Bayern misst Werte, Niedersachsen nicht? Chemtrails: CDU-Abgeordneter Bäumer lässt nicht locker

Kondensstreifen oder doch Chemtrails? Der umweltpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Martin Bäumer fordert Aufklärung von der niedersächsischen Landesregierung. Montage: Michel/Fotos: dpa/Michael GründelKondensstreifen oder doch Chemtrails? Der umweltpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Martin Bäumer fordert Aufklärung von der niedersächsischen Landesregierung. Montage: Michel/Fotos: dpa/Michael Gründel

Osnabrück. Martin Bäumer lässt nicht locker. Der niedersächsische Landtagsabgeordnete aus dem Landkreis Osnabrück hat trotz bundesweiten Spotts seine mittlerweile dritte parlamentarische Anfrage im Zusammenhang mit Chemtrails und Geo-Engineering gestellt.

Unter Drucksache 17/7106 will Bäumer unter anderem von der Landesregierung in Hannover wissen, ob Bayern die Luft besser überwacht als Niedersachsen. Hintergrund der Frage sind vom bayrischen Landesamt für Umwelt (LfU) veröffentlichte Ergebnisse der „lufthygienischen Luftüberwachung“ . In einer langen Liste von Bestandteilen der Luft tauchen auch Messwerte für die Metalle Aluminium und Barium auf. (Weiterlesen: Abgeordneter: Regierung muss Existenz von Chemtrails prüfen)

Die Sache mit den Chemtrails

Die wiederum gelten einigen Überzeugten als Beleg für die mutmaßlich staatlich gesteuerte Beeinflussung der Umwelt durch das Ausbringen von Chemikalien. Wahlweise zur Lenkung des Wetters oder aber der Fruchtbarkeit der Bevölkerung. Vor allem die hinlänglich als Kondensstreifen bekannten Himmelsphänomene sind für Chemtrail-Gläubige nicht Hinterlassenschaften von Flugzeugen, sondern sichtbarer Beleg für die Ausbringung von schädlichen Chemikalien über unseren Köpfen.

Bereits zwei Mal hatte Bäumer – umweltpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion - zu dieser Verschwörungstheorie die Landesregierung gefragt. Erst wollte er wissen, ob Chemtrails überhaupt existieren. Und als das Umweltministerium in Hannover dies verneinte, ob sich deren mutmaßliche Bestandteile in der Luft nachweisen ließen. Die Behörde teilte Bäumer mit, dass weder Aluminium noch Barium in Niedersachsen ermittelt würden. Dies sei gesetzlich nicht vorgeschrieben und unterbleibe aus Kostengründen.

Niedersachsen vermeldet Werte nicht

Der CDU-Abgeordnete Martin Bäumer geht den Dingen gerne auf den Grund. Beim Thema Chemtrails und Geo-Engineering hat er nun bereits die dritte Anfrage an die Landesregierung in Niedersachsen gestellt. Foto: dpa

Anders in Bayern, wo das zuständige Landesamt die Werte von Stoffen ausweist, deren Gehalt im Staubniederschlag zu bestimmen ist. Die Messewerte zu Aluminium und Barium seien quasi Nebenprodukte, deren Werte einfach so veröffentlicht würden, teilt ein Behördensprecher mit. Und weil er weiß, dass die Messergebnisse einigen Chemtrail-Gläubigen als Existenzbeweis der Verschwörungstheorie dienen, schiebt er gleich hinterher: „Die in sozialen Medien in den letzten Wochen vielfach verbreitete Suggestion, dass unsere Staubniederschlagsmessungen und insbesondere die dabei gefundenen Metallkonzentrationen zeigen, dass über sogenannte Chemtrails Metallstäube in die Atmosphäre gebracht werden, wird vom LfU nicht mitgetragen und nicht bestätigt.“ Dass die nachgewiesenen Mengen der Metalle steigen, begründet der Sprecher mit besserer Messtechnik, die genauere Auswertungen erlaube. (Weiterlesen: Nach Chemtrail-Forderung: SPD empfiehlt Bäumer Amtsverzicht)

Gesundheitliche Schäden?

Bleibt die Frage, ob Niedersachsen die Werte nicht doch auch quasi nebenbei erhebt. Bäumer will das von der Landesregierung wissen. Und welche gesundheitlichen Auswirkungen Barium und Aluminium in der Luft auf Menschen haben.

Bereits für seine bisherigen Anfragen zum Thema hatte Bäumer Spott geerntet. Die SPD im Landtag bezeichnete ihn als „Abgeordneten mit Aluhut“, der seine Langeweile nicht im Griff habe. Zudem wurde ihm nahe gelegt, seinen Posten als umweltpolitischer Sprecher seiner Fraktion zu räumen. Und selbst innerhalb der CDU ging man nach außen hin auf Distanz. Bäumer frage nicht in seiner Funktion innerhalb der Fraktion an, sondern als einzelner Abgeordneter, betonte ein CDU-Sprecher.

Bäumer will Hintergründe beleuchten

Bäumer sagt rückblickend: „Natürlich hinterfragt man auch für sich selbst, ob man auf dem richtigen Weg ist. Das mache ich bei jedem Thema so.“ Er wolle Klarheit schaffen, denn: „Es reicht nicht aus, etwas einfach als Verschwörungstheorie abzustempeln, ohne die Hintergründe beleuchtet zu haben. Wenn wir das zulassen, haben wir als Gesellschaft schon verloren.“

Ihn ärgern die Rückmeldungen der Landesregierung. „Als Abgeordneter lasse ich mich nicht mit einfachen oder vielleicht sogar falschen Antworten abspeisen.“ Er wolle wissen, warum Behörden in Deutschland Dinge unterschiedlich handhaben. Mit Antworten aus Hannover ist Anfang 2017 zu rechnen. Und selbst wenn wieder in der Landeshauptstadt über den Abgeordneten aus Glandorf gespottet werden sollte: In den Kreisen derjenigen, die an Chemtrails oder Geo-Engineering glauben, wird Bäumer Bewunderung für seine Hartnäckigkeit zuteil. (Weiterlesen: Chemtrails: Landesregierung Niedersachsen glaubt nicht dran)


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