Wankelmütig und ideologisch getrieben? Vogelgrippe und tote Küken: Kritik an Agrarminister Meyer

Meine Nachrichten

Um das Thema Niedersachsen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer. Foto: dpaNiedersachsens Agrarminister Christian Meyer. Foto: dpa

Osnabrück. Wankelmütig, ideologisch getrieben, wenig hilfreich: Gleich zwei Verbände kritisieren Aussagen und Anordnungen von Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) aus den vergangenen Tagen.

Am deutlichsten wird der Niedersächsische Landkreistag (NLT), der vor allem der Kreisverwaltung in der Vogelgrippe-Krisenregion Cloppenburg beispringt. NLT-Hauptgeschäftsführer Hubert Meyer appelliert an den Minister, „auf die Experten der Tierseuchenbekämpfung zu hören und unnötiges Tierleid aus ideologischen Gründen zu verhindern.“

Der Verbandsverantwortliche nimmt dabei Bezug auf Recherchen unserer Redaktion. Demnach hatte der Minister entgegen dem Rat der Experten der vorsorglichen Tötung von mehreren Tausend Puten widersprochen. Wenige Tage danach wurde in dem Betrieb die Vogelgrippe nachgewiesen. Die Entscheidung des Ministers „aus falsch verstandenem Tierschutz“ sei nicht hinnehmbar, kritisiert der Landkreistag und verweist auf das „wenig stringente und wankelmütige Vorgehen“ des Grünen-Politikers beim Thema Stallpflicht zu Beginn der Vogelgrippe-Epidemie. (Weiterlesen: Vogelgrippe: Minister verhinderte Tötung Tausender Puten)

Versäumnisse des Ministeriums?

NLT-Chef Meyer kritisiert ebenso Aussagen des Ministers gegenüber unserer Redaktion, wonach die Staatsanwaltschaft die vorsorgliche Tötung von mehr als einer halbe Millionen Putenküken in Cloppenburg und Oldenburg untersuchen soll – das Ministerium sehe den Verdacht auf eine Straftat nach dem Tierschutzgesetz. Laut Landkreistag war das Ministerium aber von Anfang an in den Prozess eingebunden, habe eine Anfrage der Landkreise aber wochenlang nicht beantwortet. (Weiterlesen: Gesunde Putenküken getötet: Staatsanwaltschaft soll prüfen)

„Rückenstärkung der Vollzugsbehörden vor Ort bei der aktuell sehr schwierigen Tierseuchenbekämpfung stellen wir uns anders vor“, schlussfolgert NLT-Chef Meyer. Der Minister solle die Arbeit der Behörden unterstützen „und keine ideologischen Streitigkeiten auf dem Rücken der […] Mitarbeiter der Landkreise“ austragen.

Tote Puten werden entsorgt. Foto: dpa

Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) kritisiert indes Äußerungen des Grünen-Politikers zum Kükentöten. Im Gespräch mit unserer Redaktion hatte Meyer die Bundesregierung aufgefordert, ein Datum für den Ausstieg aus der umstrittenen Praxis zu benennen. Wann die alternative Technik zur Geschlechtsbestimmung im Ei praxisreif sei, könne „zum jetzigen Zeitpunkt niemand seriös vorhersagen“, so ZDG-Präsident Friedrich-Otto Ripke. Das wisse auch Niedersachsens Landwirtschaftsminister. Meyers Forderung sei „irreführend und wenig hilfreich“. Es brauche „Realismus statt ideologisch geprägtes Wunschdenken“, so Ripke. (Weiterlesen: Kükentöten: Meyer fordert vom Bund ein Ausstiegsdatum)


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN