An Hochschule Hannover Ambulanz für gefährdete Männer soll Vergewaltigungen verhindern

Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) hat eine neue Ambulanz für Menschen mit sexuellen Gewaltfantasien. Symbolfoto: Bernd WüstneckDie Medizinische Hochschule Hannover (MHH) hat eine neue Ambulanz für Menschen mit sexuellen Gewaltfantasien. Symbolfoto: Bernd Wüstneck

Hannover. Eine neue Ambulanz für Männer mit Gewaltfantasien soll verhindern, dass Frauen zu Opfern werden. „Sexuelle Übergriffe passieren nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel“, sagte Sexualmediziner Uwe Hartmann am Mittwoch bei der Vorstellung des Pilotprojekts an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).

„Es gibt einen Vorlauf in der Seele und der Sexualität des Täters.“ Wer befürchtet, seine sexuellen Impulse nicht mehr kontrollieren zu können, kann sich anonym und kostenlos behandeln lassen. Geplant sind Einzel- und Gruppentherapien, bei Bedarf auch mit medikamentöser Unterstützung.

Gruppe bislang kaum erforscht

An der MHH gibt es bereits seit fünf Jahren die Ambulanz für pädophile Männer „Kein Täter werden“. In dieser Zeit habe es auch Anfragen von Männern gegeben, die von Gewaltfantasien berichteten, die sich auf erwachsene Frauen richteten, sagte Hartmann. Diese Gruppe ist groß und kaum erforscht. 2015 verzeichnete die Polizeiliche Kriminalstatistik bundesweit 7022 Vergewaltigungen. Nur 5 Prozent der Taten werden Studien zufolge angezeigt – weil der Täter meist der eigene Partner oder Ex-Freund ist, aus Scham oder aus Angst, dass einem niemand glaubt.

Die Wissenschaftler der MHH wollen jetzt auch Erkenntnisse für die Psychotherapie von Männern mit Gewaltfantasien finden. Dabei geht es vor allem um Impulskontrolle. Studien mit wenigen verurteilten Tätern weisen auf verschiedene Persönlichkeitsprofile hin. So gibt es unter Vergewaltigern dissoziale Typen, die Macht ausüben, Schmerz zufügen oder auch Rache nehmen wollen. Eine andere Gruppe ist unfähig, Beziehungen zu Frauen einzugehen und entwickelt nach Enttäuschungen und Kränkungen einen Hass auf Frauen. Weitere Täter haben seit ihrer Jugend sexuell-sadistische Fantasien, die immer extremer werden.

Förderung zunächst für drei Jahre

Das niedersächsische Gesundheitsministerium fördert die neue Ambulanz mit 450.000 Euro für zunächst drei Jahre. „Frauen leiden ihr Leben lang, wenn sie Opfer von Gewalt geworden sind“, betonte Gesundheitsministerin Cornelia Rundt (SPD). Insgesamt stelle ihr Haus jährlich über sieben Millionen Euro für den Opferschutz bereit. „Die psychiatrischen Kliniken sind voll von traumatisierten Frauen“, ergänzte Sexualmediziner Hartmann.

Prävention und Behandlung dysregulierter Sexualität (PBDS) lautet die offizielle Bezeichnung des Pilotprojektes. Mit einem Plakat versuchen die Mediziner, Betroffene direkt anzusprechen: Abgebildet ist ein junger Mann, sein Gesicht und seinen Körper verdeckt der Satz: „Willst du mehr, als sie will?“ Die Psychiater sind optimistisch, dass Männer mit Gewaltfantasien das Angebot auch annehmen werden. „Die Menschen sind da und brauchen Hilfe“, sagte Tillmann Krüger, geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie.


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