15 Prozent auf Fachkraftniveau Kaum qualifizierte Flüchtlinge in Niedersachsen

Der Einstieg in die deutsche Arbeitswelt ist für viele Flüchtlinge schwierig. Kurse wie hier in Bremen sollen die nötigen Qualifikationen bringen. Foto: dpaDer Einstieg in die deutsche Arbeitswelt ist für viele Flüchtlinge schwierig. Kurse wie hier in Bremen sollen die nötigen Qualifikationen bringen. Foto: dpa

Hannover. Nur ein Bruchteil der Flüchtlinge im Nordwesten ist nach Ansicht der Agentur für Arbeit bereits reif für den Arbeitsmarkt. Vor allem bei der Sprache hakt es. Viele sind arbeitslos. Die Qualifikation wird noch lange dauern.

Die Vorsitzende der Agentur für Arbeit in Niedersachsen und Bremen hat vor zu viel Optimismus bei der beruflichen Integration von Flüchtlingen gewarnt. „Die Hoffnung, der Fachkräftemangel könne kurzfristig durch die Flüchtlinge zu beheben sein, hat sich in Luft aufgelöst“, sagte Bärbel Höltzen-Schoh am Montag in Hannover.

Viele verfügten nur über marginale oder gar keine Schuldbildung. Zudem klaffe die Selbst- und Fremdeinschätzung über die eigenen Fähigkeiten oft auseinander. Selbst die Hoffnung einiger Unternehmen auf Eignung von Flüchtlingen für Helfertägigkeiten habe sich als „Illusion“ herausgestellt.

Nur drei Prozent Experten

Von den Flüchtlingen in Niedersachsen zählt die Arbeitsagentur nur drei Prozent zu den beruflichen Experten wie dem sprichwörtlichen syrischen Arzt. Weitere 15Prozent seien in etwa auf Fachkräfteniveau qualifiziert. Damit ist in etwa jeder Fünfte mindestens als Fachkraft einsetzbar. Die große Mehrheit könne hingegen nur angeleitete Arbeiten erledigen.

Nach Angaben von Höltzen-Schoh sind derzeit etwa 21 300 Menschen aus außereuropäischen Asylherkunftsländern in Niedersachsen arbeitslos gemeldet. Mehr als die Hälfte davon (12300) sind Syrer, danach folgen Iraker mit 4900. Das sind 7600 oder 55 Prozent mehr als im Vorjahr Zwei Drittel sind Männer, 60Prozent jünger als 35 Jahre. In den vergangenen zwölf Monaten hätten hingegen 3800 einen Arbeitsplatz gefunden, 200 sich selbstständig gemacht, 400 begannen eine Ausbildung. Schwerpunktbranchen seien vor allem die Zeitarbeit, die Gastronomie und der Dienstleistungssektor sowie das verarbeitende Gewerbe. 9000 seien derzeit in Qualifizierungen.

Mehr Erfolgsgeschichten

Höltzen-Schoh sprach bei einer Veranstaltung der Initiative „Niedersachsen packt an“, welches Akteure in der Integration zusammenbringen will. Tenor des Treffens: Vor allem die Sprache sei der Schlüssel zur Integration. Und hier müsse man am Ball bleiben. „Der Weg vom Flüchtling zur Fachkraft bleibt beschwerlich“, betonte Höltzen-Schoh. Allerdings gebe es auch positive Beispiele, die Hoffnung machten. Man solle mehr Erfolgsgeschichten erzählen. Die Nicht-Erfolgsgeschichten würden schon genug verbreitet.“

Mehr Ressourcen für Sprachförderung?

Auch Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) betonte die Bedeutung des Sprachunterrichts. Auch die an Schulen eingerichteten landesweit rund 700 Sprachlernklassen könnten nicht jedes Kind innerhalb eines Jahres auf das erhoffte Sprachniveau heben. Heiligenstadt lehnt deshalb auch einen Abbau des in der Hochzeit der Flüchtlingskrise ausgeweiteten Angebots ab. Stattdessen prüfe das Ministerium, „die Ressourcen für Sprachförderung noch weiter aufzustocken“. Die Vermittlung von Deutsch als Zweitsprache sei eine Daueraufgabe für die Schulen im Land.


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