Mit Nikab in der Uni Osnabrücker Studentin vollverschleiert im Islam-Studium

Von Dirk Fisser

Vollverschleierte Frauen auf einer Kundgebung des radikalen Salafistenpredigers Pierre Vogel in Offenbach. Foto: dpaVollverschleierte Frauen auf einer Kundgebung des radikalen Salafistenpredigers Pierre Vogel in Offenbach. Foto: dpa

Osnabrück. Ein weiterer Fall einer vollverschleierten jungen Frau in Osnabrück befeuert die Debatte um ein Verbot von Nikab und Burka in öffentlichen Einrichtungen: Dieses Mal geht es aber nicht um Schülerinnen, sondern eine Studentin am Institut für Islamische Theologie der Universität Osnabrück.

Die Frau sagte im Gespräch mit unserer Redaktion, sie habe kürzlich ihre Bachelor-Arbeit abgegeben und werde die Universität verlassen. Ein Sprecher der Uni bestätigte auf Nachfrage, dass eine vollverschleierte Studentin am Islam-Institut studiert hat. Vor Prüfungen habe eine Dozentin die Identität der Frau überprüft. Bei einer Nikab ist das Gesicht bis auf einen schmalen Sichtschlitz verdeckt, bei einer Burka ist das Blickfeld durch ein zusätzliches Gitter blockiert.

Ministerium: Kein Handlungsbedarf

Allgemeine Regelungen zum Umgang mit Nikab- oder Burka-tragenden Studentinnen gebe es „mangels Präzedenzfällen an der Universität Osnabrück nicht“. Islamwissenschaftler Michael Kiefer unterrichtet an dem Institut. Er sagte, er lehne eine Vollverschleierung ab. „Ich möchte den Menschen ins Gesicht schauen, die ich unterrichte.“ Zudem verwies er darauf, dass Berufsperspektiven vollverschleierter Studentinnen sehr eingeschränkt seien.

Das Wissenschaftsministerium in Hannover bestätigte, dass es keine gesetzlichen Vorgaben für niedersächsische Hochschulen gebe. Aktuell sehe das Ministerium auch „keine Veranlassung in dieser Sache gesetzlich tätig zu werden.“ Wie viele vollverschleierte Studentinnen es in Niedersachsen gibt, weiß das Ministerium nicht. „Es handelt sich nach unserer Kenntnis um Einzelfälle“, so die Rückmeldung. (Weiterlesen: Ministerpräsident klar gegen Vollverschleierung im Unterricht)

Münster händelt es anders

Vom Kopftuch bis zur Burka. Grafik: dpa

Am Islaminstitut der Universität Münster im Nachbarland Nordrhein-Westfalen hätte die Frau indes nicht in Nikab studieren können. Uni-Sprecher Norbert Robers sagte, das Institut lasse keine Vollverschleierung zu, da die Identität der Studentin nicht erkennbar und für Dozenten damit unklar sei, wer sich hinter dem Schleier verberge. Allerdings habe es einen solchen Fall in Münster bislang noch nicht gegeben.

In Hessen hatte 2014 der Fall einer vollverschleierten Lehramtsstudentin für Aufsehen gesorgt. In persönlichen Gesprächen, so heißt es auf Anfrage bei der Pressestelle, sei die Studentin darauf hingewiesen worden, dass ein angemessener wissenschaftlicher und akademischer Diskurs in Lehrveranstaltungen durch eine Verschleierung unmöglich sei. Die Studentin habe in der Folge zugesagt, die Nikab bei Lehrveranstaltungen und Prüfungen nicht zu tragen. Die Uni-Sprecherin betont, es habe sich um einen Einzelfall gehandelt. In vergleichbaren Fällen würde die Universität aber wieder darauf bestehen, dass der Vollschleier abgelegt wird.

CDU will Nikab-Verbot

Erst am Dienstag hatte die oppositionelle CDU-Landtagsfraktion einen Gesetzentwurf präsentiert, der eine Vollverschleierung in öffentlichen Gebäuden wie etwa Universitäten verbieten soll. Burka oder Nikab seien ein Zeichen für die Unterdrückung der Frau, so die Christdemokraten. Wer gegen das Verbot verstößt, soll laut Entwurf eine Geldbuße in Höhe von 150 Euro zahlen, im Wiederholungsfall bis zu 1500 Euro. SPD und Grüne wiesen den Vorschlag als populistisch zurück. An Einzelfällen wolle die CDU ein Exempel statuieren und scharfe Gesetze erlassen, so Grünen-Abgeordneter Belit Onay. (Weiterlesen: CDU will Burka aus öffentlichen Gebäuden verbannen)

Belmer Schülerin beschäftigt Politik

In den vergangenen Wochen war deutschlandweit immer wieder über vollverschleierte junge Frauen im Raum Osnabrück gestritten worden. Zunächst ging es um eine damals 18-Jährige, der das Sophie-Scholl-Abendgymnasium in Osnabrück den Zugang zum Unterricht in einer Nikab verweigerte. Wenige Tage später wurde bekannt, dass eine Jugendliche in Nikab schon seit Jahren eine Schule in Belm besucht. (Weiterlesen: Heiligenstadt: „Belm ist ein absoluter Einzelfall“)

Hier sieht die Landesregierung keine rechtliche Handhabe, die Schülerin zum Ablegen des Schleiers zu zwingen. Um künftig Klarheit zu haben, wird derzeit aber eine Reform des Schulgesetzes überprüft. (Weiterlesen: Kopftuch, Burka, Nikab: Was ist in Deutschland wo verboten?)