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17.05.2017, 05:00 Uhr KOMMENTAR

Selbstmorde unter Flüchtlingen: Im System nicht vorgesehen

Kommentar von Stefanie Witte

Ein Grund für Suizidversuche: Die Angst vor der Abschiebung. Foto: dpaEin Grund für Suizidversuche: Die Angst vor der Abschiebung. Foto: dpa

Osnabrück. Was muss in einem Menschen vorgehen, der es unter lebensbedrohlichen Bedingungen in dieses Land schafft und dann hier versucht, sich das Leben zu nehmen?

Das Problem ist: Wenn ein Asylbewerber ein Dach überm Kopf und Verpflegung hat, gilt er für den Staat als versorgt. Wenn er dann Monate oder gar Jahre warten muss, bis sein Status geklärt ist, ist nicht vorgesehen, dass der Staat sich kümmert. Dabei liegen beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge noch mehr als hunderttausend Altfälle. Hinter jeder Akte steht ein Schicksal. Und da kann einiges zusammenkommen: Wenig Geld, keine Perspektive, kein geregelter Tagesablauf. Mal fehlt der Kontakt zu anderen Menschen völlig, mal warten Väter verzweifelt darauf, dass Frau und Kinder nachkommen dürfen. Verzweiflung und Depressionen sind die Folge. An psychologischer Betreuung aber mangelt es.

Nachdem die Basisversorgung mittlerweile funktioniert, gilt es nun, den zweiten Schritt zu gehen und diejenigen, die hier leben, einzubinden. Arbeit ist ein Schlüssel dazu. Häufig ist der Weg dorthin jedoch durch bürokratische Hürden versperrt. Höchste Zeit, den Blick zu weiten und damit die Definition von staatlicher Versorgung: Weniger Bürokratie, mehr praktische Hilfe.


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