Neuer Beauftragter ernannt Bistum Osnabrück: Hinweise auf 28 Missbrauchsfälle in 70 Jahren


KNA/epd Osnabrück. Im Bistum Osnabrück hat es in den zurückliegenden Jahrzehnten 28 Hinweise auf Missbrauchsfälle gegeben. Sie bezogen sich auf 21 Personen, darunter auf 16 Geistliche der Diözese. An 17 Missbrauchsopfer zahlte das Bistum Geld.

Die Zwischenbilanz teilte das Bistum am Montag vor Journalisten in Osnabrück anlässlich der Vorstellung des neuen Ansprechpartners für Missbrauchsfälle, des früheren Landgerichtspräsidenten Antonius Fahnemann, mit. Die Fälle verteilten sich auf einen Zeitraum von sieben Jahrzehnten.

Bistum zahlte Geld an 17 Opfer

Über die Zahl der Opfer sage dies nichts; sie sei auch nicht zu ermitteln, so der Justiziar des Bistums, Ludger Wiemker. 19 Anträge auf materielle Anerkennung erlittenen Leids wurden nach den Angaben von Opfern gestellt. Davon seien zwei abgewiesen worden. In den anderen Fällen seien Beträge zwischen 1.000 und 10.000 Euro ausgezahlt worden. (Weiterlesen: Missbrauch im Bistum Osnabrück: Opfer erhalten 66.000 Euro)

Überwiegend beziehen sich die Hinweise nach den Angaben auf Fälle, bei denen die Beschuldigten verstorben sind. Neben 16 Geistlichen der Diözese wurden drei sonstige kirchliche Mitarbeiter beschuldigt sowie zwei seit Längerem dem Erzbistum Hamburg angehörende Geistliche. Die Hamburger Erzdiözese war 1995 hauptsächlich aus Teilen des Bistums Osnabrück neu gegründet worden. Ein Priester wurde den Angaben zufolge trotz strafrechtlicher Verjährung in einem kirchenrechtlichen Verfahren verurteilt. Er darf nicht mehr in der Kinder- und Jugendseelsorge arbeiten und keine Leitungsämter mehr übernehmen. In einem Fall wurde ein Priester zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er kinderpornografisches Material aus dem Internet heruntergeladen hatte. (Weiterlesen: Gerichtspräsident über Gerechtigkeit und Fehlurteile)

Pro Jahr meldeten sich bei ihr ein bis zwei Personen, sagte die seit 2002 tätige zweite Ansprechpartnerin für Missbrauchsfälle, die Frauenärztin Irmgard Witschen-Hegge. Neben sexuellem Missbrauchs gebe es Hinweise auf Gewaltanwendungen und psychischen Missbrauch. Ein wichtiges Anliegen der Betroffenen sei immer wieder der Wunsch, angehört und ernst genommen zu werden. Viele wollten, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden, anderen genüge eine Entschuldigung des Täters. Auch lange zurückliegende Ereignisse führten vielfach heute noch zu Konflikten im Alltagsleben der Betroffenen.

Unabhängige Arbeit

Das Bistum Osnabrück setzt künftig noch stärker als bisher darauf, dass die Beauftragten für Missbrauchsfälle völlig unabhängig von der Institution Kirche ihre Aufgabe wahrnehmen können. Neben Ärztin Witschen-Hegge hat das Bistum nun Antonius Fahnemann zum neuen Ansprechpartner ernannt. Er war bis Ende 2016 Präsident des Landgerichts Osnabrück. „Ich bin Bischof Bode dankbar für die Berufung, aber ich werde dieses Ehrenamt unabhängig und frei von Zwängen ausüben, nichts schönreden oder abwiegeln“, sagte Fahnemann am Montag bei seiner Vorstellung.

Vertrauen in die Kirche verloren

Fahnemann unterstrich die große Bedeutung der Unabhängigkeit dieses Amtes. Er selbst habe das Vertrauen in die Institution Kirche zu einem großen Teil verloren, als von 2010 an zahlreiche Missbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche bekanntwurden. Es sei für die Opfer auch nach Jahrzehnten noch wichtig, „dass eine Schuld festgestellt wird, sonst bleibt eine offene Wunde“.

Auch der Personalchef des Bistums, Ulrich Beckwermert, wies darauf hin, dass bewusst Menschen für dieses Amt ausgesucht worden seien, „die nicht im kirchlichen Bereich tätig sind oder waren“. Er rief dazu auf, jeglichen Verdachtsfall zu melden und versprach die sofortige Weiterleitung an die Staatsanwaltschaft, falls sich ein Verdacht erhärten sollte: „Jeder Fall von Kindesmissbrauch ist ein Verbrechen und nichts darunter.“ Witschen-Hegge betonte, dass viele Opfer sich erst nach 2010 getraut hätten, ihre Leiden zu erzählen. In der Regel seien dadurch ihre Beziehungen zu anderen Menschen bis heute belastet.


2 Kommentare