58 Strecken auf dem Prüfstand Land will Eisenbahnstrecken reaktivieren


Osnabrück. Das Land macht Dampf in Sachen Personennahverkehr auf der Schiene. 58 stillgelegte Strecken werden derzeit auf eine mögliche Reaktivierung hin überprüft. Bislang abgeschnittene Städte wie Nordhorn oder Aurich hoffen auf Anschluss. Doch nur auf sechs bis acht Strecken sollen letztlich wieder Züge fahren.

20 Kandidaten liegen im Raum Weser-Ems, eine gute Handvoll in den Landkreisen Emsland und Osnabrück, die das Verkehrsministerium derzeit unter die Lupe nimmt. „Wirtschaftliche Vernunft“, nennt Minister Olaf Lies (SPD) als Maßstab für eine Wiederbelebung. Was steckt dahinter? Mögliches Fahrgastaufkommen, Konkurrenzsituation zu anderen Verkehrsträgern, raumordnerische Aspekte und nicht zuletzt Kosten sollen ermittelt werden.

Das Strecken-Casting ist mehrstufig. Bis Ende des Jahres will das Ministerium 20 Strecken benennen, deren Reaktivierung für den Personenverkehr halbwegs realistisch scheint. Aus dieser Gruppe sollen dann bis zum Spätherbst 2014 sechs bis acht ausgewählt werden, die den Betrieb wieder aufnehmen. Einen „niedrigen dreistelligen Millionenbetrag“ werde die Reaktivierung wohl kosten, vermutet das Verkehrsministerium. Sprecher Stefan Wittke sagt aber: „Am Geld soll es nicht scheitern.“ Insgesamt subventioniert das Land den Personennahverkehr auf der Schiene mit mehr als 480 Millionen Euro im Jahr.

Wenn die Wiederbelebung teurer werde, müsse der Bau „notfalls zeitlich gestreckt werden“, so Wittke. Wichtig sei aber erst einmal, dass die Entscheidung gefällt werde. Doch einigen geht schon der jetzige Prozess viel zu langsam.

So mahnt beispielsweise der Bürgermeister von Nordhorn mehr Tempo in Sachen Bahnanschluss an. Seine 50.000-Einwohner-Stadt ist bislang vom Schienenverkehr abgeschnitten. Thomas Berling (SPD) ist aber sicher, „dass unsere Strecke zu den aussichtsreichsten auf der Liste gehört, da wir mit den Planungen ja schon wesentlich weiter sind als viele andere Antragssteller.“ Und weil vor Ort schon viel geplant und untersucht worden sei, könne die Bahnstrecke Gildehaus-Emlichheim mit Halt in Nordhorn auch früher reaktiviert werden, fordert der Bürgermeister .

Im Ministerium will man sich aber nicht unter Druck setzen lassen. Der Zeitplan soll eingehalten werden. Und das heißt für die betroffenen Orte vor allem eins: weiter Warten. Denn nach der Entscheidung für sechs bis acht Strecken müssen diese erst einmal wieder hergerichtet werden. Und dann erfolgt die Ausschreibung über die Landesnahverkehrsgesellschaft . Die wird Angebote einholen, welches Bahnunternehmen den Betrieb aufnehmen kann.

Ganz umsonst gibt es den Anschluss ans Schienennetz für die Regionen allerdings nicht. Das Land wird laut Ministerium 75 Prozent der Kosten tragen. Die restlichen 15 Prozent sollen von Kommunen und Landkreisen kommen. Im Emsland findet man die Pläne dennoch prima. Die Reaktivierung sei „eine willkommene Verdichtung und Verbesserung des Angebots […], die wir nur positiv aufnehmen können“, heißt es.

Auch im Osnabrücker Kreishaus lobt man die Pläne in Hannover, hat aber gleich einen Sonderwunsch angemeldet. Wenn schon geprüft werde, dann auch die Reaktivierung der Teutoburger Wald-Eisenbahn , die von Nordrhein-Westfalen in den Landkreis Osnabrück führt. Zudem mache sich der Landkreis weiter für die Reaktivierung der Haltepunkte Vehrte und Alfhausen an bestehenden Bahnstrecken stark, erklärt Kreisrat Winfried Wilkens.

Und selbst die Opposition lehnt die Pläne des Ministeriums nicht gänzlich ab. Sie seien lediglich „nicht zu Ende gedacht“, monierte CDU-Fraktionschef Björn Thümler. Nur dort, wo es wirklich Sinn mache, solle geprüft werden. Das jetzige Verfahren „wecke Begehrlichkeiten und wird am Ende Enttäuschungen provozieren.“ Der Fahrgastverband Pro Bahn hingegen lehnt die Haltung der Opposition ab. Die Initiative sei viel mehr zu begrüßen. Das Vorbild „Haller Willem“, eine reaktivierte Bahnstrecke zwischen Osnabrück und Bielefeld sei ein leuchtendes Beispiel, erklärt der Landesvorsitzende Björn Gryschka.

Eine Gesamtübersicht der Strecken findet sich auf der Internetseite des Niedersächsischen Verkehrsministeriums .


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