Ein Baby, weggeworfen wie Abfall Entsetzen im Kreis Gifhorn nach Fund von totem Baby

Nahe Knesebeck im Kreis Gifhorn (Niedersachsen) wurde ein totes Baby in einer Plastiktüte auf einer illegalen Müllhalde gefunden. Foto: dpaNahe Knesebeck im Kreis Gifhorn (Niedersachsen) wurde ein totes Baby in einer Plastiktüte auf einer illegalen Müllhalde gefunden. Foto: dpa

Knesebeck. Knesebeck ist ein typisch norddeutsches Dorf, rund 2500 Menschen wohnen hier kurz vor der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt. Beim Müllsammeln haben Bürger dort am Wochenende ein totes Baby in einer Plastiktüte entdeckt. Weggeworfen wie Abfall.

„Den Anblick werde ich nie mehr vergessen“, sagt Friedrich-Wilhelm Kirchhoff. Auch am Tag danach ist er immer noch sichtlich mitgenommen: Zusammen mit drei Helfern fand er am Samstag beim Müllsammeln im Kreis Gifhorn die Leiche eines Babys in einer Supermarkt-Plastiktüte. Der kleine Junge wurde versteckt hinter einem Berg aus geschreddertem Holz und Laub abgelegt.

An der Straßenecke vor einem kleinen Waldstück südlich der Ortschaft Knesebeck wird immer wieder illegal Müll entsorgt. Nun fragt sich das ganze Dorf, wie es sein kann, dass auch ein Baby wie Abfall weggeworfen wird.

2500 Menschen wohnen in Knesebeck

Um Knesebeck zu erreichen, dauert es eine Weile. Der Ort ist eher abgeschieden, ein typisch norddeutsches Dorf, rund 2500 Menschen wohnen hier kurz vor der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt. An der Hauptstraße gibt es einen NP-Discounter, eine kleine Tankstelle und ein Restaurant. Verklinkerte Häuser, ein alter Hof - hier kennt jeder jeden und an Aktionen wie dem alljährlichen gemeinsamen Frühjahrsputz beteiligen sich viele Menschen im Dorf.

In diesem Jahr machte auch der Flüchtling Wisasam Daa Dash mit, der zusammen mit den anderen die Tüte fand. Erst habe er gedacht, es sei Abfall darin, berichtet der 15-Jährige am Tag danach. Zusammen mit anderen Helfern ist er am Sonntag noch einmal am Fundort, um der Polizei den genauen Ablauf zu schildern. „Wir wollten den Inhalt vergraben und haben deshalb die Tüte ausgekippt“, sagt Friedrich-Wilhelm Kirchhoff. Dann der Schock: „Auf den zweiten Blick war klar, dass es ein Säugling ist.“

In Knesebeck leben gerade einmal 2500 Menschen. Foto: dpa

Illegaler Entsorgungsplatz

An der Stelle werde häufig illegal Müll entsorgt, berichtet Kirchhoff. Deshalb sei er mit seiner Gruppe beim Dorfputz diesmal extra hergekommen. Kirchhoff steht an dem asphaltierten Feldweg, der kurz hinter dem Ort abgeht. Die Straße ist ein Schleichweg, eine Art Abkürzung. „Da wird immer mal wieder illegal entsorgt. Manchmal stehen alte Fernseher da, manchmal werden alte Autoreifen abgeladen“, sagt Polizeisprecher Thomas Reuter. Diesmal lagen nur zwei leere Flaschen da. Und die Plastiktüte. Einen solch schrecklichen Fund gab es noch nie, meint Kirchhoff.

Die Polizei sucht in dem Ort nun auch mit Flugblättern nach Zeugenhinweisen. „Ist eine Frau bekannt, die in der letzten Zeit schwanger war und anschließend nicht mit einem Baby gesehen wurde?“ heißt es auf dem Flyer.

Wie der kleine Junge zu Tode kam, konnte bei einer ersten Obduktion bisher nicht geklärt werden. Der Verwesungszustand des Körpers sei schon zu weit fortgeschritten gewesen, sagt Polizeisprecher Reuter. Nun soll eine komplexe Gewebeuntersuchung dabei helfen, Todesursache und Todeszeitpunkt zu klären.

Wer die Eltern sind? Das ist bisher völlig unbekannt. „Der Rechtsmediziner hat uns keine großen Hoffnungen gemacht, dass wir noch rauskriegen, wie das Kind gestorben ist“, sagt der Polizeisprecher. „Wir versuchen es, vielleicht haben wir ja Glück.“


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