Kommunen offen für Projekt Interesse und Zweifel an Tempo 30 in Niedersachsen

Von Klaus Wieschemeyer

Das Land Niedersachsen will Tempo 30 auf innerörtlichen Hauptverkehrsstraßen testen. Foto: dpaDas Land Niedersachsen will Tempo 30 auf innerörtlichen Hauptverkehrsstraßen testen. Foto: dpa

Hannover. Langsam zu weniger Lärm und besserer Luft? Das Land Niedersachsen will die Auswirkungen von Tempo 30 auf innerörtliche Hauptstraßen testen und sucht nun Kommunen. Es gibt viel Interesse – und Kritik.

Für Volker Bajus ist Tempo 30 den Test auf jeden Fall wert: „Es kann helfen“, sagt der Grünen-Landtagsabgeordnete über den Modellversuch des Wirtschaftsministeriums. Als Osnabrücker Stadtrat ist der Umweltexperte dafür, dass sich seine lärm- und schadstoffgeplagte Stadt beim Ministerium um eine Teilnahme bewirbt. Getestet werden könnte Tempo 30 auf dem Wall genannten Teil des Stadtrings oder auf den Einfallstraßen. Die Grünen wollen nun die anderen Fraktionen im Stadtrat überzeugen, sich beim Land zu bewerben.

Bajus ist mit seinem Interesse nicht allein. Viele Lokalpolitiker interessieren sich für den 700000 Euro teuren Modellversuch, mit dem das Land Projekte in mehreren Kommunen fördern will. Der Druck ist groß: Fünf Städte im Land reißen die Stickoxid-Grenzwerte, in vielen ist es zu laut. Wie viele Kommunen welcher Größe am Ende bei dem Test dabei sein können, ist noch unklar. Noch suche man die entsprechenden Städte, sagt ein Ministeriumssprecher.

Mehr Gift bei Tempo 30

„Ergebnisoffen“ sei der Test, betonen alle Seiten. Auch der Automobilclub ADAC, der sich allerdings skeptisch zeigt. Tatsächlich gibt es auch wissenschaftliche Zweifel an den uneingeschränkten Segnungen des Tempolimits.

2011 fuhr der TÜV Nord mit drei Diesel-Autos durchs schadstoffbelastete Stuttgart. Ergebnis der Studie im Auftrag des Landesumweltamts: Mit Tempo 30 stießen die Autos dabei teils mehr giftige Stickoxide aus als mit Tempo 50.

Wichtiger als die Höchstgeschwindigkeit war laut Test flüssiger Verkehr. Rollen die Autos störungsarm durch grüne Ampelwellen, sinken Lärm und Giftausstoß. Beim Bremsen und Anfahren wird es hingegen laut und schmutzig. Weitere Tests in anderen Städten bestätigen das. Auf einigen Stuttgarter Straßen gilt nun Tempo 40. Ob das wirkt, ist zwar umstritten. Doch man ist sicher, dass es zumindest nicht schadet.

Gerade erst ist beispielsweise ein nächtlicher Tempo-30-Pilotversuch im hessischen Frankfurt ohne Ergebnis geendet. Der Rat ist uneins, ob die anderthalbjährige Tempodrosselung den Anwohnern Lärm erspart hat. Die Grünen meinen Ja, SPD und CDU sind skeptisch. Nun gilt auf den Frankfurter Einfallstraßen wieder 50.

Für die FDP ist das niedersächsische Projekt deswegen reine Steuerverschwendung. „Mir erschließt sich nicht der Sinn, warum man teure Gutachten und Modellversuche zum xten Male wiederholen muss“, sagt FDP-Verkehrsexperte Jörg Bode. Statt Symbolpolitik brauche man funktionierende „Grüne Wellen“, fordert er.


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