„Krieg“ gegen Kreischef „Trappenjagd“ auf Kritiker innerhalb der AfD

Am Wochenende konnte sich AfD-Landeschef Hampel (auf dem Podium) über breite Unterstützung freuen. Doch die Kritiker sind noch nicht verstummt. Foto: dpaAm Wochenende konnte sich AfD-Landeschef Hampel (auf dem Podium) über breite Unterstützung freuen. Doch die Kritiker sind noch nicht verstummt. Foto: dpa

Hannover. Nach dem Erfolg beim AfD-Listenparteitag geht die Führungsspitze um Landeschef Armin Paul Hampel verstärkt gegen interne Kritiker vor.

Der Plan zur Entmachtung des aufmüpfigen Kreisvorsitzenden Thorben Freese lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Unter dem Betreff „Operation Trappenjagd “ legt Parteimitglied Uwe Wappler per Mail dem Führungskreis um AfD-Landeschef Paul Hampel eine Strategie vor, wie er den Chef des Kreisverbandes Osterholz-Verden loswerden will: Einen „Karnickelfangschlag“ verspricht Wappler, „Wir isolieren ihn und kapern seine Veranstaltung“, heißt es in der uns vorliegenden Mail. Nach Rücktritt oder Abwahl solle man „Mittäter aussondern und Mitläufer für zwei Jahre ins Abklingbecken [stecken]“.

„Krieg nicht vor 13. Februar“

Wappler war Freeses Vorgänger. Er war im März 2016 abgewählt worden, nachdem er Ende 2015 mit einer falschen Geschichte über die angebliche Vergewaltigung einer Zwölfjährigen bundesweit für Aufsehen gesorgt hatte.

Die Strategie fiel in der Spitze auf offene Ohren. „Ich habe nichts gegen deinen dargelegten Plan, Freese zu isolieren“, schreibt Landesbeisitzer Wilhelm von Gottberg an den „lieben Uwe“ zurück. „Aber bitte eröffne den Krieg nicht vor dem 13. Februar. Lasst die „Parteifreunde“ doch noch etwas schmoren“, rät das langjährige CDU-Mitglied.

Listenaufstellung läuft

Am Wochenende vor dem 13. Februar will die AfD in Hannover ihre Listenaufstellung für die Bundestagswahl abschließen. Wilhelm von Gottberg steht bereits auf dem aussichtsreichen Listenplatz vier – bei einem Einzug in den Bundestag könnte der heute 76-Jährige Alterspräsident werden.

Bei dem Parteitag am vergangenen Wochenende konnten sich Hampel und seine Vertrauten auf den vorderen sechs Plätzen platzieren . In dem Saal kursierten Zettel, auf denen die später gewählte Reihenfolge ausdrücklich empfohlen wurde – und abzulehnende Namen wie Freese genannt wurden.

Nur lokales Thema

Der frühere Vizechef des Bundes der Vertriebenen von Gottberg bestätigte gegenüber unserer Zeitung den Mailaustausch mit Wappler, der am Tag nach dem Parteitag begann. Allerdings wende er sich „strikt dagegen, dass es eine Retourkutsche“ gegen renitente Mitglieder gebe. Ihm sei es vielmehr darum gegangen, Wappler zu bremsen. Zudem sei Osterholz-Verden lediglich ein lokales Thema: Es gehe dem Vorstand nur darum, aus einem Verband zwei zu machen. „Es gibt keine Pläne, gegen Kritiker vorzugehen“, sagt von Gottberg.

„Minderheit unterwirft sich“

Allerdings rät er den Hampel-Kritikern, ihren Widerstand nach der klaren Mehrheit für Hampel am vergangenen Wochenende aufzugeben. Der Parteitag habe gezeigt, dass die AfD mit großer Mehrheit hinter ihrem Vorsitzenden stehe. „In der Demokratie gilt der Grundsatz: Die Minderheit unterwirft sich der Mehrheit“, sagt er. (Weiterlesen: Frauke Petry in Münster: Kein normaler Tag für die Polizei)

Danach sieht es allerdings nicht aus: Zwar trat AfD-Wahlkampfkoordinator und Hampelkritiker Jens Krause unmittelbar nach vergeblicher Kandidatur beim Parteitag zurück.

Doch andere, die die Veranstaltung boykottiert hatten, wollen weiterkämpfen: Schatzmeister Bodo Suhren hat das Landesschiedsgericht erneut wegen der aus seiner Sicht unwirksamen Versammlung angerufen. Andere Teile der Partei arbeiten an weiteren Klagen.


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