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Auch Bettwäsche als Diebesgut „Planenschlitzer“ plündern in Niedersachsen immer mehr Laster

Von dpa

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Die Zahl der Diebstähle aus Lastwagen in Niedersachsen nimmt weiter zu. Symbolfoto: Colourbox.deDie Zahl der Diebstähle aus Lastwagen in Niedersachsen nimmt weiter zu. Symbolfoto: Colourbox.de

Hedemünden. Sie kommen nachts, schneiden auf Park- und Rastplätzen die Planen von Lastwagen auf und stehlen dann alles, was sie gebrauchen können: Das Problem mit den sogenannten Planenschlitzern wächst.

Werkzeuge, Computer, Baumaterial, Haushaltsgeräte: Die Zahl der Diebstähle aus abgestellten Lastwagen in Niedersachsen nimmt immer weiter zu. Nach Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) waren sogenannte Planenschlitzer im vergangenen Jahr landesweit rund 750 Mal aktiv.

Dies sei eine Steigerung von sieben Prozent im Vergleich zu 2015, berichtete LKA-Experte Waldemar Lorenz. Und für 2017 lasse der bisherige Trend eine weitere Zunahme der versuchten oder vollendeten Taten erwarten. Zuletzt wurde an der A7 bei Hedemünden im großen Stil Bettwäsche von einem polnischen Lastwagen gestohlen.

Immer nach demselben Schema

Die Planenschlitzer gehen nach einer Studie des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG) fast immer nach demselben Schema vor. Zunächst kundschaften sie geeignete Lastwagen auf Autobahnparkplätzen oder Autohöfen aus. Mit einem Kleinlaster, der bevorzugt eine seitliche Schiebetür hat, fahren sie dann an die abgestellten Wagen heran. Sie schneiden einen kleinen Schlitz in die Plane und begutachten die Fracht. Dabei werden nach Angaben des BAG neuerdings vermehrt auch Endoskope eingesetzt, wie sie zum Beispiel in der Medizin bei Operationen verwendet werden.

Winkt lohnende Beute, so wird der Schlitz erweitert. Blitzschnell wird sodann das Diebesgut umgeladen und abtransportiert. Die Lastwagenfahrer bekommen nach Angaben des BAG von den Diebstählen häufig nichts mit. Die Täter kommen, wenn die Fahrer schlafen. Zudem ist der Lärmpegel auf Parkplätzen laut BAG allgemein recht hoch.

Ein Schnitt in der Plane eines Lkw. Foto: Zentralbild/Polizei Sachsen-Anhalt/dpa

Alles kommt mit

Bei ihren Beutezügen nehmen die Diebe nach Angaben des LKA Niedersachsen alles mit, was verwertbar erscheint: elektronische Geräte, Kosmetikartikel, Bekleidung, Spielzeug, Buntmetall und Nahrungsmittel. Sie stehlen aber auch Autoreifen und Waschmittel. Jüngst verschwanden an der A2 nahe Hannover E-Bikes im Gesamtwert von rund 60 000 Euro. „Es gibt eigentlich kaum etwas, was nicht gestohlen wird“, sagte LKA-Experte Lorenz.

Besonders häufig schlagen die Planenschlitzer auf Park- und Rastplätzen an der Nord-Süd-Autobahn A7 und der West-Ost-Verbindung A2 zu. Dort erbeuteten Unbekannte im Oktober vergangenen Jahres alleine aus einem einzigen Lkw Parfümerie-Artikel im Wert von 250 000 Euro. Die Täter treiben ihr Unwesen aber auch an der A1. Dort verschwanden im November auf einem Parkplatz bei Buchholz Zigaretten im Wert von 270.000 Euro.

Hohe Dunkelziffer

Derartige Diebstähle und Diebstahlsversuche sind nach der Studie des Bundesamtes für Güterverkehr vermutlich noch weitaus häufiger, als von der Polizei erfasst. Das BAG geht von einer hohen Dunkelziffer aus, weil viele betroffene Transportunternehmen die Taten gar nicht anzeigten. Gründe seien zum Beispiel Zeitprobleme oder fehlender Versicherungsschutz.

Der von Planenschlitzern angerichtete Schaden ist riesig. Das LKA nennt für Niedersachsen einen Betrag im „zweistelligen Millionenbereich“. Der bundesweite Schaden liegt laut BAG-Studie bei etwa 300 Millionen Euro pro Jahr.

Mitglieder professioneller Banden

Nach Erkenntnissen der Ermittler handelt es sich bei den Planenschlitzern zumeist um Mitglieder professioneller Banden. Der Verkauf der Beute sei gut organisiert. „Die gestohlenen Waren werden häufig über den Tätern bekannte Hehlerstrukturen abgesetzt“, sagte LKA-Fachmann Lorenz. Man könne davon ausgehen, dass größere Komplettladungen auch auf Bestellung gestohlen werden.

Zumindest die bisher ermittelten Täter stammen nach Erkenntnissen des LKA überwiegend aus Osteuropa. So hat die Polizei Ende 2016 bei Durchsuchungen in Hannover und Stendal (Sachsen-Anhalt) mehrere mutmaßliche Planenschlitzer aus der früheren Sowjetunion gefasst. Bei ihnen wurde Beute im Wert von mehr als 100 000 Euro sichergestellt. Anfang Mai wurden auf der Rastanlage Auetal an der A2 nahe Rinteln zwei Täter erwischt, die in einem Fahrzeug mit weißrussischem Kennzeichen unterwegs waren.

Gesicherte Parkplätze könnten helfen

An der A2 hat die Polizei im Nachbarbundesland Sachsen-Anhalt wiederholt Erfolg im Kampf gegen die Planenschlitzer gehabt. So wurde im März am Rasthofe Börde ein Täter auf frischer Tat gestellt, Ende Mai wurden auf demselben Rastplatz zwei weitere Männer festgenommen.

Gesicherte Parkplätze mit Zutrittskontrollsystemen könnten nach Einschätzung des LKA Niedersachsen dazu beitragen, die Zahl der Ladungsdiebstähle einzudämmen. Auf jedem Fall sollten Fahrer ihren Lkw niemals unbeaufsichtigt stehen lassen, rät LKA-Experte Lorenz. Und für Pausen sollten sie gut beleuchtete und möglichst bewachte Parkplätze aussuchen.


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