Tierischer Problemfall Emsländische Jäger erlegen die meisten Nutrias in Niedersachsen

Von dpa

Nutrias sollen künftig in Niedersachsen stärker gejagt werden. Foto: dpaNutrias sollen künftig in Niedersachsen stärker gejagt werden. Foto: dpa

dpa/Hannover. Sie sind vor allem nachts aktiv, durchwühlen Ufer, Böschungen und Deiche und richten dabei großen Schaden an. Nutrias, auch Biberratte oder Sumpfbiber genannt, sollen künftig in Niedersachsen noch stärker gejagt werden.

Eher unbemerkt von der Öffentlichkeit hat sich in den vergangenen Jahrzehnten ein ursprünglich aus Südamerika stammendes Nagetier rasant vermehrt: Nutrias sind inzwischen in vielen Teilen Niedersachsens heimisch geworden. Die mitsamt Schwanz rund einen Meter langen Tiere richten nach Angaben des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums teils erhebliche Schäden an Bachläufen, Dämmen und Deichen an. Auch deswegen dürfen Nutrias, die auch als Sumpfbiber bezeichnet werden, in Niedersachsen seit 15 Jahren gejagt werden.

Seither hat sich die Zahl der erlegten Nutrias beständig erhöht. Im abgelaufenen Jagdjahr 2015/2016 wurden erstmals mehr als 10 000 Exemplare abgeschossen. Die Abschusszahl hat sich damit nach Angaben der Landesjägerschaft innerhalb eines Jahres um 37 Prozent erhöht.

„Große Gefahr für den Hochwasserschutz“

Die „stark zunehmende Verbreitung dieser invasiven Tierart“ stelle wegen des Wühlens an Deichen, Dämmen und Ufern eine „große Gefahr für den Hochwasserschutz“ dar, stellte jüngst die Landwirtschaftskammer fest. Zudem bestehe die Gefahr, dass landwirtschaftliche Maschinen in Bauten der Nutrias einbrechen. Der niedersächsische Wasserverbandstag beklagt, dass die Unterhaltungsverbände mittlerweile hohe Summen aufwenden müssen, um Ufer wieder herzustellen, Deiche zu sanieren und Dämme zu reparieren – Tendenz steigend. (Weiterlesen: Niedersachsens tierische Problemfälle)

Bevorzugen den Westen und Osten Niedersachsens

Die teils mehr als zehn Kilogramm schweren Nager waren ursprünglich als Pelztiere aus ihrer Heimat Südamerika nach Europa importiert und hier gezüchtet worden. Der erste schriftliche Nachweis in Niedersachsen stamme von 1949, berichtet der Wildtierexperte Egbert Strauß im Landesjagdbericht. Die Nutrias waren damals in einem Stauteich an einem Heidefluss im Landkreis Uelzen ausgesetzt worden. Inzwischen breiten sich die Sumpfbiber scheinbar unaufhaltsam vor allem im Westen und Nordwesten sowie im Osten Niedersachsens aus.

Wegen der zunehmenden Schäden dürfen Nutrias in Niedersachsen seit 2001 nach dem Jagdrecht geschossen werden. Im ersten Jahr wurden 911 Exemplare erlegt. 2009 waren es bereits 5588 Tiere. Im abgelaufenen Jagdjahr wurde der bisherige Höchststand von 10.387 getöteten Sumpfbibern verzeichnet.

3527 Nutrias im Emsland erlegt

Mehr als die Hälfte davon wurden allein in den drei Landkreisen Emsland (3527), Cloppenburg (1388) und Osnabrück (976) erlegt. Nennenswerte Zahlen gab es auch in den Kreisen Celle (573) Gifhorn (754), Lüchow-Dannenberg (520), Vechta (611) und Uelzen (385). Im südlichen Niedersachsen, im Harz und im Weserbergland wurden dagegen bisher nur wenige Tiere erlegt.

Die Landesjägerschaft geht allerdings davon aus, das die Nager „das verfügbare Lebensraumpotenzial noch lange nicht ausgeschöpft“ haben und in weitere, von ihnen bisher kaum oder gar nicht besiedelte Gegenden vordringen werden. Die nachtaktiven Tiere, die gut schwimmen und minutenlang tauchen können, halten sich meist in der Nähe von Gewässern auf. Sie graben sich meterlange Baue und ernähren sich überwiegend von Pflanzen.

Sie sind für das Absterben von Bäumen verantwortlich

Weil Nutrias Rinde schälen, sind sie nach Angaben des niedersächsischen Wasserverbandstages auch für das Absterben von Bäumen in Ufernähe verantwortlich. Deutlich größere Schäden richteten sie aber beim Wühlen an Ufern, Böschungen, Deichen und Dämmen an, sagt Geschäftsführer Godehard Hennies. Der Wasserverbandstag fordere eine konsequente Jagd auf Nutrias nicht nur mit Schusswaffen, sondern auch mit Fallen. So sieht es auch das Landwirtschaftsministerium: „Die Bestandsreduzierung durch Abschuss ist zu intensivieren.“


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