Niedersachsen will keinen Ausbau Biogas-Anlagen: Auslaufmodell oder Technologie mit Zukunft?

Von dpa

Niedersachsen ist Biogas-Land Nummer Eins. Doch die Förderung der Anlagen hat sich verschlechtert, der Rohstoff Mais steht in der Kritik. Foto: dpaNiedersachsen ist Biogas-Land Nummer Eins. Doch die Förderung der Anlagen hat sich verschlechtert, der Rohstoff Mais steht in der Kritik. Foto: dpa

Hannover. Niedersachsen ist Biogas-Land Nummer Eins. Doch die Förderung der Anlagen hat sich verschlechtert, der Rohstoff Mais steht in der Kritik. Die Landesregierung will daher keinen weiteren Ausbau. Experten sehen eine Chance in der Verwertung von Zuckerrüben.

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer will Mais als Rohstoff für Biogas-Anlagen zurückdrängen. „Ein weiterer Ausbau von Biogasanlagen auf der Basis des Maisanbaus ist ökologisch nicht zu vertreten“, sagte Meyer. Die Mais-Monokultur schade der ökologischen Vielfalt und damit den Insekten, den Bienen und der Vogelwelt. Laut Meyer sollen vermehrt Blühstreifen mit bienenfreundlichen Wildpflanzen als Rohstoff für Biogasanlagen genutzt werden. Auch der Einsatz von Abfall, Reststoffen, Gülle und Hühnertrockenkot sei geeignet, die Ökobilanz von Biogasanlagen zu verbessern.

Viele Anlagen in Niedersachsen

In keinem Bundesland stehen so viele Biogas-Anlagen wie in Niedersachsen – laut Landwirtschaftsministerium waren im vergangenen Jahr 1625 in Betrieb. Insgesamt können sie 887 Megawatt Strom produzieren. Die Gewinnung von Strom durch die Vergehrung von Mais, Gülle oder Mist galt einst als Symbol der Energiewende. Zumal diese Form der Energiegewinnung auch funktioniert, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Ab 2004 wurden neu errichtete Biogas-Anlagen für nachwachsende Rohstoffe bundesweit mit einem Bonus für 20 Jahre gefördert – das führte zu einem Boom. Doch 2014 wurden die Boni abgeschafft. Grund war die Beobachtung, dass in Biogas-Regionen riesige Mais-Monokulturen entstanden waren. Kritiker bemängeln, dass Mais hohe Düngergaben benötigt und von Hummeln und Bienen nicht genutzt werden kann. In Niedersachsen waren nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums zeitweise bis zu zehn Prozent der Fläche mit Energiemais bepflanzt.

Weitere Schwierigkeiten

Die demnächst in Kraft tretende Düngeverordnung, die am 31. März vom Bundesrat gebilligt werden soll, bringt den Betreibern weitere Schwierigkeiten. „Gärreste aus Biogas-Anlagen werden künftig in der Düngebilanz gleichwertig mit Gülle behandelt“, sagte Harald Wedemeyer vom Landvolk Niedersachsen. Auch müssten Betriebe, die wenig Fläche haben - und das treffe auf die meisten der Biogas-Anlagen zu – für ihre Gärreste Lagerkapazitäten für neun Monate schaffen. Dies mache neue Investitionen notwendig. „Die Restriktionen aus der Düngeverordnung werden dazu führen, dass in vielen Regionen keine oder deutlich weniger Biogas-Anlagen errichtet werden,“ sagte Wedemeyer. Eine Chance biete sich allerdings, wenn die Biogas-Anlagen auf die Verwertung von Gülle umgestellt würden. „Nur ist Gülle nicht so energiehaltig wie Mais“, gibt Wedemeyer zu bedenken.

Zuckerrübe als Alternative

„Viele Milchvieh-Betriebe betreiben schon kleine Biogas-Anlagen mit Gülle und fahren gut damit“, sagt Marie-Luise Rottmann-Meyer vom Netzwerk Nachwachsende Rohstoffe. Sie verweist auf die Zuckerrübe als Alternative zum Mais. „Die Rübe hat eine lange Vegetationsphase, und der lange Entzug an Nährstoffen wirkt sich auf den Boden positiv aus.“ Versuche im Landkreis Rotenburg/Wümme hätten sehr gute Resultate gezeigt. Die Zukunft von Biogas sieht Rottmann-Meyer in der Mobilität: Biomethan könnte als Treibstoff für Gasfahrzeuge dienen.