Meldepflicht seit 2013 Sind die Windpocken in Niedersachsen auf dem Vormarsch?

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Hauptmerkmal der Windpocken sind ein juckender Ausschlag. Foto: colourbox.deHauptmerkmal der Windpocken sind ein juckender Ausschlag. Foto: colourbox.de

Osnabrück. Eine Meldung der AOK hat in Nordrhein-Westfalen für Schlagzeilen gesorgt: 2016 war die Anzahl der Windpocken-Erkrankungen signifikant höher als im Vorjahr. Gilt dies auch für Niedersachsen und unsere Region?

Im Jahr 2016 wurden nach Angaben der Krankenkasse AOK im Bereich von Westfalen-Lippe insgesamt 2656 Windpockenfälle gemeldet, 2015 waren es hingegen 2205 Infektionen.

Weniger Fälle in Niedersachsen

Doch für Niedersachsen im Ganzen sieht es nicht ganz so besorgniserregend aus: Auf Nachfrage unserer Redaktion erklärt Holger Scharlach vom Niedersächsischen Landesgesundheitsamt, dass es im Jahr 2016 sogar weniger Windpockenfälle als 2015 gegeben habe: 2016 wurden 1325 gemeldet, 2015 hingegen 1596. Erste Zahlen für 2017 liegen auch schon vor: Bis dato gab es in ganz Niedersachsen 245 gemeldete Fälle.

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Mehr Windpocken in unserer Region

In Stadt und Landkreis Osnabrück ist die Anzahl der gemeldeten Fälle allerdings angestiegen: Im Jahr 2015 waren es 46 Fälle, 2016 dann 68. Sorgen mache man sich aktuell jedoch nicht: „In diesem Jahr hat es bislang 28 Fälle gegeben – das wird vom Gesundheitsdienst als unauffällig eingeschätzt,“ sagt Landkreis-Pressesprecher Henning Müller-Detert.

Im Emsland gab es 2016 ebenfalls einige Fälle mehr, wie Landkreis-Sprecherin Anja Rohde sagt: Während 2015 insgesamt 34 Windpockenfälle gemeldet wurden, waren es im Jahr 2016 37 Fälle. Für 2017 sind bislang sieben Fälle gemeldet worden.

In der Stadt Delmenhorst wurden im vergangenen Jahr sogar signifikant mehr Windpockenerkrankungen als 2015 gemeldet , sagt Pressesprecher Timo Frers gegenüber unserer Redaktion: 2016 waren es 19 Fälle, 2015 drei Fälle, 2014 elf Fälle und 2013 14 Fälle.

Woran könnte der Anstieg liegen? Anja Rohde erklärt sich den Anstieg „auch aus dem vermehrten Einsatz von Labordiagnostik“, da so eine Windpockenerkrankung häufiger als in der Vergangenheit fundiert bestätigt werden könne.

Ein Grund für die vermehrten Meldungen in NRW und Teilen Niedersachsens könnte neben der verbesserter Labordiagnostik zudem sein, dass die Erkrankung erst seit dem Jahr 2013 gemeldet werden muss und die Ärzte dafür erst Meldung sensibilisiert werden mussten.

Darüber hinaus hat der Zuzug von ungeimpften Flüchtlingen ebenfalls für höhere Zahlen in NRW gesorgt, so Dagmar Schwarte, Ärztin für Kinder und Jugendgesundheit beim Gesundheitsamt Münster.

Was sind Windpocken? Windpocken werden durch das Varicella-Zoster-Virus verursacht: Bei einer ersten Infektion mit diesen Viren entwickelt sich die Krankheit Windpocken. Das Virus bleibt jedoch lebenslang im Körper. Wird es später noch einmal reaktiviert, kann es eine Gürtelrose auslösen. Auslöser für die Reaktivierung können weitere Infektionen oder eine allgemeine Schwäche des Immunsystems sein.

Wie sehen die typischen Anzeichen für eine Erkrankung aus? Hauptmerkmal der Windpocken sind ein juckender und pickliger Ausschlag. Zudem treten ein allgemeines Schwächegefühl und Fieber auf. Nach mehreren Tagen heilen die Pusteln zumeist ab; solange man nicht an ihnen gekratzt hat sogar ohne Narben zu hinterlassen.

Wie werden Windpocken übertragen? Windpocken werden in der Regel durch eine Tröpfcheninfektion übertragen, also durch Husten und Niesen. Da sie sich jedoch lange ohne Wirt überleben können und sehr aggressiv sind, ging man früher davon aus, dass sie „über den Wind“ übertragen werden. So erklärt sich auch er deutsche Name Windpocken.

Sind Windpocken gefährlich? Windpocken gelten als typische Kinderkrankheit, sind aber – wie auch Masern – nicht ungefährlich. Bei schweren Verläufen kann es zu Lungenentzündung kommen, zudem kann die Hirnhaut gereizt werden. Zumeist trifft es erwachsene Patienten schlimmer, wenn sie an Windpocken erkranken.

Besonders gefährlich ist eine Infektion von Frauen, die zwischen der fünften bis 24. Woche schwanger sind: Die Ungeborenen können schwere Missbildungen entwickeln. Auch Neugeborene, die sich mit Windpocken anstecken, können lebensgefährlich erkranken.

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Kann gegen Windpocken geimpft werden? Ja. Die Varizellen-Schutzimpfung wird seit dem Jahr 2004 von der Ständigen Impfkommission (STIKO) für alle Kinder und Jugendlichen empfohlen. Gemäß der Empfehlung sollte die erste Dosis der Impfung im Alter von elf bis 14 Monaten erfolgen, und die zweite Dosis im Alter von 15 bis 23 Monaten. Weiterlesen: Emsland liegt bei der Impfquote weit vor Osnabrück und Delmenhorst


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