Preisexplosion bei Netzentgelt Niedersachsen zahlen deutlich mehr für Strom als andere

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Wer zahlt für die Netz? Nicht jeder Bundesbürger im gleichen Maße. Foto: DpaWer zahlt für die Netz? Nicht jeder Bundesbürger im gleichen Maße. Foto: Dpa

Hannover. Stromkunden in Niedersachsen zahlen weit höhere Netzentgelte als in Nordrhein-Westfalen oder Baden-Württemberg. Dabei berappen sie dafür, dass die Leitungen zu den Industrieregionen im Süden ertüchtigt werden.

Auseinanderdriftende Netzentgelte benachteiligen Niedersachsen im bundesweiten Vergleich. Das geht aus einer Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage des CDU-Landtagsabgeordneten Martin Bäumer hervor. Demnach berechnet der für Niedersachsen zuständige Netzbetreiber Tennet seinen Kunden teils doppelt so hohe Preise wie die Anbieter in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, Amprion und Transnet BW. Die Kunden – also die Versorger – wiederum schlagen das Geld auf die Rechnung der Industrie- und Privatkunden. Tennet begründet den Preisanstieg mit den Folgekosten der Energiewende und dem schleppenden Ausbau der Netze. Da die regionalen Netzentgelte in den jeweiligen Strompreis einfließen, müssen sich Kunden auf höhere Preise einstellen.

Netzentgelt doppelt so hoch

Für den ganzjährigen Bezug eines Kilowatts in Höchstspannung fallen demnach bei Tennet aktuell mehr als 120 Euro an. Damit hat sich der Preis im Vergleich zu 2016 etwa verdoppelt. Zum Vergleich: bei Amprion in Nordrhein-Westfalen liegt der Preis weiterhin lediglich bei 60 Euro. Und das, obwohl die zuständige Bundesnetzagentur eigentlich zumindest für einen simulierten Wettbewerb der vier Netzbetreiber in Deutschland sorgen soll. Doch während die Preise bei Amprion (u. a. Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz) und Transnet BW (Baden-Württemberg) vergleichsweise moderat steigen, geht es bei der für Ostdeutschland zuständigen 50 Hertz und bei Tennet steil bergauf.

Bund gegen Vereinheitlichung

Zwar hatten Ministerpräsident Stephan Weil und Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies im Dezember und Januar beim damaligen Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (alle SPD) auf eine bundesweite Vereinheitlichung der Netzentgelte gedrängt. Doch das Bundeskabinett verabschiedete am 25. Januar einen Gesetzesentwurf, aus dem diese herausgestrichen war.

Mit einem Versorgungsgebiet von Schleswig-Holstein über Niedersachsen und Hessen bis nach Bayern fallen Tennet in Sachen Energiewende große Aufgaben zu: Ein Großteil der geplanten Südlink-Trasse, die Windstrom aus Norddeutschland in die Industriezentren im Süden transportieren soll, soll auf dem Gebiet des Betreibers errichtet werden.

Viel Geld für Stabilisierung

Zudem seien im Tennet-Netz 2015 etwa 70 Prozent der bundesweiten Kosten für Netzstabilisierung angefallen – obwohl der Stromabsatz nur 31 Prozent betrug, rechnet Bäumer vor. Damit sind die Niedersachsen aus Sicht des CDU-Politikers durch Windräder vor der Tür und höhere Kosten „doppelt belastet“. Ein durchschnittlicher Drei-Personen-Haushalt zahlt Bäumer zufolge 20 Euro im Jahr zu viel. Was Privathaushalte ärgere, sei für die hiesige Industrie ein klarer Standortnachteil.

Das sieht auch Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel so: „Es ist nicht zu akzeptieren, dass die Kosten gerade in den Vorreiterländern für die Erneuerbaren Energien besonders hoch sein sollen“, sagt der Grünen-Politiker. Die Energiewende sei ein gesamtdeutsches Projekt. Gleiche Vorteile verlangten auch eine gleiche Verteilung der Kosten. Tatsächlich sind die Herausforderungen für die Infrastruktur sehr unterschiedlich: In den Industriezentren im Westen und Süden Deutschlands gibt es wegen der Kohle- und Atomkraftwerke teils leistungsfähige Netze. Zwischen Nord- und Süddeutschland sieht das anders aus. Große Überlandtrassen fehlen. Und die bestehenden Leitungen sind nicht auf die hohen Schwankungen durch Windenergie ausgerichtet.


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