Turbulente Zeiten EWE in der Krise: Hielten Manager für Schmiergelder die Hand auf?

Bei dem Stromversorger Deutschlands brodelt es. Nach einer Spendenaffäre gibt es gegen den Oldenburger Konzern EWE nun auch noch Korruptionsvorwürfe. Foto: dpaBei dem Stromversorger Deutschlands brodelt es. Nach einer Spendenaffäre gibt es gegen den Oldenburger Konzern EWE nun auch noch Korruptionsvorwürfe. Foto: dpa

Oldenburg. Bei einem der größten deutschen Stromversorger Deutschlands brodelt es. Nach einer Führungs- und Spendenaffäre gibt es gegen den Oldenburger Konzern EWE nun auch noch Korruptionsvorwürfe.

Die Vorwürfe sind gewaltig. Es geht um Schmiergelder und bezahlte Reisen. Nach der Spendenaffäre um den EWE-Vorstandsvorsitzenden Matthias Brückmann gibt es gegen den Oldenburger Energiekonzern EWE nun auch noch Korruptionsvorwürfe. „Das sind schwerwiegende Vorwürfe“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Stephan-Andreas Kaulvers am Freitag. „Wir sind verpflichtet, die Dinge sauber aufzuklären. Das werden wir tun.“

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Im Blick ist die Konzerntochter EWE Netz. Nach einem Bericht des „Handelsblatts“ (Freitag) sollen mehrere Manager des Unternehmens Gegenleistungen für Aufträge an fremde Unternehmen gefordert und erhalten haben. Eine Zeugin habe außerdem von regelmäßigen Essenseinladungen und Thailand-Urlauben berichtet. „Extrem ärgerlich“ seien die Vorwürfe, kommentierte Kaulvers. Was an ihnen dran sei, wisse er nicht. Die Konzernrevision prüfe die Vorgänge, er warte auf das Ergebnis. „Erst dann kann ich das Ganze beurteilen. Erst dann kann ich über Konsequenzen nachdenken.“

Ein EWE-Sprecher teilte mit, dass die Konzernrevision Anfang Dezember mit einer umfangreichen Prüfung beauftragt wurde und dabei seit Januar von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft unterstützt wird. „Geprüft wird das Unternehmen EWE Netz insgesamt, nicht Einzelpersonen“, hieß es.

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EWE steckt in einer tiefen Krise. Nach Spitzelvorwürfen hatte im September Personalvorstand Nikolaus Behr das Unternehmen verlassen, Ende 2016 ging EWE-Technikvorstandsfrau Ines Kolmsee. Der Vorstandsvorsitzende Brückmann ist jüngst über eine eigenmächtig erteilte Spende von 253 000 Euro gestolpert. Es wird erwartet, dass der Aufsichtsrat am kommenden Mittwoch seine Abberufung beschließt. Brückmann lässt sein Amt bereits ruhen. „Wir hatten bis vor kurzem noch fünf Vorstände. Nun haben wir noch zwei - das war nicht geplant“, sagte Heiner Schönecke, der im Präsidium des EWE-Aufsichtsrates sitzt.

Spende an Klitschko-Stiftung

Hintergrund der Präsidiumsentscheidung ist eine Spende, die Brückmann 2016 an eine Stiftung des Ex-Boxweltmeisters Wladimir Klitschko nach Kiew zahlen ließ. Nach Angaben eines EWE-Sprechers hätte die Spende vom Finanz- und Prüfungsausschuss des Aufsichtsrates genehmigt werden müssen. Brückmanns Anwalt wies dies am Freitag dagegen zurück. Die Zahlung sei rechtlich nicht zu beanstanden. Die Fronten sind verhärtet.

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Mit der Spende und anderen Vorwürfen hat sich im Auftrag des Aufsichtsrates auch eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft befasst. Der Abschlussbericht soll dem Gremium bis zur entscheidenden Sitzung am Mittwoch vorliegen. Ist es Zufall, dass kurz davor neue schwerwiegende Vorwürfe gegen eine EWE-Tochter erhoben werden?

Informierte Kreise berichten von einem Machtkampf innerhalb der EWE-Führung. Dabei geht es vor allem um die Besetzung der derzeit freien Vorstandsposten. Im Gespräch dafür sollen der Vorstand der EWE-Tochter Stadtwerke Bremen, Timo Poppe, und der Geschäftsführer von EWE Netz, Torsten Maus, sein. EWE Netz ist die EWE-Tochter, gegen die es nun die schwerwiegenden Korruptionsvorwürfe gibt.

Hat die Schlammschlacht begonnen?

Vieles deutet darauf hin, dass eine Schlammschlacht begonnen hat. Vorwürfe gegen Brückmann gibt es viele, einige wurden dem Aufsichtsrat in anonymen Briefen mitgeteilt. Nun gibt es zusätzlich Vorwürfe gegen genau das Unternehmen, dessen Geschäftsführer vielleicht in den Vorstand berufen werden soll.

Einem der größten deutschen Stromanbieter stehen turbulente Zeiten bevor. Viele Fragen sollen mit Hilfe interner und externer Prüfer geklärt werden. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ist ebenfalls am Zug. Nach der Spende ermittelt sie derzeit gegen Brückmann und EWE-Vorstandsmitglied Michael Heidkamp wegen des Anfangsverdachts der Untreue. Am Freitag kündigte eine Sprecherin an, dass die Staatsanwaltschaft nun auch wegen des Anfangsverdachts der Korruption ein Verfahren gegen unbekannt einleiten wird.

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