Deutschland sagt Tansania Hilfe zu Ehemalige „Goetzen“: Historischer Kolonialdampfer soll weiter fahren

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Die „Liemba“ im Hafen der tansanischen Stadt Kigoma. Foto: Chris PatemanDie „Liemba“ im Hafen der tansanischen Stadt Kigoma. Foto: Chris Pateman

Berlin/Kigoma. Lange sah es schlecht aus für die einstige „Goetzen“ aus Papenburg. Das Schiff, das seit mehr als 100 Jahren auf dem Tanganjika-See in Tansania fährt, lag immer häufiger mit Schäden fest. Seine Zukunft war ungewiss. Nun soll der legendäre Dampfer renoviert werden. Mit Geld aus Deutschland.

Bis zu fünf Millionen Euro will die Bundesregierung für die Instandsetzung des 1913 auf der Papenburger Meyer Werft gebauten Schiffes bereitstellen, das heute den tansanischen Namen „Liemba“ trägt. Diese Summe nannte ein Sprecher des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unserer Redaktion. „Die Instandsetzung der Liemba ist uns ein zentrales Anliegen“, sagte der Sprecher.

Die Federführung bei dem Hilfsprojekt hat das Bundesaußenministerium. Von dort heißt es: „Das tansanische Fährschiff Liemba ist Symbol der langjährigen, guten Beziehungen zwischen der Vereinigten Republik Tansania und Deutschland.“ Die Bundesregierung strebe eine Sanierung des Schiffes an. Derzeit verschafft sich das Auswärtige Amt nach eigenen Angaben derzeit gemeinsam mit der Förderbank KfW „einen Überblick mit tragfähigen und belastbaren Kostenschätzungen als Entscheidungsgrundlage für mögliche nächste Schritte.“ (Weiterlesen: NOZ-Reporter reist auf legendärem Schiff „Liemba“ in Afrika

Mit Hilfe schwer getan

Vorausgegangen war ein Instandsetzungsbeschluss der tansanischen Regierung. Die staatliche Schifffahrtsgesellschaft Marine Services Company Ltd. schrieb im Sommer Aufträge zur Renovierung der „Liemba“ und zweier Schiffe auf dem Victoria-See aus.

Deutschland hatte sich mit einer Hilfszusage für das einst von der kaiserlichen Kolonialverwaltung in Dienst gestellten Schiff in früheren Jahren schwer getan. Nach einem Bericht des „Spiegel“ versuchte Niedersachsen 2011 erfolglos, die Bundesregierung zu einer Hilfszusage zu bewegen. Drei Jahre später weckte Bundesaußenminister Walter Steinmeier während eines Staatsbesuches in Tansania neue Hoffnungen, als er die „Liemba“ als Symbol der Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern würdigte. Eine Hilfszusage aber gab es nicht.

Ältestes Passagierschiff

Die „Liemba“ ist unter Historikern und Schifffahrtsexperten weltbekannt. Das älteste im Liniendienst fahrende Passagierschiff der Welt überlebte den Ersten Weltkrieg, wurde versenkt und wieder gehoben. Die „Goetzen“ diente als Inspiration für den britischen Filmklassiker „African Queen“ mit Humphrey Bogart und Katherine Hepburn.

Der deutsche Kaiser Wilhelm II. hatte den Dampfer 1913 auf der Meyer Werft bauen und sogleich wieder zerlegen lassen. In 5000 Kisten verstaut, wurde die „Goetzen“ in die damalige Kolonie Deutsch-Ostafrika verschifft, von Daressalam per Eisenbahn ins Landesinnere transportiert und das letzte Stück von Hunderten Trägern ans Ufer des Tanganjika-Sees geschleppt. Dort setzten drei Papenburger Schiffsbauer und einheimische Arbeiter das Schiff wieder zusammen. Ihre Geschichte erzählt der Schriftsteller Alex Capus in seinem Roman „Eine Frage der Zeit“.

Im Krieg von Deutschen versenkt

Im Ersten Weltkrieg rüsteten die deutschen Kolonialtruppen die „Goetzen“ mit Kanonen aus. Als sich ihre Niederlage in Ostafrika abzeichnete, wurde das Schiff von den Deutschen selbst versenkt. Die siegreichen Briten hoben es und machten es wieder flott. Heute ist die „Liemba“, inzwischen mit Dieselmotoren ausgestattet, das wichtigste Transportmittel für die Bevölkerung auf der tansanischen Seite des 670 Kilometer langen Tanganjika-Sees.

Lesen Sie auch: Das Schiff, das aus den Kisten kam - die Geschichte der „Liemba“.


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