400.000 Tiere wegen Vogelgrippe getötet Ministerium beendet Stallpflicht in Teilen Niedersachsens

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Freigang: In rund zwei Drittel der Betriebe darf das Geflügel wieder draußen gehalten werden. Das Land hat die Stallpflicht für Geflügel in Teilen Niedersachsens aufgehoben. Foto: dpaFreigang: In rund zwei Drittel der Betriebe darf das Geflügel wieder draußen gehalten werden. Das Land hat die Stallpflicht für Geflügel in Teilen Niedersachsens aufgehoben. Foto: dpa

dpa/pm/lod Hannover. Das Land Niedersachsen hat aufgrund einer neuen Risikobewertung ein Ende der Stallpflicht für Geflügel in Teilen des Landes verfügt.

Zuvor hatten Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen die verordnete Stallpflicht wegen der Vogelgrippe weitgehend beendet. In einer Pressemitteilung informiert das niedersächsische Landwirtschaftsministerium, dass nun nur noch in Landkreisen mit einer besonders hohen Geflügeldichte und dort, wo ein besonderes Wildvogel-Risiko besteht, die Stallpflicht gilt. Das hat das Ministerium mit einem Erlass an die Landkreise neu geregelt.

Demnach soll ab Mittwoch nur noch in Kreisen mit einer Geflügeldichte von mehr als 1000 Stück Geflügel pro Quadratkilometer die flächendeckende Aufstallung gelten. Dies würde auf zehn Landkreise insbesondere im Weser-Ems-Gebiet zutreffen. Sowohl für das Emsland als auch den Landkreis Osnabrück gilt weiterhin die Stallpflicht.

In den anderen Landkreisen können die Behörden nur noch dort eine Teil-Aufstallung verfügen, wo von einem besonders hohen Risiko einer Ansteckung mit Geflügelpest ausgegangen wird. Das gilt für die Gebiete mit einer hohen Anzahl an Wild- und Zugvögeln.

Ausnahmen für kleine Betriebe

Für kleinere Betriebe und Hobbyhaltungen, die ihre Bestände effektiv vor Wildvögeln schützen, soll es auch in Landkreisen mit allgemeiner Stallpflicht Ausnahmen geben. „Für das Tierwohl ist eine so lange Stallpflicht mit großen Problemen behaftet“, sagte Agrarminister Christian Meyer. „Bisher sind vor allem Großbestände von der Geflügelpest betroffen.“

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Nach ersten Schätzungen werden somit bis zu 70 Prozent der geflügelhaltenden Betriebe (rund 37.000 Geflügelhalter) von einer weiteren Aufstallung verschont. Zugleich bleiben aber rund 90 Prozent der kommerziell gehaltenen Tiere (etwa 94 Millionen Stück Geflügel) weiterhin im Stall, da die Stallpflicht in den Hochburgen der Geflügelhaltung mit großen Tierbeständen weiterhin gilt. „Das ist eine angemessene Abwägung zwischen Tierwohl, Risiken und den hohen Belastungen insbesondere für Rassegeflügelzüchter und Kleinbetriebe“, resümierte Meyer.

Biosicherheit müsse gewahrt werden

Ein direkter räumlicher Zusammenhang zwischen den Wildvogelfunden und den Ausbrüchen der Geflügelpest sei kaum feststellbar. „Eine kreisweite Aufstallung bei nur geringer Geflügeldichte dürfte also keinen zusätzlichen Gewinn an Biosicherheit bringen“, sagte der Minister. Mit der neuen Regelung würden Tausende kleinere Betriebe geschont, bei denen die andauernde Stallpflicht auf zunehmende Probleme stoße. Meyer: „Wir müssen aber Tierschutzprobleme vermeiden und die Verhältnismäßigkeit der Mittel wahren.“ Gleichwohl mahnte der Minister, die Biosicherheitsmaßnahmen wie bisher strikt einzuhalten.

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In den Landkreisen mit einer kreisweiten Aufstallung sollen die Behörden laut Ministerium Ausnahmen von der Stallpflicht im Einzelfall prüfen. Voraussetzung für eine Genehmigung sei, dass das Geflügel keinen Zugang zu Oberflächenwasser und größeren Wasserbecken hat, die auch Wildvögeln zugänglich sind, und dass ausschließlich im Stall oder unter einem Dach gefüttert wird.

Dem aktuellen Erlass zufolge können künftig lokale Geflügel- und Vogelausstellungen von Kleinzüchtern in Aufstallungsgebieten stattfinden, sofern sie in geschlossenen Räumen abgehalten werden. Überregionale Börsen, Märkte und Ausstellungen mit Geflügel, mit Ausnahme von Tauben, sind weiterhin verboten.

Vogelgrippe-Bilanz

  • Zur Bekämpfung der Vogelgrippe sind in Niedersachsen bisher über 400.000 Puten, Hühner und Enten getötet worden.
  • Allein rund 200.000 Puten mit nachgewiesener Geflügelpest wurden von November 2016 bis Ende Januar 2017 getötet, wie das Bundeslandwirtschaftsministerium auf eine Anfrage der Grünen antwortete.
  • Dazu kommen rund 100.000 Hühner und Enten.
  • Zudem wurden rund 116.000 weitere Tiere vorsorglich getötet.
  • Niedersachsen ist den Zahlen zufolge insgesamt das am stärksten betroffene Bundesland. Vorsorgliche Tötungen von Tieren ohne positiven Befund auf den Erreger H5N8 gab es sonst nur in Brandenburg.
  • Bundesweit wurden bisher über 500.000 Tiere getötet.


Die Stallpflicht gilt nach wie vor – mit Ausnahmen für kleine Betriebe – in folgenden Landkreisen: Emsland, Grafschaft Bentheim, Cloppenburg, Ammerland, Osnabrück, Oldenburg, Vechta, Diepholz, Nienburg (Weser), Stade

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