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07.04.2017, 16:33 Uhr KOMMENTAR ZUR VOGELGRIPPE

Putentötung verhindert: Das war falsch

Ein Kommentar von Dirk Fisser


Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) verhinderte die vorsorgliche Tötung Tausender Puten. Das bringt ihm Kritik ein. Foto: dpaLandwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) verhinderte die vorsorgliche Tötung Tausender Puten. Das bringt ihm Kritik ein. Foto: dpa

Osnabrück. Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) hat die vorsorgliche Tötung mehrere Tausend Puten verhindert. Das bringt ihm jetzt Kritik der Opposition im Landtag ein. Ein Kommentar.

Herr Meyer, diese Entscheidung war falsch. Sich inmitten der größten Geflügelpest-Epidemie, die Deutschland je gesehen hat, gegen den Rat der Fachleute zu stellen, war fahrlässig.

Aber dass der Landwirtschaftsminister in diesem Fall irrte, darf nicht als Ausrede dafür dienen, nicht über die grundsätzliche Frage nachzudenken, die hinter der einsamen Entscheidung steckt: Ist es im rechtlichen wie ethischen Sinne richtig, Tiere allein wegen eines Verdachts vorsorglich zu töten? Oder weiter gefasst, müssen wir unser Vorgehen bei Tierseuchen nicht dringend überdenken?

Derzeit jedenfalls entsteht der Eindruck, Behörden wie Agrarwirtschaft stünden Epidemien hilflos gegenüber. Die einzige wirksame Antwort auf die Bedrohung scheint die Keulung zu sein. Und das bei einem Wirtschaftszweig, der sich ansonsten seiner Innovationskraft rühmt. Für Tierseuchen gilt das aber offenkundig nicht. Die Branche hat von den Vorzügen der Globalisierung profitiert, sich aber unzureichend gegen die Risiken eben dieser Globalisierung gewappnet. Nun ist Letzteres nicht nur bei Tierseuchen zu beobachten, sondern auch, wenn Menschen betroffen sind. Erinnert sei nur an die chaotischen Reaktionen auf Ebola oder Zika. Im gleichen Maße, wie die Epidemien abklangen, geriet das Versagen in Vergessenheit. Dabei wäre es überlebenswichtig, aus den Fehlern zu lernen.


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