Parteitag geplatzt – AfD-Landesspitze beklagt Unterwanderung Verschwörung zur Zerstörung?

AfD-Landeschef Armin Paul Hampel glaubt, dass seine Partei von innen beschädigt werden soll. Foto: dpaAfD-Landeschef Armin Paul Hampel glaubt, dass seine Partei von innen beschädigt werden soll. Foto: dpa

Hannover. Seit Monaten erschüttern heftige Machtkämpfe die niedersächsische AfD. Kurz vor einem wichtigen Parteitag glaubt der Landesvorstand, den Grund für den Dauerkrach zu kennen: Eine geplante Unterwanderung mit dem Ziel, die Partei zu zerstören.

Die Chaostage bei der niedersächsischen AfD gehen weiter: Kurz vor ihrem Parteitag am Wochenende hat ein Landesschiedsgericht genau diesen abgesagt . Grund ist ein Fehler bei der Einladung, die einen Tag zu spät an die Mitglieder verschickt worden ist.

Landesschatzmeister Bodo Suhren bestätigte am Mittwochabend die Entscheidung des Landesschiedsgerichts, die unserer Zeitung vorliegt. „Das ist blöd gelaufen“, sagte Suhren. Doch die Alternative sei ein möglicherweise unwirksamer Parteitag, der der AfD noch stärker geschadet hätte.

Kurz vor dem Aus hatte die AfD Niedersachsen ihre Mitglieder vor internen „Störenfrieden“ und „U-Booten“, welche die Partei spalten wollten, gewarnt. In einer uns vorliegenden siebenseitigen internen Mail mit dem Titel „Bauanleitung zur Zerstörung der AfD Niedersachsen“ warnen acht der zehn Landesvorstände vor „konzentrierten Attacken“ und „gezielten Provokationen“, die das Außenbild der Partei beschädigen sollten.

Monatelanger Streit

Seit Monaten macht die AfD landesweit hauptsächlich mit Streitereien und Querelen Schlagzeilen. Mehrere Kreisverbände fordern Rechenschaft vom Landesvorstand und kritisieren Parteichef Armin Paul Hampel . Nach Ansicht der Angegriffenen hat die Kritik das Ziel, die Partei zu zerstören: Demnach folgen die Kritiker dem 2003 erschienenen Buch „Der Rechtsradikalismus– ein Randphänomen“, welches sich „wie die Gebrauchsanleitung zur Demontage unserer Partei“ lese. Vieles aus dem Buch verlaufe derzeit „deckungsgleich“ in der Partei, sagte der AfD-Landesvorsitzende Armin Paul Hampel am Mittwoch unserer Redaktion. Ziel sei die „Spaltung“ der Partei, begründet der Parteichef die Mail an die Mitglieder. Funktionäre sind nach Ansicht des Papiers „für andere Auftraggeber (FDP?) eingeschleust“ worden. Hampel teilt diese Vermutung ausdrücklich.

„Seitenlange Ergüsse“

Gerügt werden unter anderem „seitenlange Ergüsse“ in Internet-Netzwerken, „endlose Telefonate“, gute Beziehungen zu Medien (namentlich wird hier die Neue Osnabrücker Zeitung erwähnt) sowie Klagen vor dem Landesschiedsgericht. Demnach sind dort im Januar 2017 so viele Anträge eingegangen wie im gesamten Jahr 2016. Kein Wunder: Unter anderem hatten sich die kritischen Kreisverbände beim Schiedsgericht gegen die Absage eines Parteitags gewehrt. Heftige Vorwürfe erhebt das Schreiben namentlich gegen den renitenten Kreisverband Stade und eines seiner Mitglieder: Der in der dortigen AfD aktive Polizist S. werde in dem Buch bereits mit dem Scheitern der niedersächsischen Schill-Partei beschrieben. Der Beamte sei verdeckter Ermittler beim Hamburger Landeskriminalamt, im Bereich Menschenführung „professionell ausgebildet“ und kenne sich mit Eskalationsmanagement „bestens“ aus. Und anders als andere Polizeikollegen habe er für die Parteiarbeit viel Zeit und bekomme keine dienstlichen Probleme. Seitdem der Kreisverband Stade im Landesvorstand vertreten sei, „gibt es immer häufiger internen Streit“, beklagt das Papier.

Interne Vorgänge

Die Stader Kreisvorsitzende und Landesvize Astrid zum Felde wollte sich gegenüber unserer Redaktion nicht zu den Vorwürfen äußern. „Es handelt sich um interne Vorgänge“, sagte zum Felde.Auch andere Verbände werden in dem Vorstandsschreiben an die Mitglieder massiv kritisiert. „Fanden Sie es nicht auch merkwürdig, dass die ,kritischen Kreisverbände‘, unter anderem Ostfriesland , Göttingen, Stade,Osterholz-Verden, Osnabrück-Stadt, mit mittelmäßigen bis schlechtem Wahlergebnis aus der Kommunalwahl gekommen sind? Das passiert, wenn man [...] an einer neuen Satzung schreibt, statt Wahlkampf zu machen“, heißt es in dem Schreiben. Für die nun abgesagte Versammlung am kommenden Samstag in Hannover, an dem sich mehrere Landesvorstandsmitglieder auf aussichtsreiche Listenplätze für die Bundestagswahl bewerben wollen, riet der Vorstand, mit den Kritikern abzurechnen: „Zeigen Sie den Störenfrieden gnaden-, aber auch emotionslos die rote Stimmkarte!“, heißt es.


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