Steigender Ölpreis Öl und Gas im Nordwesten: Es wird wieder gebohrt

Die Förderplattform Mittelplate im Wattenmeer. Betreiber DEA will in dem Gebiet neue Bohrungen abteufen. Foto: dpaDie Förderplattform Mittelplate im Wattenmeer. Betreiber DEA will in dem Gebiet neue Bohrungen abteufen. Foto: dpa

Twist/Emlichheim. Die Öl- und Gasfördermenge in Norddeutschland geht seit Jahren zurück. Nun aber beleben der gestiegene Ölpreis und das neue Fracking-Gesetz die Branche. Es wird wieder gebohrt.

Der Öl- und Gasförderer DEA erwägt, stillgelegte Ölfelder im sogenannten Gifhorner Trog und vor Eckernförde zu reaktivieren, er schmiedet Pläne für vier neue Bohrungen im Wattenmeer und will sein Ölfeld Völkersen bei Bremen weiter erschließen. „Der gestiegene Ölpreis spielt dabei eine entscheidende Rolle“, sagt DEA-Sprecher Derek Mösche in Hamburg.

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Auch andere bohren wieder: Bei Emlichheim in der Grafschaft Bentheim investiert die Fördergesellschaft Wintershall nach eigenen Angaben 30 Millionen Euro in zwölf neue Ölbohrungen. Sechs davon habe man zum Jahreswechsel abgeschlossen, teilte die BASF-Tochter in dieser Woche mit.

110 neue Bohrungen im Emsland

Im größten Ölvorkommen Deutschlands zu Lande, dem Feld Rühlermoor im Emsland , plant der amerikanische Konzern ExxonMobil gemeinsam mit der französischen Engie seit Längerem 110 neue Bohrungen, aus denen in den kommenden Jahren Öl gepumpt werden soll. Das Unternehmen hofft auf grünes Licht von der zuständigen Bergbehörde bis Ende 2017. Liegt die Zustimmung vor, soll es mit den Bohrungen im Jahr 2018 losgehen.

Neben dem zuletzt wieder deutlich über 50 US-Dollar pro Barrel gestiegenen Ölpreis hebt auch das im Frühjahr wirksam werdende neue Fracking-Gesetz die Stimmung in der Branche. „Wir sortieren in Frage kommende neue Projekte“, sagt ExxonMobil-Sprecher Klaus Torp über die Erdgas-Pläne des Unternehmens. Und bei den Öl-Investitionen plane man zwar langfristig und lasse sich von Preisschwankungen nicht beirren, „aber der jüngste Ölpreis-Anstieg ist positiv für uns, keine Frage“.

Sorge um Nationalpark Wattenmeer

Bei Kritikern der Öl- und Gasförderung stoßen die neuen Bohrvorhaben auf Widerstand. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace fürchtet um das UNESCO-Welterbe Wattenmeer. Dort fördert DEA bereits seit 1987 in einer vom UNESCO-Status ausgenommenen Enklave. In dieser und in zwei neuen Enklaven soll nun neu gebohrt werden. Greenpeace sieht akute Gefahr für den ökologisch hochsensiblen Nationalpark Wattenmeer. Für den geringen Ertrag, den das Feld hergebe, sei das Risiko zu hoch. Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne) hält Probebohrungen für unvereinbar mit dem Nationalparkgesetz und hat Widerstand angekündigt.

Unbeeindruckt setzt die DEA ihre Planungen fort. Eine „vorsorgliche Versagung einer Erlaubnis im Vorgriff auf die eigentlichen Genehmigungsverfahren für die konkreten Bohrungsprojekte“ sehe das Berggesetz nicht vor, kontert sie Habecks Kampfansage.

Oligarch Michail Fridman kontrolliert DEA

DEA gehört seit seinem Verkauf durch den Energieversorger RWE zur Investorengruppe Letter One mit Sitz in Luxemburg. Sie wird von dem ukrainischstämmigen Oligarchen Michail Fridman und seiner Alfa Group in Russland kontrolliert.

Auch andere ausländische Investoren interessieren sich für das Öl des Nordwestens: Im Herbst erhielt die deutsche Tochter des Kimmeridge Energy Exploration Fund II mit Sitz im US--Steuerparadies Delaware die Erlaubnis, in Niedersachsen auf 1300 Quadratkilometern Öl und Gas zu suchen. Man rechne mit steigenden Preisen, sagte der in Lingen ansässige Deutschland-Statthalter von Kimmeridge damals. Über die Hintermänner des Unternehmens ist wenig bekannt.


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