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Eine Stinkmorchel steht in einem Wald bei Springe (Niedersachsen). Die Stinkmorchel gehört zu den giftigen Pilzen und darf nicht gegessen werden. Foto: Silas Stein/dpaEine Stinkmorchel steht in einem Wald bei Springe (Niedersachsen). Die Stinkmorchel gehört zu den giftigen Pilzen und darf nicht gegessen werden. Foto: Silas Stein/dpa

Hannover. Ein nasser Frühling und ein verregneter Sommerbeginn: Was viele Menschen ärgert, freut Pilzsammler im ganzen Land. Denn bei diesen Witterungsbedingungen sprießen die Pilze überall aus dem Boden.

Erst eine warme, eher trockene Phase, dann literweise Regen: Das wechselhafte Sommerwetter hat in Niedersachsen die Pilze sprießen lassen. „Momentan sind die Pilzvorkommen explodiert“, sagte Rosemarie Drescher, Pilzsachverständige der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM) aus Seelze. Der Verband vertritt nach eigenen Angaben die Interessen von hauptberuflichen und Freizeit-Pilzwissenschaftlern in Deutschland.

Derzeit gebe es zum Beispiel sehr viele Champignons auf den Wiesen, Sammler in Niedersachsen hätten auch schon Sommersteinpilze entdeckt, sagte Drescher. Auch Dickröhrlinge und Perlpilze wüchsen im Moment. „Sogar Königsröhrlinge wurden schon gesichtet - etwa im Solling“, berichtete die Pilzexpertin. Mittelgebirge wie das Weserbergland oder der Harz bieten für Pilze besonders gute Bedingungen.

Generell komme ein derart hohes Pilzaufkommen im Sommer nur alle paar Jahre vor, erklärte DGfM-Präsident Marco Thines. Ausschlaggebend sei, dass es im späten Frühjahr und Frühsommer öfter regne, sagte Thines, der auch Professor am Institut für Biodiversität und Klimaforschung an der Goethe Universität Frankfurt ist. Die warmen Böden fördern das Wachstum der Pilze zusätzlich.

Thines hat beobachtet, dass das Klima in den vergangenen Jahren das Pilzvorkommen beeinflusst hat. „Pilze, die es kühler mögen, werden in Deutschland seltener und Pilze, die aus dem Süden kommen und es warm mögen, sprießen besonders“, erklärte er.

Dazu gehörten zum Beispiel die Körnchenröhrlinge, die sich zuletzt stark vermehrt hätten. Seltener gesehen werden dagegen etwa Königsröhrlinge und Wiesen-Champignons, die das Bundesamt für Naturschutz auf seiner aktuellen Roten Liste der Großpilze in Deutschland führt. Deren Bestand ist bundesweit bedroht.

Ein Heudüngerling steht in einem Wald bei Springe (Niedersachsen). Foto: Silas Stein/dpa

Es gibt allerdings kein Verbot zum Sammeln der auf der Roten Liste geführten Pilze. Anders ist das bei denjenigen Arten, die in der Bundesartenschutzverordnung aufgelistet werden.

Einige Arten davon wie Steinpilze, Pfifferlinge und Morcheln darf man in kleinen Mengen zum Eigenbedarf sammeln. Andere wie Trüffel dürfen nicht ohne Genehmigung entnommen werden - auch nicht zu wissenschaftlichen Zwecken.

Die Gesellschaft für Mykologie rät Sammlern, nur Pilzarten zu sammeln, die sie sicher kennen und nur gesunde, frische Pilze mitzunehmen. Von unbekannten Pilzen können Interessierte zwei oder drei Exemplare in möglichst unterschiedlichen Entwicklungsstadien sammeln. Sie können dann in Ruhe zu Hause bestimmt werden. Bei Unsicherheit sollten Pilzsachverständige zurate gezogen werden.


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