Guth tritt gegen Hampel an Krach in der niedersächsischen AfD eskaliert

Von Klaus Wieschemeyer

Dana Guth fordert Paul Hampel heraus. Foto: SternerDana Guth fordert Paul Hampel heraus. Foto: Sterner

Hannover. Kurz vor der Neuwahl des Vorstands am Wochenende eskaliert der Krach in der niedersächsischen AfD. Die Göttinger Kreischefin Dana Guth will gegen den umstrittenen Parteichef Armin Hampel antreten.

Mit dem Versprechen nach Einigung der niedersächsischen AfD fordert die Göttinger Kreisvorsitzende Dana Guth den umstrittenen Landeschef Paul Hampel heraus. „Wir sind keine Feinde, sondern sitzen alle in einem Boot“, begründete Guth am Dienstag ihre Kandidatur für den Parteitag am kommenden Wochenende in Hannover. Unter Hampel kommt es seit Monaten zu heftigen Konflikten in der Partei.

Kritiker im Visier

Bei der Mitgliederversammlung soll der Landesvorstand neu gewählt werden. Dabei möchte sich Hampel nicht nur als Parteichef bestätigen lassen. Er will sich nach kursierenden Wahllisten auch vorstandsinterner Kritiker wie Schatzmeister Bodo Suhren und Astrid zum Felde aus dem Kreisverband Stade entledigen. Die Chancen stehen gut, denn aus den hampeltreuen Verbänden in Hannover, Celle und Gifhorn werden viele Mitglieder erwartet.

Trotzdem will Guth kandidieren, denn aus ihrer Sicht läuft Niedersachsens AfD Gefahr, sich komplett zu zerlegen. „Ich werde antreten, egal wie breit die Front gegen mich ist“, sagte Guth. Dabei gehe es ihr auch nicht um eine Retourkutsche gegen den Vorstand, der Göttingen in einem Mitgliederschreiben Offenheit gegenüber Rechtsextremisten vorgeworfen und zeitweise einen Aufnahmestopp verhängt hat. Sie halte nichts von politischen Feindschaften und ausgekungelten Wahllisten.

Listenwahl wiederholen?

Gleichwohl will Guth einiges anders machen als Hampel: Neben der Befriedung des Landesverbandes sei eine Wiederholung der umstrittenen Listenaufstellung für die Bundestagswahl nötig. „Ich möchte nicht riskieren, dass die AfD in Niedersachsen gar nicht an der Bundestagswahl teilnimmt“, warnte Guth.

Anders als Hampel will sie als Landesvorsitzende nicht auch noch in den Bundestag einziehen: „Der Landesvorsitzende gehört nach Hannover, nicht nach Berlin“, sagte Guth.

Hass-Chats im Weserbergland

Unterdessen eskaliert der Streit innerhalb der niedersächsischen AfD weiter: Am Montagabend setzten Parteichef Hampel und sein Vize Jörn König im aufmüpfigen ostfriesischen Kreisverband eine neue Führungsspitze ein. In Hameln sind zwei Ratsmitglieder aus der Partei ausgetreten, weil in einem Chat der Kreis-AfD Weserbergland ungestört rassistische, antisemitische und pornografische Hetzpropaganda verbreitet wurde. Nach Berichten der „Welt am Sonntag“ hatte sich etwa die Hälfte der Kreisverbandsmitglieder in dem Hetzchat getummelt, unter ihnen auch der Kreisvorsitzende Manfred Otto. Pikant: Hampel tritt im Weserbergland als Bundestagskandidat an.

Holocaust nur ein „Mythos“?

Unter Feuer steht auch eine Reihe von Hampel-Getreuen: Der Bundestagskandidat und mögliche Bundestags-Alterspräsident Wilhelm von Gottberg will sich weiterhin nicht von der Aussage distanzieren, der Holocaust sei ein „Mythos“. Der für das immer noch unfertige Parteiprogramm zuständige Uwe Wappler steht nach Aussagen zu einer „Trappenjagd“ gegen Hampel-Kritiker unter Druck. Wappler, der wegen der erfundenen Vergewaltigung einer Zwölfjährigen durch Flüchtlinge 2015 bundesweit bekannt wurde, will Berichten zufolge beim Parteitag kandidieren.

Mails an Presse weitergeleitet

Auch die Gegenseite wird attackiert: Hampel-Kritiker Bodo Suhren hat ein Disziplinarverfahren am Hals, weil er Parteimails von seinem Dienstcomputer bei der Polizei verschickt haben soll. Die Rebellen vermuten die Parteispitze hinter der Aktion.

Inzwischen befasst sich auch die Bundespartei mit den monatelangen Streitereien in Niedersachsen: Am vergangenen Wochenende beschloss der Bundesvorstand eine Untersuchungskommission. Drei Juristen – einer im Auftrag von Hampel, einer im Auftrag Suhrens, einer im Auftrag des Bundesvorstands – sollen die Vorgänge in der niedersächsischen Partei klären.

Hampel und die niedersächsische AfD lassen einen Fragenkatalog unserer Redaktion seit Wochen unbeantwortet.