Verband fordert mehr Schutz Warum werden Lehrer so häufig angegriffen?

Die Gewalt gegen Lehrer nimmt zu – auch in Niedersachsen. Foto: dpaDie Gewalt gegen Lehrer nimmt zu – auch in Niedersachsen. Foto: dpa

Osnabrück. Die Gewalt gegen Lehrer nimmt zu – auch in Niedersachsen. Die Lehrerorganisation Verband Bildung und Erziehung (VBE) fordert, dass die Angriffe nicht mehr nur als Einzelfälle abgetan werden.

Die Zahl der Straftaten gegen Lehrer ist im vergangenen Jahr um rund 22 Prozent angestiegen. Wie die Zahlen zu bewerten sind, wird von Experten unterschiedlich gesehen. Nach Auskunft der Landesschulbehörde sind Attacken gegen Lehrkräfte eher als ein Randphänomen zu bewerten. Trotz aller Präventionsprojekte könne es „vereinzelt vorkommen, dass Lehrkräfte im Dienst Gewalt erfahren“, heißt es von Seiten der Behörde. Eine ähnliche Auffassung vertritt auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). „Körperliche Gewalt gegen Lehrkräfte kommt kaum vor. Es ist kein wirkliches Thema bei uns“, hatte Laura Pooth, stellvertretende Landesvorsitzende der GEW, vor einigen Wochen im Gespräch mit unserer Redaktion betont. Zu den Gründen für den aktuellen Anstieg könne nur spekuliert werden, teilten Landesschulbehörde und GEW auf Anfrage unserer Redaktion mit. (Weiterlesen: Lehrer als Opfer von Gewalt: Was können die Betroffenen machen?)

Angriffe tabuisiert?

Die Lehrerorganisation Verband Bildung und Erziehung (VBE) beklagt dagegen, dass Angriffe gegen Pädagogen tabuisiert werden. Um dem entgegenzuwirken, hatte sie im November eine bundesweite forsa-Umfrage zum Thema „Gewalt gegen Lehrkräfte“ vorgelegt. Das erschreckende Ergebnis: Sechs Prozent der Befragten wurden schon mal körperlich von Schülern angegriffen – nur die wenigsten Taten wurden angezeigt. Fast jeder Vierte wusste zudem von Bedrohungen oder Beschimpfungen zu berichten. Der VBE beklagt in diesem Zuge den mangelnden Rückhalt der einzelnen Bundesländer. „Angriffe werden entweder zum Privatproblem der Lehrkräfte gemacht oder es wird gesagt, dass das zum Beruf dazu gehöre. Wir sind aber keine Boxer!“, sagt Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des VBE, im Gespräch mit unserer Redaktion. Er fordert, dass die Angriffe nicht mehr als Einzelfälle abgetan werden. „Damit einhergehend brauchen wir von der Politik die Einsicht, dass Angriffe gegen Lehrer genauso schlimm und bestrafenswert sind, wie Angriffe gegen Polizisten und Rettungskräfte“, betont er. (Weiterlesen: GEW: Übergriffe gegen Lehrer sind in Niedersachsen Einzelfälle)

Verrohung der Gesellschaft?

Die Gründe für die zunehmenden Attacken gegen Lehrkräfte sieht Beckmann in der Verrohung der Gesellschaft. „Konflikte eskalieren schneller, häufiger und heftiger. Diese Entwicklung spiegelt sich auch im Sprachgebrauch wider.“ Schulen müssten zudem immer häufiger Erziehungsaufgaben wahrnehmen. Häufig fehle in dieser Hinsicht aber die Unterstützung von Seiten der Eltern. „Eine gelingende Kindeserziehung setzt aber auf eine enge Partnerschaft zwischen Eltern und pädagogischem Fachpersonal“, erzählt Beckmann.


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