Tag des Wanderns 2017 „Harzer Naturistenstieg“: Im Harz wird auch nackt gewandert

Von dpa

Eine Gruppe Wanderer im Wippertal bei Wippra. Foto: dpaEine Gruppe Wanderer im Wippertal bei Wippra. Foto: dpa

Wippra. Feste Schuhe oder auch nicht, Kopfbedeckung bei Bedarf, aber auf jeden Fall nackt – so streifen im Südharz bei gutem Wetter Menschen durch die Natur. Der heimische Harzklub wandert zwar nicht mit, präpariert aber regelmäßig den „Harzer Naturistenstieg“.

Zehntausende von Wanderlustigen werden am Sonntag bei den bundesweit 450 Veranstaltungen zum Tag des Wanderns erwartet. Allein im Harz gebe es fast 20 angemeldete Aktionen, sagte Erik Neumeyer vom Deutschen Wanderverband. Die meisten Teilnehmer werden wohl in flotter Outdoor-Kleidung zur gemeinsamen Wanderung durch die Natur antreten.

Unbekleidet durchs Grüne

Weniger offiziell und ganz ohne Funktions-Kleidung wird es in einem abgelegenen Waldstück im Südharz zugehen: Bei Wippra treffen sich regelmäßig Wanderer, die unbekleidet durchs Grüne streifen. Im Jahr 2010 wurde dort der „Harzer Naturistenstieg“ eröffnet, der erste Nacktwanderweg Deutschlands. „Bei gutem Wetter sind oft 50 und mehr Nackte unterwegs“, sagte Helmut Wein, der Vorsitzende des örtlichen Heimat- und Wandervereins „Harzklub“.

„Wanderfreunde, die der FKK-Kultur zugeneigt sind, haben in Wippra die Möglichkeit, die Natur hautnah zu erleben“, wirbt die örtliche Tourismus-Organisation. Die etwa 14 Kilometer lange Tour führt durch Wald und Wiesen. Wanderkarten gibt es im Tourismusbüro und in den örtlichen Kneipen. Am Start steht eine Wanderstempelstelle. „Vor allem Leute aus den alten Bundesländern kommen zum Nacktwandern“, sagte Wein. Auch aus Holland kämen Teilnehmer. „Bei schönem Wetter ist der kleine Parkplatz im Wald jedenfalls voll“, so Wein.

Nackte Wanderer normal geworden

In Wippra selbst sei das Nacktwandern dagegen nicht besonders gefragt, sagte der Harzklub-Vorsitzende. „Im Ort kenne ich keinen, der nackt wandern wollte.“ Trotzdem haben die Freiwilligen des Harzklubs die Route auch in diesem Jahr wieder hergerichtet. „Wir schneiden die Äste ab, die in den Weg hineinwachsen. Und wir kümmern uns um die Ausschilderung, damit sie auch wissen, wo sie laufen können und dürfen“, sagte Wein.

Ein Hinweisschild unterhalb der Talsperre Wippramarkiert den Harzer Naturistenstieg. Foto: dpa

Ins Leben gerufen wurde der Nacktwanderweg von Heinz Ludwig, der im benachbarten Dankerode einen Campingplatz betreibt. „Damals gab es einige Aufregung“, erinnerte er sich. „Inzwischen ist das alles Normalität. Es spricht kaum noch jemand drüber, wenn er mal einem Nackten begegnet“, sagte Ludwig.

Kaum Nackt-Anfragen beim Tourismusverband

Während Wippra mit dem Nacktwanderweg wirbt, verzichtet der Harzer Tourismusverband (HTV) darauf, die Route anzupreisen. Es gebe beim Verband auch kaum Nachfragen von Interessenten, sagte Sprecherin Christin Faust. „Wir gehen davon aus, dass die Nacktwanderer ihre Informationen anderweitig einholen.“

Auch der Deutsche Wanderverband kann damit nicht viel anfangen. „Ich wüsste nicht, dass bei einem unserer Mitgliedsvereine Nacktwandern praktiziert wird“, sagte der stellvertretende Geschäftsführer Erik Neumeyer.

„Willst du keine Nackten sehen,...

Die Nacktwanderer selbst beschreiben sich auf ihrer Homepage als „ein sich ständig vergrößernder Freundeskreis von Natur interessierten Menschen“. Ihr Hobby loben sie als Sportart, die in besonderer Weise geeignet sei, Natur auf unmittelbare Art und Weise zu erleben.

Gewandert werde in Gruppen auf weniger frequentierten Wegen im Rothaargebirge, im Spessart, der Eifel, dem Pfälzer Wald, dem Rheingau, dem Schwarzwald, dem Taunus, im Thüringer Wald und im Harz. Nacktheit verstehen sie als „sinnvolle Ergänzung des Wanderns“ und nicht als Provokation.

...darfst du hier nicht weiter gehen.“

„Ärger und Konflikte gibt es mit den Nacktwanderern nicht“, stellte Wippras Harzklub-Chef Wein fest. Auch beim Harzer Tourismusverband hat man nichts von Problemen gehört. „An Beschwerden anderer Wanderer können wir uns nicht erinnern“, sagte Sprecherin Faust.

Für alle, die sich doch an nackter Haut stören sollten, hat Wanderweg-Initiator Ludwig schon vor Jahren ein Schild entworfen, das noch heute bekleidete Naturfreunde warnt: „Willst du keine Nackten sehen, darfst du hier nicht weiter gehen.“