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Nährstoffbericht Niedersachsen Güllelast: Meyer will weniger Vieh in Weser-Ems

Mit neuartigen Einbringungsmethoden wie hier bei Uelzen soll Gülle effektiver ausgebracht werden. Foto: dpaMit neuartigen Einbringungsmethoden wie hier bei Uelzen soll Gülle effektiver ausgebracht werden. Foto: dpa

Hannover. Zwar nimmt die Belastung des Landes durch Gülle und Gärreste in Niedersachsen ab. Trotzdem drohen den Landwirten Einschnitte.

In Niedersachsens Landwirtschaft sind im abgelaufenen Wirtschaftsjahr 58,7 Millionen Tonnen aus Gülle, Mist und Gärresten bestehender Wirtschaftsdünger angefallen. Das ist etwa eine Millionen Tonnen weniger als im Vorjahresvergleich. Das geht aus dem vierten Nährstoffbericht von Land und Landwirtschaftskammer hervor, der am Mittwoch in Hannover vorgestellt wurde.

Damit halbiert sich das Flächendefizit für die Ausbringung in den Überschussregionen im Nordwesten des Landes von 40000 auf 20000 Hektar. Agrarminister Christian Meyer (Grüne) lobte die Landwirte ausdrücklich: So habe der Export von Wirtschaftsdüngern aus der durch die intensive Tierhaltung besonders belasteten Region Weser-Ems von 1,8Millionen Tonnen im Wirtschaftsjahr 2012/2013 auf 2,8 Millionen Tonnen im Jahr 2015/2016 zugenommen. Zudem geht der Absatz von Mineraldüngern zurück, was darauf hinweist, dass die Landwirte vermehrt Gülle statt Kunstdünger aufs Feld fahren.

Sanktionen drohen

Nach den aktuellen Regelungen reißt nur noch der Landkreis Cloppenburg die Phosphatgrenzwerte von 20Kilogramm pro Hektar, beim Stickstoffanfall unterscheiden demnach alle Kreise die Obergrenze von Stickstoff tierischer Herkunft. Durch die für März geplante und von Meyer vorangetriebene Düngerechtsnovelle relativieren sich diese Erfolge allerdings: Tritt die neue Verordnung in Kraft, würden die Kreise Grafschaft Bentheim, Ammerland, Cloppenburg, Vechta und Rotenburg die Stickstoff-Grenzwerte überschreiten. Beim Phosphat wären es Cloppenburg und Vechta. Landwirten drohen dort dann Sanktionen wie Kunstdüngerverbote.

Biogas soll bleiben

Meyer sieht dauerhaft nur einen Ausweg: Weniger Tiere. „Es wird in einigen Regionen einen Rückgang geben“, sagte der Grünen-Politiker. Insbesondere Weser-Ems vertrage keine neuen Ställe mehr. Nun gehe es darum, mit weniger Tieren mehr zu verdienen. Bei einem anderen großen Verursacher sieht er hingegen wenig Spielraum: Es würde nichts bringen, die Biogasanlagen zurückzufahren, sagte Meyer. Durch Biogas fallen derzeit fast 18Millionen Tonnen Gärreste an, aus der Tierhaltung sind es 15,3 Millionen Tonnen. Zwar nutzen die Betreiber von Biogasanlagen auch Gülle – doch mehrheitlich wird Mais in den Anlagen vergoren, so dass netto 10 Millionen Tonnen überbleiben.

Mehr Technik statt weniger Tiere

Niedersachsens Landwirtschaftskammerpräsident Gerhard Schwetje wollte Meyers Forderung nach weniger Vieh in Weser-Ems nicht teilen. Es gehe darum, die Tierhaltung „ökologisch und ökonomisch“ weiterzuentwickeln, sagte Schwetje. So könne man Gülle mit neuen Maschinen viel gezielter ausbringen und sich auf diese Weise Kunstdünger sparen.

Streit um Gewässerrandsteifen

Einen offenen Dissens gab es zwischen Meyer und Schwetje in Sachen Gewässerrandstreifen: Der Minister verteidigte angesichts der hohen Belastung von Binnengewässern den Plan, das Düngen in einem fünf Meter breiten Streifen zu den Gewässern zu verbieten. Schwetje sieht dazu keinen Bedarf und warnt vor einem Verlust von 80000 Hektar Düngefläche. Die Landwirtschaftskammer lehnt die Regelung ab.

Das Landvolk warnte unterdessen vor weiteren Belastungen für die Betriebe: „Unsere Landwirte arbeiten ständig daran, ihre Nährstoffüberschüsse so weit wie möglich zu verringern“, sagte Landvolkpräsident Werner Hilse. Die neue Düngeverordnung errichte vor allem in Regionen mit viel Nutztierhaltung und Biogas „sehr hohe Hürden“, warnte Hilse.


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