Juristisches Nachspiel Krise bei EWE: Entlassung des Vorstandschefs hallt nach

Von dpa

Die Hauptverwaltung des Energieversorgers EWE in Oldenburg. Foto: dpaDie Hauptverwaltung des Energieversorgers EWE in Oldenburg. Foto: dpa

Oldenburg. Die Krise beim Oldenburger Energieversorger EWE ist noch nicht ausgestanden. Die fristlose Entlassung des Vorstandsvorsitzenden Matthias Brückmann im Februar hallt nach, denn es wird ein juristisches Nachspiel geben.

Eigentlich wollte sich der Aufsichtsrat des Oldenburger Energieversorgers EWE am Dienstagabend vor allem mit dem Geschäftsbericht 2016 auseinandersetzen. Dann drängten sich andere Themen in den Vordergrund: Die „Verfehlungen“ des Ex-Vorstandschefs und Korruptionsvorwürfe gegen eine Konzerntochter.

Urkunden- und eine Feststellungsklage

Brückmann hat gegen die EWE AG eine Urkunden- und eine Feststellungsklage erhoben, wie dessen Anwalt Bernd-Wilhelm Schmitz am Montagabend mitteilte. Damit soll erreicht werden, dass das Unternehmen Brückmann weiter Gehalt zahlt und das Gericht die Kündigung für unwirksam erklärt.

„Wir sind zuversichtlich, dass wir die mit den Klagen verfolgten Ziele erreichen“, schrieb der Anwalt. Das Landgericht Oldenburg hat die Unterlagen inzwischen an EWE weitergeleitet. Sprecher Christian Blömer bestätigte den Eingang. „Wir werden entsprechend darauf reagieren“, sagte er. (Weiterlesen: EWE in der Krise: Hielten Manager für Schmiergelder die Hand auf?)

Vorwürfe gegen Brückmann

Für den Aufsichtsrat des Konzerns mit rund 9000 Mitarbeitern ist die Personalie daher noch nicht abgehakt. Bei einer Sitzung am Dienstagabend wollte sich das Kontrollgremium mit dem Abschlussbericht einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft beschäftigen, die verschiedene Vorwürfe gegen Brückmann untersucht hat.

„Wir haben jetzt ein klares Bild“, sagte der Chef des Kontrollgremiums, Stephan-Andreas Kaulvers, der Deutschen Presse-Agentur. „Wir haben uns von Herrn Brückmann getrennt. Zu dieser Entscheidung stehen wir.“ Die Ergebnisse des Berichts seien relevant für die juristische Auseinandersetzung.

Forderungen gegen Brückmann?

Für Heiner Schönecke, der im Präsidium des EWE-Aufsichtsrates sitzt, soll das Kontrollgremium anhand des Berichts auch entscheiden, ob Forderungen gegen Brückmann erhoben werden. Das Gutachten helfe bei der Einordnung, inwieweit Brückmann dem Unternehmen Schaden zugefügt habe, sagte er.

Die Zahlungen an Stiftung von Wladimir Klitschko

Das Kontrollgremium hatte Brückmann am 22. Februar wegen „einer Vielzahl diverser grober Verfehlungen“ aus seinem Amt und dem Unternehmen entlassen. Dem Unternehmen zufolge hat Brückmann unter anderem bei einer Spende von 253 000 Euro an eine Stiftung des Ex-Boxweltmeisters Wladimir Klitschko gegen interne Unternehmensregeln verstoßen. Brückmann hatte die Summe im vergangenen Jahr überweisen lassen, ohne den Finanz- und Prüfungsausschuss des Aufsichtsrates zu informieren.

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg leitete im Februar ein Verfahren gegen Brückmann und EWE-Vorstandsmitglied Michael Heidkamp ein. Sie ermittelt wegen des Anfangsverdachts der Untreue.

Der ehemalige EWE-Vorstandsvorsitzende Matthias Brückmann. Foto: dpa

Gewinn von knapp 333 Millionen Euro

Ursprünglich wollten sich die 20 Aufsichtsratsmitglieder am Dienstagabend vor allem mit dem Jahresabschluss des Energieversorgers auseinandersetzen. Am Donnerstag stellt der Konzern seinen Geschäftsbericht 2016 vor - nach vorläufigen Zahlen hat er einen Gewinn von knapp 333 Millionen Euro erwirtschaftet.

Doch neben der Personalie Brückmann und der damit verbundenen Führungskrise rückte jüngst noch ein weiteres Thema in den Vordergrund, das den Aufsichtsrat beschäftigt: Die Aufarbeitung der Korruptionsvorwürfe gegen die Konzerntochter EWE Netz.

Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelt

Im Februar wurden Vorwürfe bekannt, dass mehrere Mitarbeiter des Unternehmens Gegenleistungen für Aufträge an fremde Unternehmen gefordert und erhalten haben sollen. Ein EWE-Sprecher teilte damals mit, dass die Konzernrevision Anfang Dezember mit einer umfangreichen Prüfung beauftragt wurde und dabei seit Januar von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft unterstützt wird.

Auch die Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelt und ließ jüngst Räumlichkeiten einer EWE-Niederlassung in Cuxhaven durchsuchen.

„Untersuchung noch nicht abgeschlossen“

Zu den Korruptionsvorwürfen liegt dem Aufsichtsrat inzwischen ein erster Zwischenbericht von den Wirtschaftsprüfern und der Konzernrevision vor. Auch dieser sollte am Dienstagabend beraten werden. Konsequenzen könnten daraus aber noch nicht gezogen werden, betonte Kaulvers.

„Ein Zwischenbericht ist keine Grundlage für endgültige Entscheidungen“, sagte er. Zu den Ergebnissen des Gutachtens wollte er sich nicht äußern. Ende Juni soll der Abschlussbericht vorliegen. Schönecke zufolge wird dann klar sein, ob es organisatorische Missstände gibt. Der EWE-Sprecher wollte sich zu den Ermittlungen nicht näher äußern. „Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen“, sagte Blömer.


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